Zwangsarbeit im Dritten Reich — Das KZ Katzbach in Frankfurt

Andrzej Branecki und Januzs Garlicki sind zwei Zeitzeugen des Konzentrationslagers Katzbach, das von August 1944 bis März 1945 in den Adlerwerken durch das Wirtschafts-Verwaltungshauptamt der SS und die Unternehmensleitung der Adlerwerke eingerichtet wurde. Ich zeichne ihre Geschichte nach, weil sie zwei von 1616 Zwangsarbeitern sind, die die Kriegszeit nach 1945 überlebt haben.
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Andrzej Branecki und Januzs Garlicki sind zwei Zeitzeugen des KZ Katzbach, das von August 1944 bis März 1945 in den Adlerwerken eingerichtet war. Unter unmenschlichen Bedingungen arbeiteten und lebten die meist polnischen Zwangsarbeiter, bewacht durch SS-Truppen. Wer zu schwach war und starb wurde durch neue Häftlinge ersetzt. Der jüngste Häftling war gerade mal 11 Jahre alt. Die meisten der 1616 starben unmittelbar oder kurz nach der Auflösung des Lagers. Die Arbeiter der Adlerwerke wussten das alles und schwiegen. 

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Heute gibt es Bücher zu dem Thema und eine Gedenktafel erinnert an die Taten. Eine Gedenkstätte ist im Aufbau, 78 Jahre danach soll endlich an das Schicksal der Zwangsarbeiter erinnert werden. Diese Sendung ist ein Beitrag dazu ein würdiges Andenken an die Opfer des KZ Katzbach zu bewahren. Redaktion: Thorsten Sinning 2021 Am 19. März 2022 findet am Frankfurter Mainufer eine Gedenkwache statt. 

Interessierte melden sich bitte unter gedenken@lagg-ev.de an oder finden infos im Internet unter https://www.lagg-ev.de/gedenken/


Brief und Unterschrift vom Zeitzeugen Andrzej Branecki, Foto: Stefanie Grohs

Links und Literatur

ANDREA RUDORFF Katzbach - das KZ in der Stadt erschienen im Wallstein-Verlag ISBN 978-3-8353-3953-8 erste Auflage (Mai 2021)

https://www.wallstein-verlag.de/9783835339538-katzbach-das-kz-in-der-stadt.html

Garlicki, Janusz Von der Wahrscheinlichkeit zu überleben Aus dem Warschauer Aufstand ins KZ-Außenlager bei den Frankfurter Adlerwerken. Aus dem Polnischen von Andrea Rudorff, erschienen im Harrassowitz-Verlag in der Reihe Polnische Profile ISBN: 978-3-447-11705-0 erste Auflage 2021

https://www.harrassowitz-verlag.de/Von_der_Wahrscheinlichkeit_zu_%C3%BCberleben/titel_6871.ahtml

Ernst Kaiser, Michael Knorn: “Wir lebten und schliefen zwischen den Toten. Rüstungsproduktion, Zwangsarbeit und Vernichtung in den Frankfurter Adlerwerken”, erschienen im Campus Verlag, dritte Auflage 1998 ISBN 978-3593361635 und

Die letzten Zeugen des KZ Katzbach: Gespräche mit Überlebenden des KZ-Aussenlagers Katzbach der Adlerwerke Frankfurt am Main Gebundene Ausgabe – 29. August 2005 von Claudy-Stiftung (Herausgeber), Skibinska (Autor) ISBN 978-3937774114 leider nicht mehr lieferbar.

https://kz-adlerwerke.de/

https://www.lagg-ev.de/gedenken/  

Transkription

[0:00] Hallo und herzlich willkommen hier im Politopia-Magazin. Heute die letzte Ausgabe in diesem Jahr. Heute ist der 29. Dezember. Wir beschäftigen uns heute
mit dem Thema Zwangsarbeit im Dritten Reich, insbesondere an dem Beispiel des Kassette Katzbach in Frankfurt am Main,
In den Adlerwerken im Stadtteil Gallus. Am Mikrofon begleitet euch durch die Sendung Thorsten Sinning.

[0:30] Das Thema Zwangsarbeit im Dritten Reich ist ein sehr großes Thema und ich möchte es herunterbrechen auf die Geschichte der Adler Werke und hier auf das Konzentrationslager Katzbach.
In den Adlerwerken selber gab es eine große Fabrikanlage,
Zwangsarbeit von 1941 an. Dort wurde ein ziviles Zwangsarbeitslager eingerichtet.
Und,
ab 1944, ab dem 22. August 44 gab es dann auch ein militärisches Arbeitslager. Das sogenannte Konzentrationslager Katzbach.

[1:14] Was unterscheidet die Beiden? Dafür habe ich mir ein Buch besorgt, das von Janus Garlicy geschrieben wurde. Jannis Galici ist.
Insasse dieses KZ Katzbach gewesen und der schreibt dazu, dass die Zuweisung der Arbeitskräfte.
Zwei konkurrierende Stellen organisiert wurden. Der Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz,
die Verteilung der zivilen Zwangsarbeitskräfte an die deutsche Industrie, Verwaltung und Landwirtschaft organisierte, sowie das SS Wirtschaft,
Hauptverwaltungshauptamt.
Schon seit 1942 verstärkt, seit 1944 der deutschen Rüstungsindustrie KCF-Häftlinge als Arbeitskräfte zur Verfügung stellte.
In der Regel wurden sie in eigens eingerichteten Außenlagern bestehender Konzentrationslager in der N e der Unternehmen untergebracht.
Das Effes Wirtschaftsverwaltungshauptamt rechnete Mitte August 1944 damit,
400.000 Polinnen und Polen also fast die Hälfte der gesamten Warschauer Zivilbevölkerung in Konzentrationslager gebracht würden.

[2:35] Am Ende waren es nach zeitgenössischen Schätzungen rund 68.000 Menschen, die w rend des Warschauer Aufstandes,
die Konzentrationslager abtransportiert wurden sowie 65.000 Menschen, die als zivile Zwangsarbeitskräfte ins Reich gebracht wurden.
Rund 130.000 Menschen, die man als weniger geeignet für den Arbeitseinsatz ansah, wurden ins Generalgovernement gebracht.

[3:09] Janusz Galicki hat im Alter von 21 Jahren Frankfurter Boden betreten.
Nicht freiwillig. Er war in Warschau zu der Zeit, als es dort den Warschauer Aufstand gab.
Nicht zu verwechseln mit dem Warschauer Ghetto. Der Warschauer Aufstand war nach dem Einmarsch der Deutschen und deren Kriegsherrschaft eine Zeit, wo die polnische Bevölkerung,
aufbegehrte,
der Druck von den deutschen Behörden, das insbesondere die SS-Truppen in die Wohnungen eindrangen, Häuser zerstörten, Stadthalle Niederbrannten und Menschen wahllos töteten.

[3:58] Viele von Ihnen wurden, wie er schrieb,
in das KZ gebracht oder gleich an Ort und Stelle getötet. Sein Buch von der Wahrscheinlichkeit zu überleben gibt ein bebildertes Zeugnis von dieser Zeit.
Janosch, wie gesagt, von in diesem Alter 21 Jahre alt und,
ist nach Frankfurt gekommen. In Frankfurt wurde er in dem Arbeitslager Katzbach in den Adlerwerken interniert.
Er beschreibt in dem Buch sehr ausdrücklich seine Zeit hier und manchmal die Trivialität des Alltags, aber immer die Brutalität und vor allen Dingen die steigende Entmenschlichung,
in der Zeit, insbesondere als dann der Winter einbrach und auch
der Krieg nach Frankfurt kam durch in Form von Luftangriffen Versorgungsengpässen und.
Kriegseinwirkungen.

[5:01] Ich habe jetzt auch ein Interview hier mit Andrea Rudolf Rudolph, Andrea Rudolph ist äh,
Mitarbeiterinnen, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Fritz Bauer Institut und mich möchte mit ihr kurz,
über ihr Arbeitsgebiet sprechen, auch über die Pläne für eine Gedenkstätte im Gallus, in den Adlerwerken zum KZ Katzbach.

[5:29] Hören wir doch mal in das Interview rein.
Am Telefon begrüße ich Andrea Rudolph. Sie ist Forscherin am Fritz Bauer-Instituten. Sie erzählt uns etwas über das KZ Katzbach. Sie,
forscht seit 218, wie es mir gesagt hat an dem Thema und kann uns Genaueres darüber erzählen. Frau Rudolf, Sie haben ja auch ein Buch, kommentiert, herausbracht, übersetzt über einen der Häftlinge sprechen wir doch erst mal über das KZ-Katzbach an sich, von wann bis wann bestand das KZ und
was war der Hintergrund von dieser Einrichtung in Frankfurt?

[6:12] Genau das Buch zum Lager selber ist auch in diesem Jahr erschienen, genauso wie das
Buch über Janosch Galizi und ja dieses KZ Automaga gehörte zum Lagerkomplex Natzweiler und ist im August 1944 entstanden.
der Hintergrund war, dass die Adlerwerke in Frankfurt große Firma die,
Autos, Fahrräder und Büromaschinen hergestellt hat. in dieser Zeit aber natürlich wie alle anderen Industrieunternehmen vor allem in der Rüstungsproduktion tätig war.
Arbeitskräfte angefordert haben und zu diesem Zeitpunkt vor allem KZ-Häftlinge von den Rüstungsbehörden als Arbeitskräfte zur Verfügung gestellt worden sind und dieser,
Einrichtung eines KZ-Außenlagers an einem Nutzungsunternehmen,
Zu diesem Zeitpunkt im Deutschen Reich fast alltäglich in fast jeder Großstadt befand sich so ein KZ-Außenmarker und insofern ist das auch ja sehr häufig ähm.

[7:15] Mhm. Also das gehört zur Normalität, also in den Kriegsalltag. Von von
Zweier gab es ja mehrere Außenlager in der Region, eins glaube ich in in Mannheim, eines auch in Mörfelden, neben dem Flughafen, um da mit Zwangsarbeitern,
Startbahn und Landebahn zu bauen und natürlich dann jetzt auch hier in Katzbach das war ein Notarnahmen, es waren im Prinzip Theaterwerke
die das die die Zwangsarbeiter angefordert haben sogar aktiv und die auch die für die,
für die Wohnquartiere und auch die Verpflegung dieser Lager dann zuständig waren. Das war also keine,
Es waren Kriegseinrichtungen, aber es waren,
private Unternehmen die das gemacht haben die das angefordert haben zum Unternehmer wirklich da sich mit Kriegsverbrechen schuldig gemacht haben.
das KZ hat,
vom August bis sind 44 bis März 1945 existiert. Es hatte aber eine sehr hohe Todesrate und auch wir haben auch deswegen nur sehr wenige
Berichte von Überlebenden
einer ist Janosch Jawitschi, er hat ein Buch sogar darüber geschrieben, weil er später auch für eine Zeitung Chefredakteur eine Zeitung in Polen war und die sehr
Erinnerungen aufgeschrieben hat und die Buchhinweise kann man auch auf unserer Webseite nochmal nachgucken.

[8:44] wir hatten das Buch hier selber übersetzt und vielleicht nähern wir uns dem Schicksal der Häftlinge einfach über dieses Buch.

[8:56] Januschky gehört zu der Gruppe von Häftlingen im KZ-Außenlager Katzbach die aus dem Warschauer aufstand, die während der ersten Tage des Warschauer Aufstandes dort im Rahmen von Razzien verhaftet worden sind.
Und die ja Deutschen hofften aufgrund der des massiven Abtransportes und für diese Bevölkerung und auch aufständischen,
dort den den Widerstand der Branchenbevölkerung etwas entgegensetzen zu können oder ihnen zu schwächen. Mhm. Und ein Großteil dieser dieser festgenommenen ist dann zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich gebracht worden.

[9:35] wohin genau sie gekommen sind wussten die Betroffenen meistens
nicht und es war auch oft vom Zufall abhängig ja wo sie dann letztendlich gelandet sind und Januar beschreibt eben sie ja auch mehr oder weniger zufällig einem Zugtransport nach Buchenwald zugeordnet worden ist.
Und im Buchenwald das Bad zu diesem Zeitpunkt ein,
Hefting also einen Umschlag, Platz für Häftlingsarbeitskräfte und auf diese Art und Weise ist ja dann dort ausgewählt worden, um nach Frankfurt.
Gebracht zu werden. Janus Kalischi war damals 21 Jahre alt als er festgenommen wurde und nach Buchenwald kam
ein sehr junger Mensch. Ähm,
Ich muss noch sagen, die diese Häftlingstransporte, die Zwangsarbeit, wurden ja industriell organisiert von der SF. Das heißt, es gab Hauptämter, die das Ganze.

[10:34] Organisierten und Firmen konnten sich Zwangsarbeiter quasi bestellen auf einem Formular so und so viel Ingenieure, so und so viel Facharbeiter sind zu viel Hilfskräfte.
Das heißt, er kam nicht zufällig nach Frankfurt, sondern jemand hat ihn
bestellt, also das war eine zivile Verwaltung, ein ziviles Unternehmen, was die Zwangsarbeit eingesetzt hat.
Genau, Rüstungsunternehmen konnten ihre ihre Bedarfe anmelden und Sommer 44 als eben die zivilen Zwangsarbeiter der Zustrom durch den Vormarsch der Alliierten dann.

[11:09] Abgeschwächt wurde, waren das dann hauptsächlich KZ-Häftlinge. Mhm. Das ist so ein KZ-Außenlager in Frankfurt entstanden ist
nicht ungewöhnlich. Es gab in fast jeder Großstadt zu diesem Zeitpunkt KZ-Häftlinge, die für Rüstungsunternehmen zur Zwergsarbeit eingesetzt worden sind. Mhm. Dazu zu sagen, dass die Adlerwerke natürlich auch schon seit 1941 zivile Zwangsarbeiter und äh,
also weiter innen in ihren Fabrikproduktion in ihrer Industrieproduktion beschäftigt haben.
Mhm. Das heißt, das KZ war kein Vernichtungslager, wie man das nennt, wenn Leute gezielt
vergast, getötet werden, sondern es war ein Arbeitslager. Und dass Leute dabei zu Tode kamen, hat man in Kauf genommen quasi, aber ähm,
sie wurden nicht durch die Zwangsarbeit sollten sie nicht sterben. Janus schreibt in seinem Buch allerdings sehr eindeutig erdrücklich, wie schlecht die Verhältnisse in dem Lager waren.

[12:12] genau, also Janoschkewitzki gehörte auch zu den Funktionsheftigen in diesem Lager und hatte dadurch, dass er in der Küche gearbeitet hat, einen besonderen Einblick auch in die Lebensmittelverschiebungen, die in diesem Lager stattfanden.
die SF hat damals im Guten Stil, Rationen, der Häftlinge für sich selbst
genutzt und auch in der Bevölkerung verteilt dort war das natürlich auch sehr begehrt weil in Frankfurt die Situation 1944 ja auch nicht so rosig für die deutsche Zivilbevölkerung war und das DSF wacht Männer
zwölf Rationen, also zwölf Männer haben sich da die Essensportionen von den Häftlingen
beschlagnahmt, also haben die Häftlinge haben Fleisch bekommen, haben Kartoffeln bekommen, haben Milchspeisen bekommen und das was wertig war, also das Fleisch, das haben die SS-Männer sich geklaut.

[13:09] Mehr oder weniger und dann den Häftling, die die Knochen überlassen, das heißt die arbeitenden Häftlinge, die dort bis
bis zur Erschöpfung arbeitet, dann kriegst du zweimal am Tag eine Suppe aus mehr oder weniger Kartoffeln, Kartoffelschalen, Rüben und und Knochen.
ja und auf diese Art und Weise ist es eben dann im Laufe der Wochen und Monate zu einer massiven Unterernährung von den Häftlingen
gekommen, die dann auch zu einer stark ansteigenden Todesrate geführt hat im Laufe des Herbstes und Winters vierundvierzig, fünfundvierzig.
Die Toten, also die Todesrate in diesem Außenlager von fast einem Drittel der Häftlinge ist extrem hoch.

[13:51] Und man muss sich ja vorstellen, es gab ja auch zivile Kollegen. Also die haben ja nicht in einer anderen Fabrik gearbeitet. Wie waren sie an den Adlerwerken beschäftigt? Das ist ja ein Riesenkomplex, wenn man sich da vorstellt.

[14:05] Das muss doch jemandem aufgefallen sein, dass da Menschen sterben? das Sterben und die Verelendung der Häftlinge durch die Belegschaft der Angerwerke
natürlich sie also durch die Beleger von der Belegschaft gut sichtbar, weil sie ja zwar räumlich isoliert arbeiten sollten, aber dennoch ähm,
in in diesem Gebäudekomplex sich bewegt haben
und dort sind auch Leichen beispielsweise der verstorbenen Häftlinge abtransportiert worden über dem Hof. Das war für für alle gut sichtbar und wir haben in Frankfurt die besondere Situation, dass wir sehr sehr,
zeitnah Berichte von Unternehmensangehörigen haben im Rahmen von Kriminalpolizeilichen
Ermittlungen, die dann direkt nach dem Krieg stattgefunden haben und dort wird die Perspektive von diesen Leuten auf das Lager gut sichtbar und einige sind auch zu diesem Zeitpunkt immer noch sehr schockiert und man merkt, wie sie
Das beschäftigt was dort passiert ist und andere empfanden eben die Entrechtung von ausländischen Arbeitern in einer Kriegs
Möglichkeit eben auch als Normalität. da muss man dazu sagen, dass sie eben auch schon seit 1941 in den Adlerwerken zivile Zwangsarbeiter waren und das bestimmte Gruppen von Arbeitern gab, die entrechtet waren und
auf deren Leben weniger Wert legt wurde, war für die Belegschaftsmitglieder offensichtlich etwas Normales. Äh.

[15:35] Ja. Okay erstmal. Man hat sich dann als Sklavenarbeit geföhnt oder war es dann die Angst?

[15:41] In dem System etwas darüber zu sagen.
Unter den deutschen Arbeitern. Ja, sicherlich beides, obwohl auch es gab auch etwas halbherzige Versuche von Interventionen, vor allem von den Betriebsmeistern dort vor Ort, die natürlich auch an,
einem relativ guten Ernährungszustand der Häftlinge interessiert waren, weil sie ja Arbeit leisten sollten.
Versucht haben Inspektionen in der Küche zum Beispiel zu erwürgen aber Janosch Galitzky beschreibt das eben auch sehr schön, dass es ähm,
meine Farce war, weil natürlich an dem Tag, wenn so eine Inspektion dann angekündigt worden ist, da eine besonders reichhaltige Suppe gekocht worden ist, sodass sie ähm,
diese diese Lebensmittel verstehen natürlich irgendwie niemals wirklich feststellen konnten oder wollten,
Insgesamt kann man sagen, dass die Unternehmensleitung,
sich überhaupt nicht dafür interessiert hat, der SS dort Einheit zu gebieten und das wirklich im Rahmen ihrer,
Antwort, also dass Sie in Ihrer Verantwortung dort nicht gerecht worden sind für diese Hälftlinge, die ja für ihr Unternehmen,
nach Frankfurt gekommen sind. DSF hat dem Unternehmen 85 Pfennig in Rechnung gestellt für die Verpflegung jedes einzelnen Häftlings.
Die SS-Leute, die Wachleute haben sicher das Fleisch abgezogen.

[17:08] Und für die für die Häftlinge blieb ja dann unwertiges Essen das,
sie selber als als überhaupt ekelig darstellten und ähm,
das ist keinem aufgefallen. Das das heißt, es gab auch oder im beschreibt ja auch die SS-Leute haben sich in der Zeit auch verroht.
Man hat sich daran offensichtlich auch irgendwie gewöhnt. Also an diese dieses Sklavenarbeit, diese Sklavenhaltung.

[17:42] für die für die OPS-Leute war ja für die SS-Leute war dieses Lager auch eine Chance ihren ihren eigenen ähm,
Macht kriegen da
zu frönen, weil sie eben gemerkt haben, dass es keine keine Kontroll Mechanismen gab, die sie daran hinderten unmenschlich gegenüber den Häftlingen vorzugehen.
Dazu muss man sagen, dass die Wachmannschaften sehr heterogen waren. Viele von denen, was eben auch typisch ist für diese letzte Kriegsphase, waren
ehemalige Wehrmachtssoldaten, vor allem von der Luftwaffe, die dann in dieser Phase.
als KZ-Wachmannschaften eingesetzt worden sind und nur einige von ihnen hatten schon vorher in anderen KZ,
Dienst getan einige zum Beispiel in wo sie auch an Judentötungen vermutlich beteiligt waren und dort schon eine gewisse Verrohung eingesetzt war. Mhm Madamek war ein Vernichtungslager.

[18:50] Dort gab es im November dreiundvierzig eine große Aktion zur Tötung von Juden sowohl im Lager als auch in der Umgebung und da das waren Erschließungsaktionen
die ja auch sehr brutaler Weise so durchgeführt worden sind. Hm ähm.
Das heißt also schreibt ja auch, dass es am Anfang sogar menschliche,
gab, die aber dann derzeit durch den Gruppendruck oder auch durch durch Abstumpfung dann vor Roten, die dann plötzlich ihre Menschlichkeit verloren haben, die Leute auch mit Ochsenstrehmann beziehen und geschlagen haben.
Menschen oder gesehen haben wie wie die Arbeiter dort leiden. Ähm.
Das heißt also, das das ist auch so ein Gruppen, dynamischer Prozess gewesen, ohne das jetzt beschönigen zu wollen, aber
die Verrohung ich finde das unfassbar, das hat mich echt entschlafen lassen, nachdem ich das Buch gelesen habe. Ja und ohne Frage gibt es da Gruppendynamische Prozesse.
die sich eben insbesondere dann entfalten, wenn dem nicht entgegengesetzt wird.

[20:01] jetzt müssen wir ja sehen, in Frankfurt gab es ja in der Zeit auch Luftangriffe, das heißt
Wenn das Lager jetzt von März 44 bis Quatsch von August 44 bis März 45 Bestand er beschreibt's ja auch, es gab mehrere Luftangriffe, wo das Lager auch oder das Werk getroffen wurden wo
in VR oder wo Festlinge eingesetzt wurden, um dann auch Bauarbeiten durchzuführen, Schäden auszubessern.
Ja. Für die Häftlinge war besonders belastend, wenn sie bei Luftalarm immer in den Keller getrieben worden sind in einen übermenschlichen Tempo dort runterrennen mussten und das manchmal mehrmals in der Nacht.
Januar neunzehnhundert4fünf ist es auch zu einem Luftangriff auf die Adlerwerke gekommen und ähm,
mehrere hundert Testlinge sind in einem nicht ausreichend gesicherten Keller, der unter der Hofanlage sich befand untergebracht worden und sind dann dort verschüttet worden.
Ungefähr 50 Häftlinge haben das nicht überlebt.

[21:08] Ja, wie viele Häftlinge sind insgesamt in der Zeit umgekommen und mit dem Lager durch Arbeit durch die Angriffe?
Also wir haben fünfhundertsiebenundzwanzig Häftlinge, die in Frankfurt gestorben sind. Die sind auch standesamtlich registriert und auf dem Hauptfriedhof begraben worden.
Das zeigt auch, dass die kritischen Behörden, die Standesämter, Friedhofsämter durchaus informiert waren über die hohe Sterblichkeit in diesem Lager.
Dann gibt es aber auch noch ähm,
Krankentransporte, also schwache geschwächte Häftlinge, die abtransportiert worden sind, weil sie eben die Arbeitsleistung nicht mehr bringen konnten,
in andere Lager, da gab es mehrere solche Abtransporte und ungefähr 165, 170 sind direkt
im Anschluss an diesen Abtransport gestorben. Auch diese würde ich zu den Toten des Lagers zählen, weil dass sie in diesen Zustand gekommen sind eben damit zu tun hatte, dass sie dort so schlecht ernährt und versorgt und der Gewalt und der schweren Arbeit ausgesetzt.
Gewesen sind. Mhm. Dann ist noch ein großer ähm,
großer Teil der Häftlinge ist eben noch während der des Lagers ums Leben gekommen. das ist dann nicht mehr äh,
in den Adlerwerken gewesen, sondern auch den Toditmärschen und Todestransporten und da sind dann auch nochmal ähm.

[22:33] Ja, etwas 6hundert, 700 Menschen ums Leben gekommen,
sodass wir die Zahl die Zahl ist eben nicht so ganz genau bekannt, weil diese Toten nicht mehr registriert worden sind im Gegensatz zu den in Frankfurt Verstorbenen.
Und wir können sagen, dass wir,
Insgesamt etwa 140 Überlebende ausfindig machen konnten. Es heißt nicht, dass es nicht auch noch mehr gab, aber äh,
Dennoch zeigt diese kleine Zahl, dass die die Chance dieses Lagers-Überleben sehr gering war.
Insgesamt waren's ja tausendsechshundertsechzehn Häftlinge, die in den Adlerwerken registriert worden sind.

[23:13] Beschrieb ja auch, dass zum Schluss als das Lager geräumt wurde, gab's zwei Transporte, einen nach Bergen-Belsen mit dem Zug von Kranken und nicht mehr sonst
Portfelgen-Häftlingen im Prinzip. von denen die meisten dann auch gestorben sind und da ein ein Marsch nach Fulda.
Und von dort aus nach Buchenheim und den Marsch haben.
Wenige überlebt. Ich steht dann später in den Quellen. das heißt also dass Janosch Gerlitschi in C berichten konnte ist eigentlich,
ein reiner Zufall. Der schreibt das ja auch dem Titel von der Wahrscheinlichkeit zu überleben.

[24:01] Genau, also diese dieser Marsch nach Buchenwald, das sind etwa 3600 Häftlinge losgelaufen und 2achtzig sind in ähm,
Buchenwald registriert worden. Also das heißt, dass von dieser Gruppe,
etwa 70, 80 Heftigen ums Leben gekommen sind aber damit war ja die Odyssee noch nicht vorbei, denn in Buchenwald wurden wir erneut geräumt dann im April neunzehnhundert,
sind auch weitere Märsche in Richtung Kloppenbürg und letztendlich bis Dachau,
geschickt worden und diese Märsche waren auch sehr mörderisch und hatten eine hohe Todesrate. Janusch Kalitzki ist es dann gelungen von diesem Todesmarsch zu kündigen zwischen.
Torsten Brück und Dachau auf diesem Teilabschnitt. ich denke, dass auch noch viele andere.
gibt, denen das gelungen ist im Dachau selber wissen wir aus dem Bericht eines Überlebenden sind etwa 40 Personen angekommen.
In dieser Gruppe.
Also fast unter den Häftlingen selber gab es diese Verrohung nicht. Sie waren also es ist er ist Mensch geblieben im im Prinzip. Ähm.

[25:19] Wie hatten Sie Möglichkeiten Ihnen zu sprechen, wie er das Ganze
aufgearbeitet hat für sich. Ihr schreibt das ja glaube ich auch in dem Buch dass er in Depressionen verfallen ist und versucht hat das zu vergessen, was man nicht vergessen kann.
Ja und also er beschreibt dieses was man heute als posttraumatisches Belastungs Syndrom bezeichnen würde, beschreibt er sehr genau in seinen letzten Kapiteln.
Wie er dann Flashbacks hatte nach der Befreiung und ein lange gebraucht hat, um wieder in ein normales Leben zurückzukehren. Das ging den meisten Überlebenden so.
Und und auch vielen Angehörigen natürlich, die zum Teil nicht erfahren haben, was mit ihren Brüdern, Ehemännern und ähm,
Onkels passiert ist und
die Daten dadurch also gerade wenn sie auf dem Todesmarsch ums Leben gekommen sind und der Ort und die Todesumstände nicht bekannt sind das natürlich sehr sehr belastend war für diese vielen Familien.
was die meinen zum Thema,
Herzenswärme von Überlebenden. Das ist natürlich sehr unterschiedlich. Selber gehört auf jeden Fall zu denjenigen, die denen eine.

[26:36] Arbeit mit deutschen Jugendlichen zum Beispiel zu diesen Themen sehr wichtig war. Er hat oft in der Gedenkstätte Buchenwald auch mit Jugendgruppen gearbeitet und dort auch sehr herzliche Kontakte mit ihnen aufgebaut.
Ich selber hatte nicht mehr die Gelegenheit mit ihnen zu sprechen, weil er im Jahr zweitausendfünfzehn,
verstorben ist, aber die Journalistin Joanna hat mehrere Interviews mit ihm geführt und ja auf jeden Fall ist er da einer von denjenigen
gewesen, die bereit waren, diese Erfahrungen mit mit deutschen Jugendlichen und natürlich auch Erwachsenen zu teilen.
wie geht es denn jetzt weiter mit dem Aufbau dieser Gedenkstätte in in den Adlerwerken? Sie sind ja auch daran beteiligt dort das aufzuarbeiten und wissenschaftlich zu begleiten.

[27:28] Genau, also das gibt seit seit vielen Jahrzehnten die Initiative ein Gedenk und Bildungsort ähm.
Zum Thema des KZ-Außenlagers in Frankfurt zu schaffen und nun ist es endlich gelungen dort Räumlichkeiten und Finanzierung zu bekommen und ja fürs nächste Jahr ist die Eröffnung dieser,
dieses Geschichtsortes geplant. Das Buch kann ich auf jeden Fall sehr empfehlen von Janus Janoschkawischki.
In Harassowitz Verlag ist es erschienen und es heißt von der Wahrscheinlichkeit zu überleben.
näheren Einzelheiten zu dem Buch ISBN-Nummer findet man auch auf der Webseite von Radio X. Ich danke ganz herzlich für das Interview. Ja, vielen Dank.
Danke Ihnen.

[28:20] 1923 und gestorben 215 gewährt uns in seinem Buch einen ganz persönlichen und eindrücklichen Zugang zu einer in Teilen lange verborgenen Geschichte, die auch
seine Geschichte ist,
Er war einer von insgesamt 1.616 Häftlingen, die in Frankfurter Stadtteil Gallus in einem KZ-Aufenlager für die Frankfurter Adlerwerke Zwangsarbeit leisten mussten.
Die meisten anderen dort war Janosch Galicy zu diesem Zeitpunkt 21 Jahre Amt. Anfang August aus Warschau gekommen,
Deutschen verschleppten aus der von ihnen besetzten Stadt mehr als eine Viertelmillion Menschen. Insgesamt.

[29:04] Vielen anderen wurde Janoschi aus seiner Wohnung heraus gefangen genommen und abtransportiert. Wenige Tage nach dem Beginn des Warschauer Aufstandes ging die deutschen Besatzung.
Anders als hunderte seiner Mithelf Dinge überlebte er die extrem grausamen Bedingungen in diesem Lager und den Todesmarsch. Bis ihm in letzter Sekunde die Flucht gelang.

[29:26] Wie viele andere engagierte sich Januar in späteren Jahren dafür, dass Jugendliche in Deutschland
mit den Erinnerungen an den Nationalsozialismus auseinandersetzen und sich selbst auf Spurensuche begeben konnten.
Wie einige andere entschloss er sich schließlich, seine Geschichte aufzuschreiben und für die Nachwelt zugänglich zu machen,
Gefangenen im Lager Katzbach fahren am 3. und 4. Stock der Wahlburger Straße in den Adlerwerfen untergebracht.

[30:00] Die Adlerwerke selber stellten eine eigene Wachmannschaft zusammen.

[30:06] Die Organisationsaufteilung der Schaf zwischen SS und der Wachmannschaft der Adlerwerke. Der SS Lagerkommandant war Erich Franz.

[30:18] Häftlinge kamen am 22. August 194vierzig insgesamt 280 Häftlinge aus Buchenwald.
Am 29. September 1944.000 Häftlinge aus Dachau vom Warschauer Aufstand.
Und neu am sechsundzwanzigsten Januar neunzehnhundertfünfundvierzig hundertsiebenundsechzig Polen aus Mannheim Sandhofen vom Außenlager der Daimler Benz AG.

[30:47] Am 1. Februar 1945 nochmal 225 KZ-Häftlinge aus,
Buchenwald, die Häftlinge waren zwischen 11 und 65 Jahren alt und vor allen Dingen Polen.
Angehörige verschiedener Nationalitäten und,
Ich habe für euch hier die Zitate aus dem Buch von Janos Garleci zusammengestellt und auch Originalzitate von Überlebenden, unter anderem André.

[31:16] Kocaky.
Wurde am 15. Januar 1930 in Warschau geboren und war damals also 14 Jahre alt, als er in das KZ-Katzbach kam.

[31:36] Ich heiße André geboren in Warschau am 15. Januar im Jahr 1930.
Ja, tschüs. Als ich dort war.

[31:50] Zudem der große Hunger zu dem da die Läuse waren war ich schon so geschwächt.

[32:01] Dass ich eigentlich schon ein sogenannter Muselmann war. Ein Muselmann ist in seiner.

[32:13] Noch Haut und Knocheneigenheit. Ich wog damals 28 bis 30 Kilogramm. Kilogramm.
Und eigentlich war es schon für tot erklärt, dass.

[32:30] Dass ich einfach sterben werde. Dass ich irgendwo auf dem Weg erschossen werde.

[32:39] Jedenfalls herrscht es schon Hunger. Von Anfang an.
Am Anfang bekamen wir ein Viertel Brot.
Nur ein Viertel des Brotes von der Armee. Es war mir Sägespin als Mehl.
Aber am Ende bekamen wir nur noch ein Brot, geschnitten in acht Stücke.
Sodass man nur noch eine Scheibe so dass der Hunger,
sehr groß. Sehr groß und die Leute waren eine unglaubliche Plage. Das nahm uns auch noch die Lebenskraft
Jeder, der irgendwo ein Stück Zeitung oder eine Tüte oder,
übriges von Zement etwas bekommen. Gottes steckte es in seine Kleidung. Unter die gefangenen Kleidung, um bei den Appellen nicht zu erfrieren.

[33:43] Aber dafür bekam man dann Schläge,
Wenn der Lagerälteste herausfand, dass jemand da etwas dann hat der unglaubliche Prügel bekommen,
Und wenn wir zum Lausen gingen hatten wir.
Unsere Gefangenenkladung und solche Hemden aus einer und solche Hemden aus.

[34:11] Sie sagen das sei aus Brennnesseln. Gemachtes Material.
Und dort, wo Falten durch die na da, wo die Ärmel genäht waren.
Haben sich Läuse eingenistet, sodass den Fingernägeln...

[34:39] ...schob man sie auf einen das Gegenstück, ein Brett.. und auf diesem Brett...

[34:48] ..zerdrückte man sie. Es gab den Lagerältesten, beispielsweise Bobby.
Dann gab es die in der Fabrik Wache hielten, denn wir arbeiten zwischen 8 und zehn Stunden.
Das waren die ganze Gruppe. Man nannte sie vor.
Na dann war da noch vor dem Meister sozusagen. Und dann kam erst der Meister der.
Meister, wie man bei der Maschine stand. Ob man gut arbeitete oder
Dann haben wir in zwei oder sogar drei Hochstockbetten geschlafen. In dieser Fabrik man musste herunterklettern.
Auf seine Position gehen, wo man arbeitet und dann stand zwischen den Hochbetten der Meister und geht.
Je einen nach dem anderen hat er mit diesem geprügelt. Ich habe auch damit eine Tracht bekommen. Unterhalb meines Gesäßes.

[36:01] Und und er hat immer gesagt.
Ich bin Bobby. Ich bin Lagerältester Bobby und wer nicht auf ihn hörte, der wurde entweder.
Mit dem Ochsenziemer, aber auch mit solchen Drähten geschlagen. Elektrischen Bräten oder einem Brett,
elektrisches das war ein Zitat von André.
Jetzt hören wir Zitate aus dem Buch von Janosch Galici und ein Zitat aus einem Film über die Zwangsarbeit von Andre Velber.

[36:42] Zwar später Herbst. Die ersten Kameraden waren gestorben.
Die aus Brettern zusammengezimmerten Kisten mit den Leichen warf man auf einen Pferdewagen der auf den Fabrikhof kam.
Ich sah Ihnen die wir wussten nicht einmal wohin Sie gebracht wurden. Jede Spur von ihnen verschwand.
Gängigsten Todesursachen, wenn man das so sagen kann, warm zu dieser Zeit Hunger unter Ernährung und übermenschliche Arbeit.
Nach zwei, drei, vier Monaten im Lager waren alle sehr erschöpft und ausgelaugt von den kaputtmachenden Arbeiten.
Aber wir waren noch keine kompletten Muselmänner, so nannte die ISS die ausgemergelten. Im Moment starben vor allem die, die sich irgendeine Krankheit einfingen.
Des Herzens, der Nieren, des Magens. Sie starben an den Lagerbedingungen. Es starben auch die Älteren.

[37:39] Deren Kräftehaushalt sich erschöpft hatte. Es starben die, die man so geschlagen hatte, dass sie nicht mehr zu sich kamen.
Die Kameraden erzählten mir von einem Leidensgenosse, der zwei Tage lang unter schrecklichen Qualen im Sterben lag. Er war ein starker Raucher, der ohne seinen Zigaretten,
nicht leben konnte. Also verkaufte er einen Teil seines Brotes gegen ein bisschen Tabak.
War dann so ausgehungert, dass er einen im Müll gefundenen Kaninchenkopf aß. Alles davon, was sich runterschlucken ließ. Einschließlich der Ohren.
Er lag dann in der Krankenstube, krümmte sich vor Schmerzen, flehte um Hilfe. Und nach zwei Tagen starb er.
Eben zu dieser Zeit als es Winter wurde, durchlebte ich schmerzhaft die Tragödie von Buri.

[38:32] Eines Abends war Luftalarm. Wir rannten in die Keller so wie immer angetrieben von den SS-Männern, die auf den Zwischengeschossen standen.
Auf dem einen stand Franz bewaffnet mit einem Stock.

[38:46] Ersten Alarm hatte er diesen Stock auf eine Bretterwand geschlagen, viel Lärm gemacht und dabei Tempo Tempo geschrien.

[38:56] Er hatte keinen vorbeilaufenden Häftling geschlagen. Jetzt war er bereits ein anderer geworden. Er war gereift und in kurzen Pfad gegangen,
Anfang er mich mit sie ansprach und an dessen Ende er ein gemeiner Schläger wurde.
Ich rannte an ihm vorbei. Er erkannte mich, hielt kurz inne und hob den Stock, um auf die nach mir kommenden einzuschlagen.
Trieb uns in den Keller, immer in die gleichen, sie waren groß.
Jeden Raum passten einige Dutzend Personen. Wir wussten damals nicht, dass wir die schlechtesten Keller bekommen hatten.

[39:35] Das heißt, die unsichersten. Sie befanden sich nicht unterhalb von Gebäuden.

[39:42] Es gab unter ihnen keine Geschosse oder Betondecken. Es ist die meisten unserer Keller befanden sich unter Straßen und Höfen über unseren Köpfen war nur eine Schichtbeton.

[39:54] Ich ging von einem Raum mit den nächsten und ich suchte jemanden, den ich kannte. Im schwachen Licht der einzigen Glühlampe.
Des Verlaufs wurde der Strom ausgestellt und es ließ nur einen hohen Notstromaggregat sah ich Buri.

[40:10] Er saß nicht an der Wand wie üblich, sondern stand irgendwie seltsam gebeugt, ich ging zu ihm. Was ist los mit dir,
und dieser verfluchte Zwerg, sagt er und ich dachte schon, dass es um Franz ginge. Mein Rücken ist nass, mein Helm tappt schon. Ich lief die Treppen hinunter.
War schon fast an ihm vorbei und dann staute es sich, ich blieb stehen und dann verpasste er mir eins über den Rücken. Ich hatte das Gefühl, jemand streift mit seinem heißen Eisen darüber.
Hatte Buri mit dem Stock auf den Rücken geschlagen und zwar genau auf die gerade erst verkrustete und noch nicht ausgehaltete Wunde.
Zog das Hemd und Unterhemd aus, seine Wunde, die sich vom Nacken bis über die Schulter zog, war aufgeplatzt und blutete stark.
Ich kann den Rücken nicht aufrichten, so sehr hat mich dieser Idiot geschlagen und es brennt.

[41:05] Weder ich noch Buri ahnten in diesem Moment, wie das enden konnte. Wie das enden musste.
Zwei oder drei Tage später kam er zu mir ich hatte für ihn ein bisschen Haut von den Kesselwänden geglaubt,
erhoffen, einer Ecke so schnell wie immer und als er fortging, blickte er sich nach mir um.
Geborgt und bemühte sich den Oberkörper nicht zu bewegen. Später fand ich ihn wieder, er sah schlecht aus und fühlte sich auch so.
Es steht nicht gut um mich, Bruder, sagte er, es blutet, pappt und eitert. Man Held klebt.
Immer am Rücken und das Unterhemd auch und wenn ich mich bewege, reißt das alles auf. Ich kann mich nicht bewegen, nicht arbeiten, nicht liegen. Ich war in der Krankenstube, aber sie hatten mich davon gejagt und zur Arbeit getrieben.
Beim Sanitäter, ja, er hat mich angeschaut und gesagt, dass man die Wunde säubern und desinfizieren müsste. Danach verbinden.
Dann lachte er, er hatte nur Papierverbände und Kohletabletten für den Magen. Er hatte mich mit diesem Papier bandagiert.
Aber das war noch eine größere Schweinerei. Das suppte durch, klebte, geht auseinander. Nur die Läuse, die halten sich darunter. Diese Biester, diese,
lieben Blut und Eiter und sie fühlen sich wie der Teufel davon herangezogen an.

[42:33] Er macht eine gute Miene zum bösen Spiel, aber er sah schlimm aus, hatte Fieber. Ein oder zwei Tage später als Martin guter Laune.
Zu haben schien und sich pfeifend in der Küche herumtrieb, sprach ich ihn leise an. Herr Küchenchef, ich habe einen guten Freund, der ist krank. Er schaute mich feinfühlig an, misstrauisch. Was soll ich damit.

[42:55] Wusste nicht, was Peroxid oder Jooptinktur auf Deutsch hieß. Ich versuchte ihm zu erklären, dass sich so etwas gebrauchen würde. Er schaute mich mit wachsendem Misthauern an. Kann man so was nicht mehr Apotheke kaufen? Es kostet bestimmt nicht viel.
Du bist verrückt geworden.
Du möchtest, dass ich in die Apotheke gehe, um meinem Häftling zu helfen. Du bist wohl nicht mehr bei Trost. Denkst du, ich habe es eilig an die Ostfront zu kommen?
So erstaunt über die Unsinnlichkeit meiner Bitte, dass er sich nicht mal richtig aufregen konnte.
Schon kurz darauf Pfiff erweitern, aber Bohre ging es schlechter. Sein ausgezerrter Organismus kam nicht mehr zurecht mit den großen alternden Wunden.
Etwas Jod gäbe oder einen Verband.
Er hatte Fieber und das dreckige Hemd und das in der Wunde verklebte Unterhemd, rissen die Wunde immer wieder auf. Zum Schluss wurde er in die Krankenstube aufgenommen. Ich besuchte ihn dort,
einmal ein bisschen Zeit hatte,
Es wurde immer fiebriger, halbbewusstlos. Einmal als ich in seinem Bett saß, schaute er mich völlig wach an und nahm meine Hand in seine trockene, heiße Hand. Ich habe den Herbst 1939 durchstanden.
Den Aufstand, die Verletzung, dann halte ich das hier auch aus, aber der Schlag soll mich treffen, dass dieser Zwerg, dieser Stöpsel.
Wenn ich ihn einmal auf einer Waldschneise träfe.

[44:23] Er kann gerne ein Gewehr haben. Mir wurde ein Wacholderstock reichen. Danach sah ich nicht mehr. Als ich am nächsten Tag in die Kirchenstube kam.
Sein Bett von jemand anderem belegt. Ich kehrte bedrückt um und fühlte mich, als ob der verfluchte Franz mir das Rückgrat zerschlagen hätte.
Ich hatte das Gefühl, ich hätte Buri etwas Wichtiges nicht gesagt und würde es ihm nie mehr sagen können. Ich hatte mich nicht einmal von ihm verabschiedet auf seinem letzten Weg.
Begleitet,
bis ins Treppenhaus. Ich weiß nicht, wann Sie ihn abholten und wohin sie ihn fuhren. Seine Frau wird es auch nie erfahren. Er wird nie mehr in Wald gehen, sein Stöckchen hinstellen oder sich für eine Schüssel Kartoffel oder einen Krug Sauermilch hinsetzt.
Das ist eine,
SS-Unterschau-Führer Lenzian ordnete Ruhe an. Es wurde Mucksmäuschen still. Er zog irgendein Schreiben heraus, las es vor und der Dolmetscher übersetzte es ins Polnische.
Laut Urteil des Sondergerichts in Berlin wurde der Häschling mit der Nummer wegen Sabotage zum Tod durch Erhängen verurteilt.

[45:33] Die Stille dauerte an. Zwei SS-Männer hatten eine Zeit lang mit dem Häftling zu tun,
Sie stellten ihn auf einem Hocker, hielten ihn fest. Der verurteilte versuchte, etwas zu sagen und richtete eine bittende Geste an uns, seine Kameraden,
als einer der SS-Männer ihm die Schlinge um den Hals legte.
Ging schnell zu ihm hin und trat den Hocker weg. Der verurteilte hing, ruckelte und schaukelte an der Schnur.
Lenzjahrn wartete einen Augenblick und beugte sich dann herunter und nahm die beiden Beine des erhängten und zog sie kraftvoll nach unten.
Der Kopf des Unglücklichen hing jetzt zur Seite herab. So geschah es.
Wir hörten uns das mit Grauen an und das Herz krampfte sich zusammen. Man sagte uns, dass der Unglückliche eine Maschine kaputt gemacht habe, was jedem zu jeder Zeit hätte passieren können.

[46:33] Aber der Meister habe offenbar sofort von Sabotage zu schreien begonnen und seine Nummer gemeldet,
Kamerad erhielt 25 Schläge und irgendwie rappelte er sich danach wieder auf. Es vergingen ein paar Wochen, er selbst,
alle, die von seiner Bestrafung wussten, dachten, dass die Sache nun beendet sei.
Niemand hatte erwartet, dass man einen Bericht oder was auch immer, ein Schreiben nach Berlin gesendet hatte.
Trotz aller Lektionen, die man uns erteilt hatte, ahnte niemand etwas von ihrem Rache durstigen Eifer und jetzt kam dieses Urteil aus Berlin.
Wir kannten ihn alle und niemand hatte ihm gegenüber Illusionen.
Er hatte immer etwas bedrohliches an sich. Wir fürchteten und hassten ihn gleichzeitig. Aber in unserem Verhältnis zu ihm war immer trotzdem ein kleines Fünkchen Respekt.
Deshalb wunderten wir uns über seine Bereitschaft die Rolle des Henkers zu spielen und über den Eifer mit der er diese Rolle ausfüllte.

[47:41] Redeten alle mit Abscheu von ihm.

[47:45] Okay, es gibt ja eine Ausstellung auch über das Kassett Katzbach und sie haben dazu Dokumente gesammelt und das auch in einem Buch zusammengefasst. Können sie's vielleicht kurz erzählen, was in dem Buch steht und wo man es erhält?

[47:58] Genau, das Buch Katzbach, das KZ in der Stadt, ist in diesem Jahr im Waldstein Verlag in Göttingen erschienen und ist ein Kompendium über unser aktuelles
wissen zu dem KZ-Autenlager beschäftigt sich so mit der Entstehung des Stargasts den Hintergründen, als auch mit der,
Fachmannschaft, den Häftlingen und ihrer Herkunft und Verfolgungserfahrung,
und ihre Existenzbedingungen im Lager natürlich, aber spart auch nicht aus, die Verantwortung des Unternehmens, der aller Werke für das Leid, was dort in diesem Lager geschehen ist,
und beleuchtet auch die Rolle der.
Stadtgesellschaft, Frankfurt in Bezug auf die Häftlinge. Mhm. Okay, ganz herzlichen Dank. Vielen Dank.
Das war das Politopia-Magazin für heute, den 29. Dezember. Ich und die Redaktion,
verabschieden sich von euch, das ist Andy, das ist Dada, das ist Sophie, das ist Michael und der Redakteur im Studio Thorsten Sinning.
Wir wünschen euch einen angenehmen Jahreswechsel und ein gesundes neues Jahr zweitausendzweiundzwanzig.

[49:11] Zu diesem Thema gibt es noch Hinweise auf unserer Webseite Politopia Magazin Punkt DE und auf der Webseite des
Senders, nämlich in Radio X plus sieben, wo ihr die Sendung auch noch sieben Tage lang nachhören könnt und den Link weitergeben könnt. Es gibt auch noch einen Termin in zwanzig zweiundzwanzig, nämlich,
eine Gedenkveranstaltung am 19. März 222 am Mainufer. Das wird ausgerichtet von dem Verein Leben und Arbeiten,
im Callus und Griesheim. Lothar Reininger und Ulla Dieckmann würden Sie sich freuen, wenn ihr an der Veranstaltung teilnehmen würdet. Ihr müsst euch dafür aber vorher beim LAGG anmelden unter LAGG Minus EV,
DE Schrägstrich gedenken. Da findet ihr weitere Einzelheiten. So, bis dahin und,
im neuen Jahr, alles Gute, bleibt gesund. Redaktion im Studio Thorsten Sinning.