Interview mit Martina Feldmann von den Grünen und in Frankfurt in den sechziger Jahren

In der Kommunalwahl im Jahr 2020 sind die Grünen stärkste Kraft in Frankfurt geworden. Ich wäre ein Interview mit Martina Feldmann der Spitzenkandidaten der Frankfurter Grünen. Teil zwei der Geschichte Frankfurt in den 1960er Jahren. Diesmal geht es um die politische Umwälzung der Stadt Gesellschaft, den U-Bahn Bau und weg weisende Entwicklungen, die bis heute andauern.
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Frankfurt

Transkription

[0:00] Hallo, hier ist das Politopia-Magazin auf einundneunzig Komma acht Megaherz in Radio X in Frankfurt am Main. Heute im
Programm, ein Interview mit Martina Feldmeier von den Grünen zum Ausgang der Kommunalwahlen und ein Besuch im Institut für Stadtgeschichte, über
Die bewegte Zeiten Frankfurt in den neunzehnhundertsechzigern. Redakteur im Studio Torsten Sinn.
Am Telefon begrüße ich jetzt sehr kurzfristig, Martina Feldmeier von den Grünen. Ja, hallo, also ich war jetzt die Spitzenkandidatin ähm der Grünen bei der Kommunalwahl
Die Grünen haben ja ein fulminantes Ergebnis in Frankfurt eingefahren. Wie geht es weiter? Ja, also.

[0:40] Freuen tun wir uns natürlich immer noch, aber jetzt geht die Arbeit erst richtig los. Nach dem Wahlkampf, weil wir haben da wirklich auch viel Verantwortung bekommen von den Frankfurterinnen und Frankfurter. Frankfurtern, dass wir jetzt zum ersten Mal als
stärkste Kraft bei einer Kommunalwahl aus einer Wahl hervorgehen. Und wir beraten uns am Montag ähm bei einer Kreismitgliederversammlung, ganz basisdemokratisch
wie die nächsten Schritte aussehen und da steht jetzt an, dass wir eine Verhandlungskommission benennen, die mit den demokratischen Partei die Verhandlungskommission soll, mit den demokratischen
dann äh sondieren, was geht,
und wie können wir möglichst viel von unserem Wahlprogramm, von diesen hundertdreißig Seiten, die wir ausgeschrieben haben umsetzen, um einen sozialökologischen Aufbruch in Frankfurt hinzubekommen?
Die Grünen waren ja bisher schon in der Koalition, allerdings nicht in der Stärke, äh schwarz, rot, grün. Ähm
wie sieht das, gibt das eine Präferenz, deswegen oder ähm hat man sind da alle Seiten offen und man kann äh mit jedem reden aufgrund ihres Wahlprogramms.

[1:49] Ja also mit Nazis und Rassisten reden wir nicht, also die
Sind sowieso draußen, aber ich glaube, das ist jedem auch klar. Wir sind Ergebnisoffen bei den demokratischen Parteien. Es gibt keinen Automatismus äh immer äh CDU oder jetzt einfach weitermachen wie bisher mit CDU und SPD. Wir gucken uns das an
führen Gespräche und gucken einfach mit wem können wir am meisten umsetzen für einen sozialökologischen Ausbruch in Frankfurt und ich gehe davon aus, dass wir dann einfach der Reihe nach erstmal Gespräche führen mit den demokratischen Parteien, die dann,
ja quasi zweiten, dritten, dritten Platz haben, nach uns kommt die CDU, dann kommt die SPD und dann kommen wir wieder zurück zu unseren Mitgliedern auf eine Kreismitgliederversammlung. Am Montag, ne? Genau, am, am Montag ist die Erste
und da wird dann quasi erstmal beschlossen, wie die nächsten Schritte sind und wer in diese Kommission reingeht und welche Schritte gegangen werden.
Ich gehe mal davon aus, dass wir eine Sondierungskommission hinbekommen, ähm aber es.
Drauf an, wie sie aussieht und so und welche die nächsten Schritte sind und dann diese Sondierungskommission wird dann wieder berichten den Parteimitgliedern der Basis, was die Ergebnisse gebracht haben und dann wird es hoffentlich eine Entscheidung geben, mit wem.

[3:05] Gespräche aufnehmen. Gibt es da auch Herzensprojekte der Grünen, die ähm unbedingt ähm
auf müssen oder ist es jetzt erstmal die Richtung die Stadt zu verändern.
Ja, es gibt sicherlich ganz, ganz viele Herzensprojekte, also alles, was mit dem Thema ähm Klimakrise bekämpfen zu tun hat, ist natürlich eines der Herzensprojekte
von uns, aber auch die Verkehrswende und ähm die Geschlechtergerechtigkeit äh in Frankfurt, das ist für uns ein großes Thema. Wir müssen sich mal überlegen, dass.
Bei den dreiundzwanzig Stadtverordneten, die von uns im Römer einziehen werden, es fünfzehn Frauen dabei sind. Das heißt, ähm die Wählerinnen und Wähler haben uns auch da ganz klar einen Auftrag erteilt.
Für Geschlechtergerechtigkeit zu sorgen in allen Bereichen. Also das ist ein wichtiges Thema und der Kampf gegen Rassismus und für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.

[3:57] Im Augenblick ähm sind die Finanzen der Stadt ja relativ strapaziert durch
die Läden sind zu, das hat ja auch Auswirkungen auf äh die Gewerbesteuer und die Einnahmen der Stadt
sind ja auch dringende Themen, auch die Modernisierung der Stadt, ähm Digitalisierung et cetera, war ja bei einigen Konkurrenten auch ein Thema. Ähm
Wie sieht es da aus bei den Grünen? Ja, wir wollen es nicht aufhören, zu investieren, weil ähm wir haben jetzt gerade in der Corona-Krise auch
gesehen, ähm dass es
dir die sozialen Strukturen, dass wir die soziale Infrastruktur brauchen und dass wir auf gewisse Strukturen in der Stadt angewiesen sind, ne? Und deswegen sagen wir, wir wollen auch weiter invest
Tieren in alles, was ähm uns hilft, die Klimakrise zu bekämpfen,
schafft gleichzeitig auch Arbeitsplätze, das ist gut für die Wirtschaft, das ist ein Konjunkturmotor und ja und auch das soziale Netz wollen wir weiter stärken,
vor allen Dingen auch ähm die Gesundheitsstrukturen. Und ähm wir wollen jetzt nicht auf Teufel komm raussparen, dass,
nicht jetzt grade in der Krise und ähm ja und wir wollen die Coronakrise mit der Klimakrise gemeinsam bekämpfen und müssen natürlich gucken und das ist immer so, wo wir unsere Prioritäten setzen bei der angespannten Haushaltslage.

[5:16] Die Grünen sind ja auch Regierungs,
in Wiesbaden, also auf Landesebene. Wie ist da die Reaktion gewesen? Und wie ist das äh der Rückhalt durch das Land Hessen?
Klar, also ich sage mal, ähm die Grünen haben uns natürlich gratuliert. Äh ich bin ja selbst auch Landtagsabgeordnete und da war erstmal die Freude sehr,
gewesen. Aber ich sage mal, es gibt da keine Einmischung, weil ähm es gibt so viele unterschiedliche
dass du auch den unterschiedlichsten Ebenen, wo die Grünen dabei sind und da gibt's jetzt keine Präferenz und da gibt's vor allen Dingen keine Einmischung. Ich glaube, das würde sich jeder verbitten, ja.
Ich dachte jetzt auch ein Rückenwind vielleicht für irgendwelche Projekte, Flughafen ähm das ist ja halt auch ein Landesthema. Da kann die Stadt Frankfurt ja nicht unbedingt selber äh reagieren. Ähm
und äh entsprechende Infrastrukturprojekte im Rhein-Main. Ja. Geht es ja auch ein Landesthema. Gibt es da Synergieeffekte, die uns erwarten?

[6:09] Also bei ein paar Sachen gibt's sicherlich äh Synergieeffekte, alles Schnellwege zum Beispiel auch so. Ja, genau, ganz, ganz viele Sachen. Also Klimakrise bekämpfen, ähm Fahrradschnellwege, da gibt's ja im Moment auch schon viele Synergieeffekte, also jetzt,
Wenn sie alleine denken an das Thema. Ähm Klimakommunen ähm Frankfurt ist eine Klimakommode.
Klimakommunen, das ist ein hessisches Projekt, ein Projekt der Landesregierung und die kriegen für die nächsten zwei Jahre jetzt eine hundert Prozent Förderung zu Klimaschutzmaßnahmen, das hilft natürlich total viel.
Und ähm diese zwei Jahre sozusagen hundert Prozent Förderung kommt einfach aus dem Gedanken zustande, dass jetzt in der Coronakrise die,
Kommunenklammer Kassen haben, aber trotzdem weiterhin in Klimaschutz investiert werden sollen und,
Von daher, da gibt's auf jeden Fall Synergien. Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei den Verhandlungen. Vielen Dank, ich danke ihnen auch. Tschüss.
Bin jetzt zu Gast in der Ausstellung bewegte Zeiten Frankfurt in den neunzehnhundertsechzigern. Ähm mit dem Kurator der Ausstellung, Herrn Doktor Hefner und,
der,
Pressesprecherin Frau Doktor Matron und wir werden uns jetzt ein bisschen vertiefen in die Neunzehnhundertsechziger. Herr ähm Doktor Hefner, zeigen sie uns doch vielleicht so einzelne Stationen, was sind die Highlights der Ausstellung?

[7:27] Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ich darf sie ganz herzlich begrüßen zu dieser kleinen Radiotour durch unsere Ausstellung. Ähm unsere Intention war nach Highlights gefragt waren, war eher die bewegten sechzig Jahre in Frankfurt im gesamten darzustellen.
Hören mit Ihnen nachher so ein bisschen durchgehend, politische Aspekte, bauliche Aspekte, kulturelle Aspekte, natürlich auch Protest und Wirtschaft und Sport.
Aber unsere Intention war jetzt keinen Fokus zum Beispiel auf die Protestbewegung zu legen, sondern die Entwicklung für.
Eben für ein gesamtes Jahrzehnt aufzuzeigen und ähm die Ausstellung zeigt sehr direkt, wie weltpolitische und bundespolitische Ereignisse hier in Frankfurt sich niederschlugen, aber auch eben ganz spezifisch stadtgeschichtliche Aspe.
Dann machen wir zuerst ein bisschen Musik und gehen gleich in die nächste Station.

[8:17] Dann gehen wir jetzt noch mal ein bisschen auf den privaten Bereich ein auf Kultur, Konsum, Wohnen
Ja, also die die sechziger Jahre waren ein ambivalentes Jahrzehnt. Das war einerseits ein Jahrzehnt des äh des Wandels, was gerade äh Konsum, Wirtschaft ähm betraf, andererseits aber auch ein Jahrzehnt, was durchaus äh gesellschaftlich noch in den Fünfzigern hing.
Also man verbindet mit den Sechzigern ganz viel jetzt auch glaube ich so im Nachhinein dieses Schlagworte sexuelle Revolution ähm Emanzipation ähm,
das allerdings war grad so am Ende der Sechziger kam das richtig auf und ähm
wurde dann vielleicht erst in den ähm nächsten Jahrzehnten ähm maßgeblich umgesetzt. Das heißt, es wurde sehr viel angestoßen, auch von der achtundsechziger Bewegung, aber zum Tragen kam das noch nicht,
grad auch die Frauenemanzipation war in den Sechzigern.

[9:15] Nicht weit vorangeschritten, also man orientierte sich weiter an diesem Rollenbild der Fünfziger. Das äh war auch das Ideal während der Sechziger in ganz,
Bevölkerungsschichten, also dass die Frau eher, ähm zumindest, wenn sie verheiratet war und spätestens wenn Kinder da waren, nicht berufstätig war, ähm
das wurde in Frankfurt natürlich nie so
gelebt eins zu eins, weil Frauen haben hier alleine aus wirtschaftlichen Gründen natürlich immer schon gearbeitet. Ähm das ähm aber.
Ideal sich veränderte. Das hat äh also deutlich länger gedauert. Das kam dann wirklich erst in späteren Jahrzehnten.

[9:53] Und ähm so kann man eigentlich ähm nicht davon sprechen, dass die Emanzipation in den Sechzigern sehr weit äh vorangebracht wurde.
Das gilt auch für die Protestbewegung selbst, also auch die Studentenproteste waren sehr männlich dominiert. Da gab es dann auch ähm innerhalb der Proteste wiederum ähm Proteste der Frauen gegen diese männliche Dominanz in den
in den äh Studentenprotesten ähm und das versuchen wir auch in der Ausstellung zu zeigen. Also das Frauen da nur sehr, sehr langsam durchdringen können.

[10:25] Und so war das auch mit der sexuellen Revolution. Ähm tatsächlich wurde Erotik in den Sechzigern, ja.
Kommerzialisiert, kann man sagen, aber ähm das hat sich nicht darauf ausgewirkt, dass es wirklich im privaten Bereich auch freier wurde. Also die Verhütungsfrage war nach wie vor ungeklärt.
Neunzehnhunderteinundsechzig kam die Antibabypille auf den Markt in Deutschland.
War aber gerade für unverheiratete junge Frauen oder Frauen ähm die noch nicht mal volljährig waren. Das Volljährigkeitsalter lag ja bei einundzwanzig damals noch ähm überhaupt nicht ähm verfügbar. Also die wurde von den Ärzten eben nicht ähm verschrieben. Sie war verschreibungspflichtig.
Sie war verschreibungswichtig und ähm junge Frauen fanden eigentlich ähm in der konservativen Ärzteschaft ähm
niemanden, der in diese Antibabypille verschrieben hätte. Abtreibung war verboten, stand noch unter Strafe. Die Fristenlösung gab's erst in den Siebzigern.
Homosexualität äh war verboten. Ähm gute Strafe. Ja. Eben auch unter Strafe. Es gab noch den Puppelei Paragraphen,
also unverheiratete ähm Jugendliche ähm konnten sich gar nicht treffen, die Eltern hätten sich strafbar gemacht. Ähm also das war sehr, sehr ähm.
Ein sehr striktes ein bedrückendes Klima eigentlich. Ja.
Ein bedrückendes Klima. Also wenn ich dagegen zum Beispiel die DDR, wenn man die Geschichte dagegen hält, da ist die Emanzipation der.

[11:51] Natürlich wesentlicher äh weiter vorangeschritten und die spießbürgerlichen sechziger Fünfzigerjahre haben sich ja in Frankfurt auch noch relativ lange gehalten.
Ja, wobei oder wenig. Ja, also ähm
Frankfurter sicherlich als Großstadt, ähnlich wie Westberlin, ähm ähm da haben sich dann natürlich schon langsam andere Formen entwickelt
gerade in der Studentenschaft, aber das war immer eine Minderheit. Also ist die ersten WGs wurden gegen Ende des Jahrzehnts äh gegründet. Ähm da hat sich dann vielleicht auch eine andere ähm Arbeitsaufteilung etabliert, ähm aber
das ist also die große Mehrheit ähm äh war davon sicherlich noch nicht äh betroffen und ähm ja,
hier in Frankfurt, wie auch in Westberlin, haben sich dann in den Sechzigern ähm Kinderläden gegründet, also diese Kinderladen-Bewegung gab's auch hier in der Stadt sehr stark. Ähm die ähm ja nicht nur die Berufstätigkeit der Frau,
weiter voranbrachten und ermöglichten, sondern auch dann am gleichen anderen Anspruch hatten, also einen anderen pädagogischen Anspruch,
die antiautoritäre Erziehung sollte mit diesen Kinderläden auch befördert werden.

[13:03] Gut, wir machen noch eine kurze Musik und gehen weiter zur Musikszene.
Glaube, da gibt's auch sehr viel zu entdecken, gerade in Frankfurt, wo's ja auch EFN gab und damit dann natürlich auch ein breiteres Publikum für amerikanische Musik.

[13:19] In den sechziger Jahren nicht nur in Frankfurt eine ganz maßgebliche Rolle verbandsicher dann auch in der Jugendbewegung ähm zu so einem ganz eigenen Lebensgefühl
diese Protestbewegung auch trug und bestimmte dabei war für die Jugendbewegung sicherlich ähm die britisch amerikanische,
Musik entscheidend, inspirierend und es fing sicherlich ganz, ganz extrem an, ähm dieser Einfluss mit einer.
Mit einer Band,
die wir hier auch ähm präsentieren, die man auch ähm sieht, wenn man direkt in den Raum reinkommt. Das waren die Beatles. Traurigerweise muss man dazu sagen, dass wir hier die Biete zwar als Bild aufgehängt haben,
aber nie in Frankfurt gespielt haben.
Also die haben ja ihre Anfänge in in Hamburg genommen. Das war ihr Hauptort, in dem sie aufgetreten sind in Essen später, aber in Frankfurt sind sie nur vorbeigekommen am Frankfurter Flughafen, auf einem Zwischenstopp und da entstand auch dieses Bild.

[14:21] Traurigerweise muss man noch was ähm zu diesem Bild sagen. Ähm das kann man jetzt
natürlich ähm im Radio schlecht vermitteln, aber wenn sie die Ausstellung dann besuchen, dann müssen sie sich mal vor dieses Bild stellen und ähm schauen, wer ist denn auf diesem Bild eigentlich drauf und wer fehlt denn?

[14:38] Weiß nicht, ob sie das äh erkennen können, wer von den Beatles dort ähm nicht präsentiert wird.

[14:46] Nein, Star ist tatsächlich dabei
Karten, mir fehlt halt einer der ganz berühmten Beatles auf diesem Bild. Ähm nichtsdestotrotz wurden ähm die Beatles als sie wohl hier diesen Zwischenstopp hatten auf dem Flughafen durchaus auch von Frankfurtern und vor allen Dingen Frankfurterinnen ähm
bejubelt, ähm die dort hingekommen sind. Und da sind wir auch ähm bei einer Kundgebung in Geldenhausen.

[15:14] Ja, also die Beatles äh trat nie in Frankfurt auf, dafür allerdings äh viele andere ähm ähm Gruppen, wie zum Beispiel ähm,
Jimmy Hendricks, The Doors und auch ähm John Based trat in Frankfurt auf. Ähm
die Liedermacherin aus den USA, die damals auch ganz eng ähm mit der Friedensbewegung ähm verknüpft wurde, trat dann hier auf dem Römerberg auf am
anlässlich eines Ostermarsches zusammen mit dem ähm Liedermacherduo aus Frankfurt, Christopher und Michael. Kennt man heute vielleicht
nicht mehr ähm aber also damals waren sie offensichtlich immerhin äh so populär, dass sie mit John Best zusammen ähm aufgetreten sind und ähm dort ähm gespielt haben neunzehnhundertsechsundsechzig auf dem Römer,
Oh, hier sehe ich auch noch ein großes Plakat von Jimmy Hendriks. Was hat es damit auf sich.

[16:04] Das Plakat ist von Henrichs Deutschlandtour hier in der, in der Frankfurter Jahrhunderthalle, die also nicht nur für die zugänglich war, sondern auch ein ein Kulturtempel für die Frankfurter wurde. Und ähm.
Das Besondere an dem
äh Konzertes vielleicht, wenn man drauf schaut, das an zwei äh an einem Abend zweimal spielte. Das war in den Sechzigern noch üblich, als auch die Roarning Stones dann in den Siebzigern mehrmals in Frankfurt auftraten
traten die teilweise sogar dreimal an einem Abend auf. Und ähm wenn man die Auftrittszeiten mal vergleicht, neunzehn und einundzwanzig Uhr fünfundvierzig kann man sich auch ausrechnen, wie wie kurz die Konzerte waren.
Ähm die Fans waren natürlich begeistert. Äh die FAZ äh als bürgerliches Blatt weniger. Sie schrieb also von Folter und war froh, dass ähm
das Konzert rum war, aber natürlich die jungen Frankfurterinnen und Frankfurter begeisterte das. Ähm das Plakat ist auch visuell sehr schön gestaltet von Günther Kieser.
Ein berühmter Offenbacher Designer.

[17:00] Der dieses äh Visual Music Design entwickelte, das heißt, er nimmt den Kopf des Musikers und verbindet ihn mit seiner künstlerischen Gestaltung. Das sieht man an dem Plakat sehr schön. Und ähm Kieser war sehr eng
mit der Konzertagentur verbandelt,
die in Frankfurt fast alle internationalen Stars hierher erbracht, in dem Schlippmann und Rau. Ähm und er prägte mit Lippmann und Rau quasi visuell.
Äh das Plakatdesign, während Lippmann und Rau natürlich schon in den fünfziger Jahren den Jazz äh,
quer über die Bundesrepublik und Europa verbreiteten und in den Sechzigern dann auch alle internationalen Künstler, das Mary Blues Festival ähm Jimmy Handwicks oder die Dors und so weiter nach Frankfurt brachten.

[17:40] Die Durst traten achtundsechzig hier auf.
Ähm es gibt eine nette Anekdote, die auch auf dem Dorfvideo neunzehnhunderteinundneunzig im Abspann ähm äh festgehalten wurde, nämlich einen Videodreh auf dem Römerberg.
Musste damals für sein Playback relativ lange warten und er beschäftige sich damit, dass in die nahegelegene Nikolaikirche ging und ähm den dortigen Pfarrer überzeugte, dass er auf der Orgel spielen konnte
Und äh währenddessen schleppten sich die Filmaufnahmen für die Playback-Aufnahme weiterhin hin,
unten. So sprach er wohl einem lieblichen Weißwein zu und war dann beim Videodreh nicht nur lustlos, sondern auch etwas angetüdelt. Ähm und wie gesagt, das können sie.
Alles nachsehen und auch Ausschnitte vom Abendkonzert sind auf YouTube ähm erhältlich und so kann man's ein bisschen nachfühlen wie seinerzeit. Die Auftritte waren.
Sind natürlich alles Internationale Stars, ähm aber auch viele deutschsprachige,
Stars traten in Frankfurt auf, also zum einen natürlich Heinje, der Ende der sechziger Jahre, ähm die Charts anführte vor allen anderen.
Und äh da gibt es die lustige Anekdote,
dass äh der junge Künstler in Frankfurt eine zusätzliche Steuer zahlen sollte, weil man sein Werk nicht als künstlerisch hochwertig einstufte. Wir haben leider in den Akten nicht das Ergebnis.
Schriftverkehrs, aber es spricht natürlich nicht dafür, dass die Frankfurter Stadtverwaltung besonders großer Heintierfan war.

[19:03] Beziehung bestand mit einem anderen berühmten Schlagersänger.

[19:09] Nämlich äh Udo Jürgens, den wir auch im Bild in der Aufstellung haben, äh der ist natürlich mit dem Frankfurter Bürgermeister verwandt und auch in den Sechziger und späteren Siebzigern und bis dann zu seinem Tod.
Regelmäßiger Dauergast in Frankfurt.

[19:23] Und wenn sie sich vielleicht fragen, ja was ist denn mit der heimischen Musikszene, ne? Natürlich ist der Jazz in Frankfurt ganz groß, um die Mangelsdorf-Brüder. Ähm aber wenn wir uns mal die Frage stellen, wie viel Einfluss hat denn die Bietbewegung in Frankfurt? Muss man sagen, einen
ganz Regen. Ähm wir kennen äh ungefähr fünfzig Beatbands aus Frankfurt und dem Umkreis, die ihren Idolen also nacheifern, insbesondere den Beatles. Und ähm
Manche sind auch äh bekannt geworden oder unter Pseudonym heute bekannt geworden. Eine Band ist zum Beispiel The Raves,
Ähm und äh der damalige Pianist Erich Liesmann,
ist heute berühmt der Songschreiber hat zum Beispiel Songs für Nicole die Flippers geschrieben und insbesondere für Helene Fischer als deren Entdecker er gilt.

[20:08] Wir haben hier noch jemand, der gefeiert wurde wie ein Popstar. Das war aber kenne die.

[20:15] Das war John F Kennedy, ja, der ähm hat es geschafft, ähm in den sechziger Jahren,
mehr Menschen auf die Straßen zu holen, als ähm alle anderen Ereignisse in diesem durchaus ereignisreichen Jahrzehnt, wo Menschen sehr, sehr viel auf die Straßen gegangen sind. Ähm der.
Durchaus ähm als Polit-Popst da bezeichnet werden. Vielleicht der einzige, der das geschafft hat, zu Lebzeiten.

[20:41] Der hat im Juni neunzehnhundertdreiundsechzig die Bundesrepublik besucht, war dann in Berlin, hat da diesen sehr berühmten Satz gesagt, ich bin ein Berliner.

[20:51] Woraufhin ihn alle zujubelten hat, aber im Rahmen dieses Besuches auf Frankfurt besucht und auch hier jubelten ihm die Menschen zu
also bis zu hundertfünfzigtausend Menschen sind an diesem Tag auf die Straßen gekommen, um ähm seinen Einzug mit dem Auto zu erleben und ihn dann auch auf dem Römer zu erleben,
und ähm das äh was sie sehr schön sehen in unserer Ausstellung ist, dass er nicht nur nach Frank.
Um in der Paulskirche zu reden vor geladenen Gästen, überwiegend Politikern, ähm wo er ähm sich sehr stark gemacht hat für das transatlantische Bündnis, also ein politisches Programm, praktisch.
Machen wollte, dafür dann auch die Paulskirche als Ort der Demokratie bewusst gewählt hat
um dieses Bündnis zwischen USA und Europa ähm rednerisch stärker zu machen, sondern dass er an diesem Tag auch auf dem Römer,
geredet hat ähm zu den Frankfurtern und Frankfurterinnen.
Dieses Parlament bestand aus Dichtern und Professoren aus rechts gelehrten und Philosophen, aus Ärzten und geistlichen, die in allen Teilen des Landes frei gewählt worden waren.

[21:56] Keine Nation spendete seine Arbeit wärmeren Beifall als meine eigene.

[22:00] Und obwohl ihre Bemühungen letzten Endes scheiterten, kann kein anderes Gebäude in Deutschland begründeteren Anspruch auf den Ehrentitel der Wiege der deutschen Demokratie erheben.
Beneidische Sportbeteiligung. Und da ähm hat er sich ganz bewusst nicht auf dem Römerbalkon platziert.

[22:20] Von oben herab zu sprechen, sondern ähm wollte ähm das nur ein Podest, ein kleines für ihn aufgebaut wird ähm und wo er dann ähm praktisch
kaum erhöht auf dem Römerstand und zu den ähm Bürgern und Bürgerinnen gesprochen hat. Und äh damals für die,
ja damals ähm ein Politikstil damit äh präsentiert hat, der so ein bisschen lockerer ähm wirkte während die Bonner Politik ja durchaus noch als ähm recht miefig und distanziert empfunden wurde.
Ja. Wir sehen hier auch ein richtiges Bad in der Menge und sogar lachende Polizisten. Also das äh scheint doch ein sehr wirkliches,
gewesen zu machen. Ja, genau, also nachdem er da auf dem Römer gesprochen hat.
Ähm hat er das ähm am es hat zu Fuß zur Paulskirche gegangen und hat das genutzt für ein Bad in der Menge.

[23:09] Dass ja die Polizisten auf dem Bild lachen durchaus, aber ich denke mal, das ist für die Sicherheitskräfte äh ein ganz schön stressige Situation war
weil er da wirklich durch die Menge gegangen ist, Hände geschüttelt hat und ähm dann ähm ja auch sich sehr angreifbar gemacht hat, also ähm es wurde von der Menge aber begeistert aufgenommen
ein sehr schönes, sehr großes Bild, wo Kennedy da im Mittelpunkt ist und ähm.

[23:35] Sehr fröhlich. Sehr volksnah, sehr volksnah, auch würde man heute glaube ich so auch nicht mehr sehen, aber äh damals natürlich äh wahrscheinlich dann auch sehr überraschend und äh ein sehr amerikanischer Stil
dem ähm den Leuten zu begegnen und wirklich auch das Bad in der Menge dann zu genießen, wie man wirklich.
Ja, also ist ein amerikanischer Politikstil, den er da gepflegt hat ähm an.

[24:01] Der aber man muss es natürlich äh sagen, er ist ja im November des selben Jahres dann auch einem Attentat zum Opfer gefallen, also ähm ähm,
genau. Ja, genau, also das ähm da sieht man, dass das äh mit der mangelnden Sicherheit und so durchaus ähm,
problematisch werden konnte und nachdem er diesem Attentat dann auch zum Opfer gefallen ist und wurde auch hier in Frankfurt stark,
getrauert. Es gab da einen Trauermarsch auch zum Römer der Bürger und Bürgerinnen
ähm die Straße, auf der er herausfuhr damals, ähm zum Waldstadion, wo er mit einem Hubschrauber abgeholt wurde ähm nach seinem Besuch in Frankfurt wurde dann im Kennedy-Allee,
später umbenannt, auch ihm zu ehren. Also das hat in Deutschland.
In Frankfurt speziell auch äh tiefe Spuren hinterlassen, dieses Attentat und der frühe Tod des amerikanischen Präsidenten.
Machen wir hier nochmal eine kurze Pause und gehen weiter zur nächsten.

[24:58] Wir sehen hier äh Kundgebungen und Ostermarsch. Eine demokratische Beteiligung, Kundgebung und Apo. Was sehen wir hier auf dieser Stadt.

[25:07] Genau, man verbindet die Sechziger ja häufig mit dem Jahrzehnt der Proteste und wir haben diesen Protestbewegungen auch eine gesamte Wand im Ausstellungsraum gewidmet mit vier großen Bildern.

[25:19] Ein bisschen die großen Kernthemen abdenken, einmal Friedensbewegung und Abrüstung, einmal Proteste gegen die Notstandsgesetzgebung.
Proteste an der Universität für bessere Studienbedingungen.
Und eben nochmal als Bündnis äh als Bündnis aller Ereignisse, ähm die äh Kundgebung gegen die Friedenspreisverleihung neunzehnhundertachtundsechzig an Leopold Senger, wo verschiedene Strömungen ineinander liefen.
Und ähm die neunzehnhundertsechziger waren immer als Protestjahrzehnt gesehen, weil viele Menschen für viele verschiedene Aspekte auf die Straße gingen. Es ging einmal um Arbeitsbedingungen,
die Einführung der vierzig Stunden Woche, eine und bessere Bezahlung, ein zentrales Element der Gewerkschaften.
Und dann war natürlich der die Angst vor einem Atomkrieg. Schon Anfang der sechziger Jahre sehr maßgeblich und wir sehen das auch an diesem großen Bild hier im Raum,
Wir fordern Abrüstung und Hände weg von der Superbombe. Das referiert natürlich direkt auf ein weltpolitisches Ereignis, nämlich die Zündung der ersten sowjetischen Wasserstoffbombe. Ähm.
Eine vielfach höhere Sprengkraft als die auf Hiroshima abgeworfene Atombombe hatte.
Und ähm hier sieht man natürlich auch deutlich, dass auch in Frankfurt viele Angst vor diesem Atomkrieg hatten. Und.

[26:29] Das prägt so die erste das erste Jahr fünfzehner,
und vermischt sich dann in dieser Friedensbewegung mit eben Forderungen nach einem Abzug der Amerikaner aus Vietnam. Und ähm maßgeblicher Träger dieser Friedens- und Abrüstungsforderung war die Ostermarsch-Bewegung, definierte.
Unter verschiedenen Titulationen.

[26:52] Kampagne äh für Abrüstung oder für Demokratie und Abrüstung. Und in der Ausstellung ist ein sehr schönes Plakat vom Ostermarsch neunzehnhundertachtundsechzig zu sehen.
Dass alle zentralen Forderungen dieser Bewegung in den sechziger Jahren äh visualisiert, also gegen den Völkerwort in Vietnam, gegen Atomwaffen, gegen das Springermonopol, gegen neuen Faschismus,
Notstandsgesetze, gegen Rüstungsstaat und so weiter.
Und das macht schon deutlich, dass viele dieser Forderungen sich auch mit der Studentenbewegung decken, ähm die wir in der Ausstellung nochmal gesondert beleuchten.
Wenn man so ein bisschen auf äh die Frage stellen, wer steht denn hinter dieser Bewegung? Ähm zwei maßgebliche Köpfe kommen aus Offenbach.
Der so ein bisschen für die Produktion zuständig war.
Und ähm Rudi Schlesinger, der damalige Vorsitzende der Bewegung. Ähm insgesamt war das aber natürlich keine Frankfurter Bewegung,
sondern eine bundesweite Bewegung, da eigentlich muss man sagen, eine europaweite Bewegung, weil wer die Plakate der und Flyer der Ostermarschprobleme wieder ganz vielfältiger Weise in der Ausstellung haben, mal anschaut, sieht überall dieses sogenannte CND-Zeichen,
das stammt von der Campagne von nuklear de Samend aus Großbritannien.

[28:08] Ende der fünfziger Jahre entstand und sich eben genau für Abrüstung und gegen Atomwaffen einsetzte und von der Insel schwappte es eben auf äh auf den Kontinent nach Deutschland.
Und äh die Ostermärsche hatten insbesondere der zweiten Hälfte der sechziger eine Hochphase, als ich hier in Verbindung mit den.
Mit den Diskussionen um die Notstandsgesetze zu Ostern jeweils um die zwanzigtausend Menschen auf dem Römerberg trafen.

[28:34] Wir hatten ja auch gerade die Notstandsgesetze angesprochen und dazu gibt es sogar eine eigene ähm eine eigene Station hier. Genau,
Notstandsgesetze ähm seit auch seit den fünfzig Jahren in der Diskussion. Da ging es eben um die Frage, wie kann der Staat reagieren bei Naturkatastrophen im Kriegsfall oder auch bei Pandemien. Das war im, im Bundesgesetz bis dato noch nicht geregelt.
Und für die Änderung des äh Grundgesetzes, war ja eine Zweidrittelmehrheit notwendig und die war natürlich seit neunzehnhundertsechsundsechzig.
Im Bundestag und Bundesrat durch die große Koalition vorhanden.
Und äh nun wurde diese seit über einem Jahrzehnte Diskussion befindliche Gesetzespaket nun einmal so akut, dass es beschlossen werden konnte.
Dazu vielleicht einbetten, sagen für unsere jüngeren Zuhörer, äh dass es äh bisher äh zuvor natürlich äh eine Gesetzgebung gab, die aufgrund der Nazi-Diktatur äh diese Rechte dem Staat nicht eingeräumt hat.
Und äh hier aufgrund der massenhaften Proteste von Studenten doch gefürchtet wurde, dass diese Notstandsgesetze geeignet.

[29:42] Um Massenproteste zu unterdrücken,
Genau, das ist der springende Punkt, also man erinnerte sich mit diesen mit diesem Gesetzgebungspaket, dass dann auch das Briefgeheimnis aufhob und das Versammlungs die Versammlungsfreiheit und eine Verpflichtung für gewisse Fälle beinhaltete. Natürlich ähm,
an an die NS-Diktatur erinnert und wollte unbedingt verhindern, dass in der deutschen Verfassung so etwas wieder verankert ist.
Und es waren zum einen natürlich junge Menschen, die dagegen waren, aber es war ein breites äh gesellschaftliches Bündnis,
aus Gewerkschaften, aus Journalistin, aus Hochschullehrern, aus Politikwissenschaftlern,
Richter dabei und so weiter und wir haben ähm in Frankfurt.

[30:23] Eine, eine maßgebliche Veranstaltung am dreißigsten Oktober neunzehnhundertsechsundsechzig. Wir haben die Flyer auch in der Vitrine, ähm der sogenannte Notstand der Demokratie.
Ein eine Großtagung mit sechs Parallelen Veranstaltungen über das Stadtgebiet verteilt und eine.
Kundgebung auf dem Römerberg. Da trafen sich zweiundzwanzigtausend Menschen und ähm.
Die Abschlusserklärung plus die ganzen Teilnehmer dieses breiten Bündnisses sind hier in der Vitrine zu sehen. Und ähm.
Es war also ein breites gesellschaftliches Bündnis, dass das ablehnte, dieses Gesetzesverfahren und äh das wird natürlich häufig unter dem Schlagwort der zusammengefasst. Ähm weil das die Auserwähltage Opposition war, die eben gegen dieses Gesetzesvorhaben der großen Koalition
war.

[31:07] Um es kurz abzuschließen, ähm so ein Gesetz, ähm durchläuft ja mehrere Lesungen und die zweite und dritte Lesung fand dann neunzehnhundertachtundsechzig statt.
Und ähm bei allen Lesungen äh gab es in Frankfurt große Demonstrationen. Das ist nichts besonderes, das ist in der gesamten Bundesrepublik.
Es gab diverse Stern nach Bonn.
Im Mai neunzehnhundertachtundsechzig, da beteiligen sich auch viele Frankfurterinnen und Frankfurter, auch zu den Lesungen.
Gingen immer zehntausende auf die Straßen. Letztlich hat es nicht gefruchtet. Äh der Bundestag hat sich ob alle Kritik nicht davon abhalten lassen, das Gesetz äh Paket zu verabschieden,
Es wurde hier und da modifiziert, ähm also hier zumindest hat das bürgerschaftliche Engagement,
seinen äh seinen Ausdruck gefunden, dass es eben nicht in der Schärfe in Gesetzeskraft äh gegossen wurde, wie es stellenweise in der Diskussion war.

[32:01] Außerparlamentarische Opposition ist ja dann auch weiter gewachsen, Protestjahr neunzehnhundertachtundsechzig gab es ja große.
Studentenprozesse. Ich sehe hier Trauerkundgebungen zum Tod von Benno ohne Saug und Rudi Dutschke. Das ist ja dann auch auf die Unis weiter.
Ähm äh hat sich weiter in den Unis äh fortgesetzt, ist der Prozess, der ist ja dann nicht.

[32:24] Richtig, diese ganzen Entwicklungen und Proteste sind auch nicht streng voneinander zu trennen. Ähm Frankfurt zählte Ende der sechziger, fünfzehntausend Studenten.
Und äh an den Kundgebungen nahmen stellenweise zwanzig bis zweiundzwanzigtausend Menschen da, das heißt, sie können allein mathematisch schon sehen, rein rechnerisch können es nicht nur Studenten gewesen sein. Man schätzt so ungefähr ein Viertel
der Frankfurter Studierenden waren politisch sehr aktiv und die Forderungen deckten sich natürlich zum Großteil zu denen der Ostermarsch-Bewegung, die ihr vorhin äh schon angesprochen haben. Dazu kamen zwei Elemente, die sehr prägend waren,
die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit bei Professoren und in der sozusagen Bildungslandschaft Universität an sich, da ging es auch um Mitbestimmung.
Einfluss auf die Lehrinhalte.
Um äh Vertretung äh im AStA mitbestimmen um Finanzen und so weiter und ähnliches wird auch in den Schulen diskutiert, das heißt wie werden Lehrer ausgebildet, wie dürfen Schüler im Unterricht mitbestimmen,
wie sind Schulbücher gestaltet und so weiter. Und.

[33:27] Daneben ist dieses gesamtgesellschaftliche Konstrukt, um Frieden und Abrüstung und ein ein maßgeblicher Faktor in der deutschen Medienlandschaft, der sehr konträr gegen die Studentenschaft eingestellt ist. Das ist der Springer-Konzern.
Entbrandet sich sozusagen die große Spaltung dieser Bewegung.
Weil sie kennen das, die die Ereignisse in Berlin ähm die Ermordung Benno ohne Sorgs und die Schüsse auf Rudi Dutschke. Ähm.

[33:54] Sehr der Springer-Presse von Seiten der Studierendenschaft zugeschrieben wurden, stellte natürlich die Frage, ob man über einen.
Pazifistischen Protest oder über eben militante ähm Aktionen einen eine Veränderung auf gesellschaftlicher und bildungspolitischer Ebene ähm,
vollziehen konnte. Und ähm diese Eskalation haben wir in der Ausstellung auf mehreren Bildern dargelegt. Sie sehen Rudi Dutschke bei einem Protest gegen ähm ähm die Vietnampolitik vor dem.
US-Konsulat in der Süßmeierstraße, nass gespritzt durch einen Wasserwerfer oder nach dem Attentat auf Rudi Dutschke, Bilder vom Osterwochenende neunzehnhundertachtundsechzig, wo viele Studierende.
Mit anderen Gruppen versuchten, die Auslieferung der Bild-Zeitung,
aus der Frankenallee zu verhindern und so haben wir immer diese Bilder häufig im Kopf von.
Protesten äh mit äh nass gespritzten Teilnehmern oder eben auch von der Polizei, die eben gegen Demonstranten vorgeht. Und ähm diese.

[35:01] Ja, Verschärfung des Konflikts bestimmte maßgeblich das Jahr neunzehnhundertachtundsechzig. Ähm äh die das Jahr achtundsechzig durchzieht an der Frankfurter Uni, eine eine Phase von Streiks und Institutsbesetzungen. Ähm,
die stellenweise weg vom allgemeinen politischen Disputwahn, sondern insbesondere auch eben um Reform der inneren Universitäten,
Gemeinschaft gingen, also um diese Bildungsfragen, die ich schon angeschnitten habe ähm und die ziehen sich insbesondere in die zweite Jahreshälfte,
als der große Protest ähm der Anfangs äh Monate gegen die Notstandsgesetze von der Frankfurter Straße etwas weg ist, weil die gesellschaftlichen Gruppen um den DGB, um die Ostermarschbewegung eben
nach der Verabschiedung der Notstandsgesetze das erstmal an Akta legen.

[35:46] In der Universität geht es dann um Fragen, eben um Mitbestimmung, um Bildung und ähm da bilden sich zwei Gruppen, ähm die einen, die eben auf einen Diskursweg setzen, mit den Professoren, mit der Universitätsleitung und die anderen, die eben auf.
Militante Aktionen wie Besetzung von Instituten und so weiter setzen.
Wenn sie in der Ausstellung sind, können sie das alles so ein bisschen nacherleben, auch die Zeit anhand von vielen Flyern, wie muss ich mich verhalten, wenn ich von der Polizei festgenommen werde, wie bekomme ich Rechtsbeistand,
aber auch den inneuisitären Diskurs,
dass manche Gruppen eben für militantes, für militantes Vorgehen waren und andere für den Diskurs gegen den Universitätsstreik und so weiter, weil natürlich Teile auch äh Angst hatten, dass sie eben die entsprechenden Scheine nicht bekamen oder ähm.
Ihre Leistung nicht erbringen konnten
und äh ganz maßgeblich für die Frankfurter Studentenbildung waren ein paar Herren, nämlich äh KD Wolf, Hans-Jürgen Krahl und äh äh KDW Frank Wolf, die sie auch alle in der Ausstellung sehen. Ähm alle,
Im SDS im sozialistischen deutschen Studentenbund aktiv. Der äh in Frankfurt auch ein ein Büro hatte und von hier die Aktionen lenkte. Und ähm sie sind so ein bisschen.

[36:59] Die ähm Redner der Studentenbewegung in Frankfurt auch zum Beispiel,
bei den Kundgebungen gegen die Notstandsgesetze auf, sprach dort auf dem Römerberg neben ähm Gewerkschaftlern.
Und ähm bildete so eben die Meinung der Studierenden da. Karl selber, das muss man wissen, war achtundsechzig eigentlich kein Schwehlen mehr, war nämlich schon äh Doktorand.
Bei Theodorno, ähm dem großen Denker der Frankfurter Schule ähm und äh diese Frankfurter Schule um.

[37:29] Hammermaß und von Friedeburg ähm lockte natürlich auch viele linksorientierte Studierende an. Was war ein bisschen erklärt, warum ähm äh in Frankfurt.
Die politische Beteiligung der Studierenden durchaus sehr groß war im Vergleich zum Bundes.
Durchschnitt, dann natürlich die linken Verlage, sprechen auch dafür und eben verschiedene Strömungen, wie eben ähm Gemeinschaftleden und Kinderläden und so weiter. Das alles gibt es in Frankfurt, in manchen anderen Städten nicht.
Wir haben vorhin schon so ein bisschen gesprochen, um die die Rolle der Frau und Emanzipation ähm und gerade um den SDS gibt es natürlich den berühmten Tomatenwurf.
Der Vorwurf bei der Bundesdeligierten Konferenz, dass eben auch der SDS nichts für die Gleichberechtigung der Frau täte, weil der Bundesvorstand sehr männlich dominiert war.
Und ähm man war so gefrustet, dass man eben gerade mit Tomaten bewarf und ihn eben äh vorwarf, dass er eben die Gleichberechtigung der Frau nicht vorantrieb,
gründe sich der sogenannte Weiberrat äh in Frankfurt, der eben solche Dinge vorantreiben sollte, wo eben auch Männer nicht zugelassen wurden. Auch da sieht man innerhalb der Universität und seine Studierendenvertretung eben die gesellschaftlichen Differenzen.

[38:40] Geschichte um Gral geht natürlich etwas tragisch weiter.

[38:44] Er ist maßgeblich beteiligt bei der Besetzung des Instituts für Sozialforschung. Ähm die die Leiter von Friedeburg, Adono und Habermaß wissen sich letztlich nicht anders zu helfen als die Polizei zur Hilfe zu holen,
und eine Räumung zu veranlassen. Ähm gerade wird festgenommen und es steht dann später für diese Besetzung vor Gericht.
Besetzung waren im Endeffekt das das letzte Mittel, was die Studierenden anwenden, um eben ihre Forderungen durchzudrücken, ähm den regulären,
Lehrbetrieb zu sprengen ähm und ebenso ihre Professoren zu maßgeblichen Entscheidungen zu bringen,
Wir haben in der in der Ausstellung auch Bilder von solchen Besetzungen und mittendrin die Professoren die mit ihren Studierenden diskutieren also es ist keineswegs so dass sie,
nicht diskutieren wollen und keine sozusagen Veränderung im im Studierendenprozess wollen an der Universität, sondern sie sind durchaus gewillt, mit ihren Studierenden zu diskutieren, aber natürlich sind die.
Die.

[39:44] Formate weit auseinander, was die Mitbestimmung angeht, innerhalb des Lehrinhalts und auch in Sachen Finanzen und wenn es keine Einigung gab, setzte dann immer die.
Gremienleitung auf die Maßgabe polizeiliche Räumung,
Und so stand Karl eben vor Gericht gegen seinen eigenen Doktorvater, das muss man sich eben vergegenwärtigen. Und ähm Gral ging also im Prozess ähm.
Auf Konfrontation mit Adono, griff ihn schwer an.
Und Adono muss dies persönlich sehr belastet haben und ein zweites Ereignis in der Frankfurter Sternbewegung belastet ihn wahrscheinlich noch mehr.
Teach-in-Sit-ins und Brechen von von Vorlesungen waren so seit siebenundsechzig, achtundsechzig der Gang der Dinge. Da hatten sich die Lehrenden schon etwas dran gewöhnt, dass sie mit Störung ihrer Vorlesungen rechnen müssen, aber eben.
April achtundsechzig begann er also seine Vorlesung als sie im Vorfeld schon ein Flyer verteilt wurde mit dem Aufdruck Adornas Institution ist tot.
Und dann betrat er den Saal und drei Damen umringten ihn mit Lederjacken zogen die dann aus, entblößten ihre Brüste und tanzten ihn.
Und der große Denker Adorno war sichtlich geschockt, brach seine Vorlesung ab.
Versucht es dann im Jahresverlauf nochmal und wurde dann wieder gestört und brach dann für das Sommersemester das insgesamt ab.
Und ähm das in Verbindung mit.

[41:07] Den Prozess gegen seinen eigenen Doktoranden muss ihm stark zugesetzt haben, er zog sich dann zurück in die Schweiz und verstarb dann dort. Und das ist so ein Element, das äh der kritischste Denker von Seiten der Professorenschaft,
noch in den sechziger Jahren verstarb und auch Hans-Jürgen Krahl kam neunzehnhundertsiebzig bei einem Autounfall durchs Leben, das heißt auch die kritische Stimme auf der anderen Seite verstarb.
Bei den ganzen Diskussionen ging es irgendwann fast nur noch ums Prinzip, nicht mehr um die Sache. Äh Kleinigkeiten und so verlief die Sache,
obwohl sie sich bis in den Jahresanfang neunzehnhundertneunundsechzig Zug dann immer weiter in Detail fragen und verlief dann irgendwann im Sande.

[41:47] Die großen Folgen, die wir daraus haben, ähm kommen dann in den Siebzigern, die große Bildungsreform, die vierundsechzig ausgelöst wurde durch das Buch der Bildungsnotstand, die führt natürlich dann dazu, dass neue Universitäten gebaut werden, dass Studierende mitbestimmen dürfen,
die Diskussion wie die dritte Parität und so weiter, also langfristig hat die Studentenbewegung durchaus einen Wandel an den Hochschulen erreicht.

[42:11] Herr Doktor Hefner, Frau Doktor Matron, ich bedanke mich ganz herzlich und wir laden alle Hörer hier ein in diese Ausstellung zu kommen. Redakteur im Studio war Torsten Sinne.