Sommerwerft 2026 – Theaterfestival
Die Webseite der Sommerwerft: sommerwerft.de
Das Programm der Sommerwerft: sommerwerft.de/wp-content/uploads/sites/4/2026/07/SW26_Programm_2026-07-07_ANSICHT.pdf
- Playlist
-
- Fresh Familee, Mothafucka (1994) youtube.com/watch?v=kg60XjUltF8
Transkription
Hallo, hier ist das Politopia Magazin, euer gesellschaftspolitisches Magazin bei Radio X, dem Frankfurter Bürgerradio. Schön, dass ihr dabei seid, schön, dass ihr zuhört. Wir werden uns heute über Theater unterhalten.
Die Sommerwerft ist wieder Ende Juli bis Anfang August und wir haben uns ein bisschen mit Experten und Machern unterhalten, die das Ganze vorbereiten, die Theater spielen, die viel geübt haben, aber die auch dafür sorgen, dass die Logistik funktioniert und dass man dahin gehen kann und spannende und interessante Sachen sehen kann. Die Sommerwerft findet statt an der Weserwerft, das ist auf der nördlichen Mainseite in der Nähe der Europäischen Zentralbank, also eher im Osten von Frankfurt und dort wird es zweieinhalb Wochen lang Theater und Musik geben. Wir haben uns mit Barbara, Julia und Bernhard zusammengesetzt und hören jetzt, wie das Ganze funktioniert, was es im Programm geben wird und warum das eigentlich eine gute Idee ist, ein Theaterfestival zu haben.
Wir sitzen im Garten von Protagon, das ist die Organisation, die das Ganze auf die Beine stellt. Das ist im Osten von Frankfurt, da haben die ein kleines Gelände, wo eine Menge Material ist, Requisiten und was man halt für eine Theateraufführung braucht. Das ist in der Nähe der Einflugschneise, da gibt es Eisenbahnen, die rangiert im Hintergrund.
Also ihr hört, wir sind direkt vor Ort, versuchen natürlich auch ein bisschen mitzukriegen, was passiert da gerade. Das Thema für die diesjährige Sommerwerft ist Blue Lab 26. Es geht um Wasser, es geht um den Fluss und am Ende natürlich auch um den Ozean.
Dieses Thema findet sich an vielen Ecken und Enden wieder und wir hören uns auch an, wie das Ganze zusammengestellt ist. Also, zuerst sprechen wir mit Barbara, sie wird uns erzählen, was es mit dem Thema Blue Lab auf sich hat. Also dieses Jahr, wir haben insbesondere den Fluss als Protagonist genommen.
Das heißt, die gesamte Zeit zwischen dem 24. Juli bis zum 9. August wird jeden Tag was zum Thema Wasser geben für unser Publikum. Es geht um Kinderprogramme, nicht nur im Theater, aber auch Musik.
Wir haben ein Chor zum Beispiel, sie haben Musikstücke über den Ozean ausgedacht und geproben und da stellen sie auch was vor. Und wir haben unterschiedliche Workshops geplant und Filme natürlich und Tanz. Also von daher, wir haben ein diverses Programm entwickelt, das den Fluss, den Main als Protagonist nimmt.
Das ist unser erster Punkt. Und ich bin hier seit, also mit Protagon, der Stadt von der Sommerwerft, seit 17 Jahren. Und für mich war immer wichtig zu sehen, okay, das ist ein toller Platz, das ist wirklich für uns ein Privileg, da sein zu können.
Und warum nicht das als Thema zu haben, in unserem Jubiläumsjahr, 25 Jahre. Und von daher steht Blue Lab als Projekt, die explizit Thema Ocean Literacy, das heißt, die Verbindung zwischen Menschen, Ozean und Gewässer, Flüsse, so explizit thematisiert. Das heißt, wir stellen nicht nur ein Künstlerisches Programm, sondern Bildungsprogramm.
Und dadurch haben wir PartnerInnen eingeladen. Wir haben zum Beispiel eine Kooperation mit Senckenberg Museum, mit der Ocean Species Alliance. Und da haben wir eine Aufstellung und ein Pavillon gedacht.
Wir haben auch eine Kooperation mit einem EU-Projekt, Tidal Art. Also als Protagon mache ich insgesamt internationale Projekte. Für uns ist es auch wichtig, dass es international bleibt.
Es ist auch wichtig zu sagen, internationales Theaterfestival am Fluss. Dass wir tatsächlich unterschiedliche Perspektiven haben. Nicht nur aus globalem Nord, auch aus globalem Sud sozusagen.
Und da bringen sie auch eine Ausstellung. Diese Ausstellung heißt Echos of the Deep. Und da kann man sich mehr auseinandersetzen, was für Verbindung haben wir als Menschen, die hier die Überflächen leben, mit dem Tiefsee zum Beispiel.
Und dann haben wir auch überlegen Formate, so wie Meet the Expert. Das heißt, wir laden WissenschaftlerInnen ein, da zu sein, mit unserem Publikum ein Gespräch zu haben. Nach dem Motto, I work for the ocean, who am I? Und dann kann man Fragen stellen.
Unser Ziel jetzt ist auf jeden Fall, dass dieses Thema Umweltbewusstsein nicht nur in einem akademischen oder institutionalen Rahmen bekommen, sondern dass wir in einem öffentlichen Raum sowas ansprechen können. Das ist eher so in den Blue Lab gekommen und natürlich mit der Sommerwerft sowieso als Veranstaltung im öffentlichen Raum Frankfurt. Also der Ozean, das Wasser, ganz zentrale Sache.
Wie sehen denn dann die Stücke oder die Theaterstücke oder auch Musikstücke oder Bands oder Künstler, die was machen, wie sieht denn das dann aber auch konkret aus? Weil auf der einen Seite die Sommerwerft ist am Main, also findet dort statt, das ist ihr Ort. Aber ihr nehmt also jetzt diese Verbindung des Wassers zu euren Stücken, zu eurem Theater auf. Wie funktioniert das? Also wir haben unterschiedliche Formate geplant.
Also dass unser Publikum das Gefühl hat, okay, ich bin nicht nur in der Oberfläche, dass ich irgendwie tauche irgendwo ein, unter Wasserwelt sozusagen. Ich persönlich komme aus einem Land, aus Brasilien, aus Salvador de Bahia und ich habe die Kust wirklich erlebt als Teil meiner Identität. Und die Idee ist wirklich, dass jeder Theaterstück oder jeder Konzert so dieses Gefühl geben kann, dass okay, ich gehöre eigentlich zum Wasser, zum Meer und nicht nur zu meiner Stadt oder zu einem urbanen Raum sozusagen.
Unser Ziel ist, dass diese künstlichen Programme irgendwie diese Sensibilisierung oder diese emotionale Verbindung starten können zwischen Menschen und Natur, Menschen und Wasser. Von daher, wir haben diesen Aspekt. Aber haben wir auch kritische Theaterstücke zum Beispiel über die Situation für Menschen, die durch das Mediterraneansee fliegen sollen.
Also die Geschichte von Flucht ist auf jeden Fall präsent. Wir haben extra einen Partner eingeladen, Sea-Watch e.V. und da werden wir zum Beispiel für unser Theaterstück, die Aspera, so ein Kurzvortrag haben. Innerhalb der Blue Lab-Zeit, das ist 29.
Juli bis zum 2. August. Und am Sonntag haben wir auch ein anderes Theaterstück, La Mer Amore, für einen POC-Künstler. Und da werden wir auch nochmal über das Thema Ozean, Flucht, Migration sprechen.
Und ja, einfach zu sagen, das Ozean, Wasser, ist sehr persönlich, aber kann auch sehr politisch sein als Thema. Die Zuschauer bei Euren Stücken sitzen ja jetzt nicht nur gegenüber der Bühne und gucken sich da irgendwas an, sondern die machen ja auch manchmal mit oder sind auch irgendwie in einer anderen Position. Wie funktioniert denn das? Wie sieht denn das aus? Wie ist denn das umgesetzt? Was können wir da vielleicht erwarten? Was sind vielleicht die Überraschungen, die die Zuschauer auch sehen werden? Also Überraschungen kann ich auf jeden Fall nicht sagen, weil man muss vorbeikommen, sich anschauen.
Aber ich kann auf jeden Fall sagen, wir haben z.B. ein Highlight in unserem Blue Lab-Programm, das heißt Fish & Cat. Und das ist ein Interaktiv-Theaterstück. Also sie wollen nicht nur, dass unsere Zuschauer in einem passiven Verhältnis sitzen, sozusagen aufbauen, sondern dass sie irgendwie durch den ganzen Festivalgelände mitmachen können.
Und ja, wir haben wirklich Mühe gegeben, dass ja unsere Publikum nicht nur irgendwie sitzt rum und zuschaut, aber dass sie wirklich mitmachen können oder wenigstens ein bisschen mitlaufen können. Und das ist für uns so wichtig. Deswegen gibt es auch viele Theaterstücke mit Workshops dazu.
Das heißt, dass die KünstlerInnen, die selbst spielen, danach haben die Möglichkeit gegeben, so eine Workshop, eine Gesprächsrunde mitzumachen, damit das Republikum mehr in der Nähe kommen kann von der künstlerischen Arbeit und Forschung. Und die andere Sache ist, dass wir haben versucht, die jetzt mehr mit Wasser zu spielen. Mal gucken, ob wir hinkriegen, dass wir selbst so ein Hydrofon, also ein Mikrofon für Wasser am Main stellen können.
Und dann kann man wirklich hören, welches Geräusch das ist, genau. Das ist ein Experiment. Mal gucken, ob das klappt.
Und ja, wir haben auch von Greenpeace Frankfurt einen Wissenschaftler eingeladen, Dr. Frech. Und da hat er einen Filter mitgebracht. Das ist die Idee, sein Konzept.
Und dann stellt er vor, du kommst zum Sommerwerf, normaler Tag, und da gibt es jemanden, der einfach einen Filter hat. Er holt Wasser aus dem Main, geht durch diesen Filter durch, und dann ist die Frage, traust du dich zu trinken? Ja, das ist auch so. Alle diese Läufe so herzustellen, das war nicht einfach.
Aber das war wirklich unser Ziel, dass Menschen wirklich in der Nähe vom Wasser kommen. Genau, es geht um Wasser. Und wenn man jetzt schaut, links und rechts in Frankfurt im Moment ist es richtig trocken.
Leider haben wir den Moment genommen, wo Wasser ein sehr, sehr wichtiger Punkt ist in dieser Stadt. Möglicherweise verändert sich das ja auch noch, weil wo das Wasser regnet, fließt, sich ansammelt, verwendet wird, gebraucht wird, irgendeinen Zweck erfüllt oder auch nicht, das ändert sich ja auch. Absolut, aber die Frage ist, wer hat das Privileg und wer entscheidet, wo das Wasser fließen kann.
Und das ist unser Punkt, um den Blue Lab ein bisschen aufzumachen, um unsere Publikum in Diskussion zu nehmen. Wir haben auch, ich habe vergessen zu sagen, übrigens eine Kanu-Tour geplant. Wir haben eine Kanu-Verein in Frankfurt eingeladen, und sie haben gesagt, es wäre auch gut, unsere Publikum einzuladen für eine Kanu-Tour, wo sie einfach merken kann, wie unserer Fluss leider sehr dreckig ist von Menschen, die Sachen schmeißen.
Also privat, aber auch, keine Ahnung, Companies und Firmen, die vielleicht nicht genau aufgepasst haben oder so. Und von daher, ja, ich bin auch sehr gespannt auf das Programm. Ja, gerne, und ja, kommt mal vorbei.
Es gibt, wie gesagt, diese Blue Lab Pavilion. Da haben wir auch einen Infopoint extra zum Thema Wasser geplant. Wir haben Umwelteinrichtungen, Vereine, Verbände eingeladen.
Da gibt es ganz viele Flyers und Infos zum Thema und natürlich viele Programme für jede Person, für Kinder, für Erwachsene, für Menschen mit Migrationshintergrund. Das ist wirklich für alle da, das Blue Lab, vom 29. Juli bis zum 2. August.
Das ist also das Thema der Sommerwerft in diesem Jahr, Blue Lab 26. Wir unterhalten uns jetzt mit Julia zur Frage, wie geht das überhaupt, das Theater? Was ist da notwendig? Wie funktioniert es das ganze Jahr über Proben? Wir schauen ein bisschen hinter die Kulissen zur Vorbereitung für die Sommerwerft in diesem Jahr. Ihr habt hier demnächst eine große Aktion, die Sommerwerft.
Was heißt denn das Theater? Da finden also Aufführungen statt oder wie muss ich mir das vorstellen? Genau, die Sommerwerft, das sind 17 Tage volles Programm am Frankfurter Mainufer. Eine Mischung aus Theater, Workshops, Performances, Musik, alles frei zugänglich im öffentlichen Raum. Ist das so oder wie funktioniert das? Wie macht ihr das? Ja, es gibt verschiedene Programmbereiche.
Wir haben auch klassische Outdoor-Bühnen, wo Theater drauf stattfindet, für so ein klassisches Setting in der Black Box. Aber die großen Produktionen finden vor allem auf dem freien Platz statt. Wir arbeiten ganz viel mit internationalen Theatergruppen, Straßentheatergruppen zusammen, die das gewohnt sind, einfach auf einer Freifläche zu spielen.
Und die bringen dann ihre eigenen Requisiten, ihren Aufbau mit und verwandeln da die Freifläche in ein Theater. Wir kuratieren ein Theaterprogramm, das sich mit dem Thema der Sommerwerft beschäftigt. In diesem Jahr dreht sich alles um Wasser und Ozeane.
The ocean starts in Frankfurt ist unser Motto. Und dazu laden wir verschiedene Theaterproduktionen ein. Das ist die große Frage, wer steckt eigentlich hinter der Sommerwerft? Das wissen viele gar nicht so genau.
Zum einen ist das Protagon, Protagon e.V. Das ist unser Kulturverein, der die Sommerwerft organisiert. Und Protagon organisiert übers Jahr hinweg verschiedene Festivals. Es gibt auch die kleinere Winterwerft im Winter, die Schwester der Sommerwerft.
Es gibt das internationale Frauentheaterfestival und auch ein Festival, das Unterwegsfestival, mit der wir in der Region touren. Die Sommerwerft ist das große Mutterfestival, das es jetzt seit 25 Jahren gibt und das 17 Tage lang am Frankfurter Mainufer stattfindet. Protagon ist der Player, der dahinter steckt und die Rahmenbedingungen schafft.
Protagon hat in Frankfurt im Osten, und hier sind wir auch gerade und machen dieses Interview, ein Kulturgelände, wo auch Veranstaltungen stattfinden, also z.B. zwei von den Festivals, die ich eben genannt habe, die finden hier statt. Und es ist auch eine Produktionsstätte und ein Ort, wo eine Künstlerresidenz, eine Dauerresidenz verortet ist. Nämlich beherbergt Protagon das Ensemble von Antagon, Antagon Theateraktion.
Das ist die Theatergruppe, die hier das Jahr überlebt und arbeitet, als Kollektiv, als Gemeinschaft. Und diese Leute stecken auch im Protagon drin. Das heißt, es sind dieselben Menschen, Protagon ist noch größer, da kommen noch mehr Leute dazu, aber das geht quasi Hand in Hand, das Theaterensemble Antagon und der Verein Protagon.
Also das eine ist so die Organisation, die dafür sorgt, dass das alles funktioniert und dass dann am Ende auch eine Aufführung oder eine Präsentation stattfinden kann. Aber das andere ist eben so eine Theatergruppe, die wirklich jetzt ein Theaterstück dann auch präsentiert, also selber spielt, auf der Bühne. Genau, wir werden auf der Sommerwerft vier unserer aktuellen Theaterstücke präsentieren.
So ein Theaterstück, das ist ja nicht so eine Ruckzugsache, das ist ja nicht plötzlich da. Das heißt, da muss man proben, da braucht man natürlich auch ein Buch oder es gibt ja auch so eine Vision, dass es so etwas wie einen Regisseur gibt, also der dann letzten Endes entscheiden kann, so machen wir das, so machen wir das nicht. Wie macht ihr das, also wie funktioniert denn das? Das ist bei uns nochmal ein bisschen anders.
Zum einen haben wir tatsächlich kein Buch, weil wir machen physikalisierter, wir arbeiten ganz wenig mit Text, sondern mit Körper, mit Körpersprache, mit Bildern, die wir erschaffen, was unsere Produktion auch international verständlich macht. Also wir touren europaweit, weltweit mit unseren Produktionen und da die mit ganz wenig Sprache auskommen oder auch verschiedene Sprachen beinhalten, unser Ensemble selber ist total international, aus zehn verschiedenen Ländern kommen die Leute zusammen. Genau, ist das international verständlich und wenn wir ein Stück entwickeln, schreiben wir keinen Text, sondern entwickeln Szenen zu einem Themenbereich.
Ihr entwickelt auch sozusagen die Geschichte gemeinsam, also es gibt jetzt keinen Autor, der also jetzt ein Buch schreibt, sondern ihr überlegt euch gemeinsam, wie können wir da Schwerpunkte setzen, wie kann man das darstellen und wie können wir das am Ende spielen? Genau, das ist ein kollektiver Prozess. Wir sind ein Theaterkollektiv und die Ideen kommen aus der gesamten Gruppe heraus, aus dem gemeinsamen Probenprozess und dann haben wir ein Artistik-Team, das sind so vier, fünf Leute von uns, die sich dann zusammensetzen und gucken, welches Material haben wir jetzt gemeinsam erarbeitet, welche Ideen gibt es rund um den Themenbereich und die dann daraus so ein bisschen einen roten Faden spinnen oder das zusammensetzen, dass es ein Ganzes ergibt. Um eine Idee zu kriegen, wie viele Leute sind das denn insgesamt ungefähr? Also das Ensemble besteht aus 20 Personen und das Artistik-Team aus so vier, fünf Leuten.
Jetzt kann ich mir vorstellen, dass das manchmal nicht einfach ist, wenn man da sozusagen viele Köche hat, die also kochen, köcheln. Das ist ja unter Umständen auch ein bisschen ein kniffliger Entscheidungsprozess, dass man sagt, so möchten wir das gerne haben oder so finden wir das gut oder das ist jetzt unsere Aussage. Wie funktioniert denn das so? Ja, vieles finden wir im Probenraum raus, also wir erspielen uns die Lösungen.
Wir reden gar nicht so viel darüber und diskutieren stundenlang, was wir aussagen wollen, sondern wir erspielen uns die Stücke. Und was ich persönlich auch besonders finde, ist, dass wir sehr früh im Entwicklungsprozess auch Ausschnitte schon zeigen und das Publikum mit einbeziehen und Rückmeldung bekommen, was gesehen wird, was wirkt und auch selber merken wir, wenn wir Dinge das erste Mal aufführen. Zum Beispiel entwickeln wir jetzt gerade ein neues Stück zum Thema Ozean.
Das ist gerade unser Jahresthema und da haben wir jetzt schon mal ein Work in Progress gezeigt im April und auch auf der Sommerwerk werden wir im Rahmen des Bluelabs eine Work in Progress-Aufführung des neuen Stücks zeigen. Das ist quasi noch nicht das fertige Stück, das soll erst nächstes Jahr entwickelt werden. Aber es sind schon mal unsere ersten Ideen, unsere ersten Szenenkollagen rund um das Thema, das wir in einem ganz frühen Stadium mit dem Publikum teilen, um Feedback zu bekommen und um auch selber zu merken, was gut funktioniert.
Das heißt, so ein Stück kann sich dann auch über die Zeit verändern und dann sind am Anfang vielleicht Elemente drin, vielleicht einzelne Szenen oder Abschnitte, die dann irgendwann aber auch rausfallen, weil sie vielleicht zu langweilig sind oder nicht wirken oder so. Genau, so ein Stück wächst immer weiter. Und auch jedes Jahr, wenn wir dann das Stück wieder aufnehmen im nächsten Jahr, nehmen wir uns eine Arbeitsphase, Zeit, das nochmal zu vertiefen und weiterzuentwickeln, auch zu aktualisieren, an aktuelle Themen anzupassen.
Das heißt, unsere Stücke sind im ständigen Prozess. Deswegen spielen wir sie auch mehrere Jahre hintereinander. Es ist nicht so, dass wir ein Stück nur eine Saison spielen, sondern Stücke für mehrere Saisons im Repertoire haben und sie immer weiterentwickeln.
Das heißt aber auch für die Leute, die da mitmachen, zum Beispiel jetzt auch für die Darsteller, dass es für die eigentlich nur Sinn ergibt, wenn sie da auch ein bisschen länger dabei sind, dass sie sozusagen die Entwicklung von so einem Stück und die Schwerpunkte, die dann auch in dem Stück gesetzt sind, auch selber nicht nur mitentwickelt, sondern auch mitbekommen haben, also überhaupt wissen, in welche Richtung das geht und wo wirklich der Konsens ist, was man da sagen will. Oder wie muss ich mir das vorstellen? Ja, ich habe schon das Gefühl, je länger man dabei ist, desto tiefer taucht man auch in die Stücke ein. Aber gleichzeitig bringt es auch immer frischen Wind und neue Ideen dazu, wenn jemand neu in der Gruppe einsteigt und in eine Produktion eingearbeitet wird.
Also Antagon gibt es seit 36 Jahren. Unser Ensemble ist aber ganz gemischt von der Zeit, wie lange die Leute dabei sind. Also einige, Bernhard und Joscha, sind von Anfang an dabei und andere aus der Gruppe vielleicht 15 Jahre, 17 Jahre, 20 Jahre und andere seit diesem Jahr.
In jedem Jahr gibt es die Möglichkeit, dass Leute dazukommen und gegen Ende des Jahres Menschen die Gruppe verlassen. Uns ist wichtig, dass die Menschen, die Teil von Antagon sind, sich committen. Wir nennen es Commitment.
Unsere Sprache ist Englisch in der Gruppe, weil wir so international sind. Und Commitment ist so ein Wort, das besonders gut ausdrückt, dass wir wirklich diese Theatergruppe in diesem Moment zu unserem Lebenswerk erklären und uns wirklich voll und ganz dem widmen aus Herzblut. Jetzt frage ich mal ganz unwissend.
So richtig reich werden kann man ja im Theater auch nicht wirklich. Also grundsätzlich nicht. Und wenn ihr das hier auch kollektiv organisiert, da ist natürlich dann eine Menge Arbeit und Einsatz notwendig.
Aber ist das nicht mit dem Commitment, also dem Bekennen zu dieser Aktion, teilweise nicht auch ein bisschen schwierig? Weil, naja, jeder muss dann vielleicht auch gucken, dass er noch ein bisschen nebenbei arbeitet oder wie Schwerpunkte sind. Oder wie funktioniert das? Wie muss ich mir das denken? Nee, das ist eine Vollzeitsache bei uns. Also tatsächlich ermöglichen wir uns, also wir sind alles selbstständige Künstler, die sich zu einem Kollektiv zusammengeschlossen haben.
Und wir leben und arbeiten zusammen. Und das ist eine ganz besondere Form der Zusammenarbeit, die uns ermöglicht, auch wirklich davon zu existieren. Das heißt, wir brauchen keine anderen kleinen Nebenjobs zu machen.
Und wir machen nicht jeder 10.000 andere Projekte noch nebenbei, was auch die Terminkoordination unfassbar schwierig machen würde. Sondern wir investieren wirklich unsere gesamte Zeit in dieses Projekt. Genau, entscheiden unsere Einkünfte, die wir damit haben und unser Leben.
Und dadurch, dass jetzt nicht jedes Individuum von uns eine Mietwohnung in Frankfurt bezahlen muss, sondern wir hier auch gemeinsam leben, haben wir geringere Ausgaben. Und dadurch wird es uns möglich, wirklich gemeinsam zu existieren im Kollektiv. Genau, die Residenz wird von Protagon an Antagon gegeben.
Protagon verwaltet das ganze Gelände hier. Und Antagon kann hier quasi mietfrei wohnen und hält aber auch das Gelände am Laufen. Ja, genau, also wir arbeiten das ganze Jahr darüber, die Sommerwerft auf die Beine zu stellen.
Und jetzt sind wir endlich an dem Moment angelangt, wo hier Leben in die Bude kommt. Wir haben jetzt gerade in den letzten zwei Tagen um die 60 internationale HelferInnen, die sind angereist. Wir arbeiten ganz viel mit Volunteers zusammen, die das Festival möglich machen mit ihren helfenden Händen.
Als nächstes unterhalten wir uns mit Bernhard. Es geht um die Frage, warum macht man überhaupt Theater? Was soll das Ganze? Und hat das überhaupt noch eine gesellschaftliche Auswirkung? Hat das eine Relevanz? Was macht und was kann Theater in der heutigen Zeit? Bernhard, du bist sozusagen künstlerischer Leiter von der Antagon-Gruppe, also der Theatergruppe, habe ich das richtig verstanden? Ja gut, ich habe diese Gruppe vor 36 Jahren gegründet, natürlich zusammen mit anderen. Davon sind jetzt nicht mehr so viele übrig hier.
Das ist eine Gruppe, die sehr gewachsen ist und sich auch immer wieder durch Jüngere weiterentwickelt. Ja, also Antagon ist das Theater und später wurde klar, dieser ganze organisatorische Rahmen, in dem so ein Theater stattfinden kann wie Antagon, also Theater im öffentlichen Raum, Outdoor-Theater, was nicht das gleiche ist. Theater im öffentlichen Raum ist wirklich dieser Anspruch, allen Menschen den Zugang zu so einem kulturellen Format zu geben.
Und das ist so eigentlich die Überschrift von Protagon, International Performing Arts, das ist wirklich die Veranstalter, die haben auch dieses Gelände hier. So ist im Grunde dieser Verein entstanden, der mittlerweile als Local Player, würde man sagen hier in Frankfurt und der Region, Antagon um Meilen überholt hat. Jetzt sage ich mal von der finanziellen Performance und von dem, was wir alles umsetzen, da gehen ganz andere Gelder durch.
Aber okay, das hat sich so entwickelt. Und dieses Thema, warum machen wir das eigentlich? Warum ist es für uns so wichtig, so ein Format eigentlich auf den Weg zu bringen? Es hat ja ganz klein angefangen mit einer Idee, einer freien Theaterinitiative, sage ich mal. Weil hier in Frankfurt im Grunde am Ende der 90er alles was so internationales Straßenfestival, was ja damals das Summertime war, das wurde ja eingestampft und es gab ja nichts mehr.
Also für so eine Theatergruppe wie Antagon, die jetzt nicht speziell Bühnenproduktionen machen, haben wir natürlich auch ein paar gemacht. Aber eigentlich ist die Idee gewesen, mit dieser Sprache des Theaters die Menschen zu erreichen und nicht nur eine Bubble. Also die Leute, die irgendwie vielleicht mit freiem Theater oder mit konzeptionellem ästhetischen Formaten oder so auch teilweise elitären Geschichten, das war etwas, wo wir sagten, okay, davon gibt es eigentlich genug.
Wichtig ist, wieder dahin zurück zu kommen, dass das Theater, Performing Arts, dass die Sprache, mit der wir unterwegs sind, dahin kommt, wo die Menschen wieder sind und nicht wir mit aufwändigen Werbestrategien versuchen, die Leute in die Spielstätten reinzuholen. Also ich spreche jetzt immer von den Freien. Wir haben jetzt, sage ich mal, mit den städtischen Bühnen nicht so viel zu tun.
Das ist einfach eine andere Welt, die städtischen Bühnen. Auch wenn wir beide Theater machen und ich da auch die eine oder andere Produktion schon gesehen habe, die mir gefallen hat. Aber es ist ein völlig anderes Konzept.
Und dieser gesellschaftliche Auftrag, den finde ich, der wird mittlerweile auch durch die ganze aktuelle Entwicklung unserer Gesellschaft, aber ich meine, vor 30 Jahren war es jetzt auch noch nicht so viel anders, es hat sich halt nur zugenommen, dieses Ausgrenzen, Abgrenzen untereinander in der Gesellschaft, irgendwie mit dem Finger aufeinander zeigen, irgendwie mit Leuten miteinander nichts mehr zu tun haben. Wir leben hier in dem gleichen Land, auf dem gleichen Stück Erde und teilweise habe ich das Gefühl, gucken uns mit dem Arsch nicht an oder gönnen uns nicht die Butter auf dem Brot. Also es ist eine schlimme Stimmung.
Und es ist jetzt nicht so, ach ja, schrecklich ist passiert, sondern wir glauben auch, dass dahinter natürlich eine politische Strategie steht von einem System, was auch nicht unbedingt daran interessiert ist, dass die Menschen sich unheimlich toll verstehen. Das ist was, wo wir halt so unseren politischen Ansatz sehen und sagen, gut, da irgendwie nicht von dem zu reden, was hier alles falsch ist und was an einem System fehlt und was wir kritisieren, sondern zu zeigen, wie das völlig anders geht. Wenn ich das richtig verstehe, das ist sozusagen genau nicht nur die Gegenidee, sondern die Gegenaktion zu einer Situation, wo vielleicht jeder sein elektronisches Kommunikationsgerät hat und da auch versunken ist, also ich meine ein paar Mal heute mit der Straßenbahn oder der U-Bahn oder der S-Bahn in Frankfurt, ja, da siehst du, die Leute sind alle beschäftigt, da hin und her zu schieben, wo sozusagen viele Individuen einzeln sozusagen absorbiert sind.
Wir sagen jetzt die Gegenidee zu sagen, okay, wir machen was und da kommen viele Leute gemeinsam zusammen, zum Beispiel welche, die Theater spielen und welche, die sich das angucken und dann ist es tatsächlich so, dass eine der besonderen Qualitäten ist, hier sind viele Zuschauer, die sich was gemeinsam angucken und auch in ihrer Reaktion sich gegenseitig einflussen. Also wenn da was super ist, dann merken das alle und finden das noch besser. Gemeinsam so etwas zu erleben und mit dieser Sprache des Theaters in Berührung zu sein, schaltet auf eine Art irgendwie diese Abgrenzung und diese Entfremdung, die unter den Menschen existiert, schaltet das ab, das ist ein echter Effekt und es ist auch nicht etwas, was wir erfunden haben.
Das Theater ist genau so, seit dem ersten Schnaufer des Menschen, sage ich immer, sein Bedürfnis über die Themen, also mit den Themen in Berührung zu kommen, die das Leben angehen, also wo geht es hin, wo komme ich eigentlich her, was ist Krieg, was ist Geburt, was ist Erwachsenwerden, was ist Aggression, was ist Liebe, also die großen Themen, die bei Shakespeare oder sonst wo auch immer wieder zu ganz bekannten Stücken geführt haben, die wir alle kennen, ist es einfach nur ein Zeichen, dass das Theater sich schon immer mit diesen Themen beschäftigt hat.
dass, sag ich mal so, die kolonialen Strukturen angefangen haben, das Theater auch zu nutzen und, sag ich mal, an die Höfe zu bringen und das erst mal so als eine Geschichte für diejenigen, die die Macht und das Geld haben, da sich gegenseitig zu beglücken, ist eine Entwicklung. Die andere Entwicklung gab es auch immer. Es gab schon immer das Theater an den Plätzen, wo es die Menschen getroffen haben, den Märkten oder da ist so ein bisschen das Freitheater zu Hause oder da ist es vielleicht mal geboren worden und was wir jetzt heute machen, wie du richtig gesagt hast, in so einer absoluten medienaffinen Welt, wo im Grunde das reale Treffen, die soziale Interaktion zwischen den Menschen nicht wirklich stattfindet und alle nur damit beschäftigt sind, an ihrem Image zu schrauben.
Die ganze Zeit wurde dahin, also so, und auch gar nicht mehr gelernt wird, das zu sehen oder zu hinterfragen, zu merken, ach, der hat sich da ja in seinem Profil als so einen krassen Crack dargestellt, aber was ist denn das für ein unsicherer Charakter oder was steckt da eigentlich für ein Mensch dahinter? Und dann lernst du den Menschen überhaupt erst mal kennen, aber auch diese Fähigkeit, ja, also auf der emotionalen und auf der intuitiven Ebene zu verstehen und sich gegenseitig zu sehen. Es geht gerade irgendwie verloren und Theater macht genau das. Das ist ein ganz einmaliger Moment, der da passiert, wenn welche spielen und die anderen zuschauen.
Das ist auch nicht nur, ich mache was und du sitzt da und konsumierst. Nein, das ist ja auch, wir nennen das Festival ja mittlerweile nicht mehr Theater für alle, sondern Theater mit allen. Das sind ja auch Formate, in denen du das Publikum mit mehr einbeziehen kannst.
Da wird ja auch dran geforscht. All together kann ich sagen, was fehlt in unserer Gesellschaft und da entsteht was, das wird nie irgendwie übertragen werden, ob wireless oder durch ein Kabel oder aufgenommen auf einen Datenträger. Das passiert in diesem Moment und überträgt sich auch nur da.
Ich nenne das, diese Welle, die uns da verbindet, in dem Moment ist es eine, ich nenne es die Herzkommunikation. Und die ist auch ganz, wir arbeiten ja nicht so viel mit Sprechtheater. Bei Theater stellen sich ja viele oft Sprechtheater vor.
Nein, das Theater ist, das Sprechtheater ist halt auch dieses Intellektuelle, Rationale. Die eigentliche Sprache zwischen Menschen ist die Kabersprache. Selbst wenn wir uns jetzt hier unterhalten, ist der größte Prozentzahl unseres Verständnisses läuft über die wahre Begegnung oder über das Fühlen, das Reinfühlen.
Ich glaube, es sind bis zu 70 Prozent, sagt man, in einem wirklich, und das ist zum Beispiel in einem virtuellen Gespräch gleich völlig anders. Aber auch da, also auch da kriegt man Schwingungen mit. Aber letztendlich ist das Theater die Sprache, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Und nicht nur in unseren Beziehungen zueinander, sondern auch in den Mittelpunkt in seiner Umwelt. Also ins Verhältnis mit dem Planeten, auf dem er lebt, der Geschichte und wo wir gerade sind. Und dann kommen wir zu dem Punkt natürlich mit dem fehlenden Bewusstsein für diese Umwelt.
Letztes Jahr haben wir die Sommerwerft über das Thema Bäume und Wälder gemacht, weil das ist ja auch eine Horrornachricht nach der anderen, dass da so Bundeslandgrößen in anderen Ländern gerade abbrennen. In Kanada, glaube ich, oder wo ich das gerade gehört habe. Das brennt einfach ab und das hat was mit dem Klima auch zu tun, mit der Trockenheit zu tun.
Dann fehlendes Wasser, dadurch sterben die Bäume natürlich auch. Und naja, Baum ist nie gesehen worden als tatsächlich derjenige, der uns wirklich in erster Linie die Basis gibt, also nicht nie, aber nur sehr rudimentär so gesehen worden, die Basis gibt, auf der wir leben. Also wenn wir unser Stück über die Bäume zeigen, dann sage ich immer am Anfang zu Publikum, atmet einmal tief ein.
So, das war jetzt der Sauerstoff von den Bäumen. Und wenn wir das zweite Mal einatmen, ist der Sauerstoff von den Meeren. Und das zu kapieren, dass ein Baum für so viele Sachen zuständig ist, also auch diese Mikroklimas.
Wir sitzen jetzt hier im Schatten, Situation unter Bäumen. Wenn es keine Bäume mehr gibt, dann heizt sich alles noch viel mehr auf. Und wenn Leute denken, naja, dann baue ich die Straße durch oder da baue ich jetzt eine neue Fabrik hin oder so, und dann hau den Wald weg, der da steht.
Bis ein Baum das leistet, was er erreicht hat, wenn er da schon 100 Jahre gewachsen ist, ist tatsächlich 80, 100 Jahre gehen er ins Land, bis dieser Sauerstoff oder diese Photosynthese irgendwie stattfinden kann in einem nennbaren Rahmen. Wir haben uns halt damit beschäftigt. Im letzten Jahr ist daraus ein Stück entstanden.
Und auch fand ich ein sehr interessantes Sommerwerf, die viele Produktionen zu dem Thema aus ganz Europa da hingeholt haben und die da aufgeführt sind. Dieses Jahr haben wir gedacht, 25 Jahre Sommerwerf, das ist schon eine Marke. Also, dass wir da mal klein angefangen haben und mittlerweile an so einem Punkt angelangt sind, wie wir sagen, so circa bis zu 120.000 Menschen, die da hinkommen, wenn die Wetterverhältnisse gut sind und alles stimmt.
Das ist schon erstmal eine der größten Veranstaltungen in Frankfurt oder auch in Hessen oder auch in BRD-weit, weil ja viele Festival werden ja gerade eher eingestampft. Und wir haben mit diesem kollektiven Konzept, was ja eben gerade auch nochmal erklärt wurde, mit unseren VolontärInnen und damit, dass wir von vornherein das auch als eine kollektive Erfahrung öffnen für andere Menschen, für jüngere Menschen, zu einem Event gemacht, der sich trägt und nicht gibt mir Geld und dann mache ich was. Die Sommerwerft ist nicht entstanden, weil das Kulturdezernat gekommen ist und gesagt hat, ihr könntet doch mal jetzt hier in Frankfurt so ein Festival machen.
Und durch dieses Festival, also die Sommerwerft ist das erste Festival, was 2002 das erste Mal entstanden, ist wieder nach so einer Phase von zehn Jahren gar nicht mehr so viel in Frankfurt in der Richtung. Und jetzt gibt es ja mittlerweile auch andere Festivals, die das so mit aufgenommen haben und die an verschiedenen Ecken auch entstehen in der Stadt. Also ich bin der Meinung, dass diese Festivals tatsächlich darstellende Kunst und performative Kultur wieder unter die Menschen bringt.
Und wenn es halt eben nicht um Fußball geht oder um Zuckerwatte und Karussell, sondern man sich auch Gedanken macht beim Kuratieren, also was für Themen wollen wir bearbeiten auf dem Festival oder was für Themen bringen wir die Leute zusammen, dann wird es halt auch kein Konsumfest, wo es die Leute zu saufen oder nicht in Verbindung kommen mit dem Sinn oder mit der Vision, die auch dahinter steckt. Und das ist mit der Sommerwerft uns, glaube ich, gut gelungen. Und nur dadurch, dass wir uns immer wieder mit allen MacherInnen, die da was mit zu tun haben, die es halt interessiert, die weiterhin auch motiviert sind.
Jedes Jahr neue Entscheidungen, so muss man das auch sehen. Also wir haben schon wieder da und es gibt kein Geld und da war es knapp und hier war es schwierig. Machen wir es nochmal.
Dann sitzen 40 Leute im Kreis und gucken sich an und sagen dann ja, komm. Und dann gibt es irgendwann den Point of No Return. Da kannst du auch nicht mehr zurück.
Da hast du schon so viele Freunde eingeladen und so viele befreundete TechnikerInnen. Also wir haben einen riesen technischen Staff. Vier Soundtechniker, genauso viel Licht- und Bühnentechniker, die wir zusammen kramen aus unserer Community, die ja nicht nur in Frankfurt ist, sondern die sich in ganz Deutschland.
Weil wir touren ja, mit Antagon touren wir und kommen dadurch in Berührung. Auch vor allen Dingen mit interessanten Produktionen auf anderen Festivals. Und auch nicht nur in Europa, sondern auch in Südamerika.
Und dann lernen wir da Gruppen kennen und dann wollen die uns auch kennenlernen. Also das heißt, es geht vor allen Dingen darum, hier auch nicht kommen, aufbauen, schlafen, gehen. Wir sind sehr daran interessiert, dass hier diese Vernetzung stattfindet, dass wir auch inhaltlich in Berührung sind miteinander und herausfinden, welche Themen bewegen euch, wo seid ihr gerade, wie schafft ihr das unter den Bedingungen zu überleben, was für Anträge sind gerade möglich, wo kann man sich noch weiter irgendwie die Basis schaffen, um sowas hier alles zu machen.
Weil die Gelder hier, die kommen jetzt nicht von der Stadt nur. Ich meine, wir haben schon das Glück, dass wir eine Stadt haben, die uns schon unterstützt. Auch immer natürlich manchmal ein bisschen zu stiefmütterlich, so würde ich sagen.
Aber trotzdem, die sind dran. Die stärken uns den Rücken und die überschütten uns jetzt nicht mit Geldern. Wenn man sich halt so andere Geschichten anguckt, die hier dann tatsächlich von oben runter dekliniert wurden, wie zum Beispiel Politik im freien Theater, Theater der Welt oder was jetzt gerade läuft, World Design Capital, wo dann so 17 Millionen verbrannt werden und in irgendwelchen Taschen von irgendwelchen Designern und Artists, Direktoren und Assistenten, ich glaube 70 Prozent ungefähr der Gelder geht in die Organisation und die Räumlichkeiten und Struktur.
17 Millionen, da könnte Frankfurt brennen. Wenn wir das hätten, das Geld, wenn in der freien Szene damit gearbeitet wird und halt nicht so ein Wasserkopf, so ein teurer Wasserkopf. Wir zeigen seit 25 Jahren, dass es völlig anders geht, dass wir mit einem Bruchteil solcher Gelder ein Festival an den Start kriegen, was wirklich die Menschen anspricht und den Menschen das Gefühl gibt, wow, jetzt passiert gerade mal was anderes in Frankfurt, was sich unterscheidet von dieser Ästhetik und der Atmosphäre, die damit zusammenhängt.
Aluminiumglas und Sicherheitszaun und Beton und alles sauber, sondern eher bunt, bisschen Unordnung, bisschen frech, bisschen Risiko auch mit drin und das spricht die Menschen sehr an. Also auch die Bügelfalten, sag ich mal, auch die Menschen, die dann runterkommen von der Europäischen Zentralbank, die Krawatte wegstecken und dann sich das Treiben vom Weinstand aus angucken und wo dann, ach, dann sehe ich halt so Leute, die ich in Frankfurt auch noch nie gesehen habe, wirklich also so, die von oben bis unten tätowiert und gepierst, die da durchlaufen und offensichtlich so das beste Outfit rausgeholt haben dafür und das einfach auch genießen, die Blicke und so Boheme. Es ist so ein bisschen Boheme, ist so ein bisschen Kiez, ist so ein bisschen, ach, du triffst auch Freunde und Nachbarn und gibt eine Ecke, wo auch die Familien sich wohlfühlen und Programme, wo Menschen angesprochen werden, die aus anderen Kulturen hierher kommen.
Ein Programm indischer Tanz zum Beispiel, hier unsere indische Community Brasilien, da hat uns sogar das brasilianische Konsulat letztes Jahr ziemlich gut unterstützt. Gruppe aus Brasilien wird jedes, dieses Jahr auch kommen. Also so, wir sprechen damit auch unterschiedliche Communities an, die es hier in Frankfurt gibt, die dann auch kommen.
Ja, die Oma sitzt neben dem Panker und die Kopftuchfrau sitzt auch da mit allen anderen zusammen und man hätte so das Gefühl, ach, warum geht es eigentlich nicht immer so? Es könnte doch auch so im Zusammenleben, man versteht dann nicht diese sehr hasserfüllten Diskussionen, die zum Teil auch geführt werden in der Abgrenzung zur Andersartigkeit von Menschen, die hier irgendwann mal in Deutschland gekommen sind. Ich meine, die Geschichte kennen wir ja und das sind aber Menschen, die hier mit uns zusammen leben. Ich finde es eine große Bereicherung und es geht einfach nur darum, das mal zu entdecken, was da für Möglichkeiten eigentlich liegen in der Diversität, in dieser Unterschiedlichkeit.
Und Kultur ist das beste Sprachrohr. Du sitzt da und fühlst mit deinem Nebenmann, Nebenfrau irgendwie was, ja, wirst halt berührt von diesen Themen, nicht angesprochen, von dem Leben. Und auf einmal fühlst du dich als Mensch und nicht als Position, nicht als, ach, ich bin unzufrieden, ich finde es hier alles scheiße, wie es läuft.
Wer ist dran schuld? Das ist so ein deutsches Phänomen für mich. Die Juden sind dran schuld, die Ausländer sind dran schuld, es muss immer einer dran schuld sein, dass es mir nicht gut geht. Aber was kannst du selbst da dran machen? Du kannst zum Beispiel ein Festival auf den Weg bringen, wo Menschen zusammenkommen.
Das ist dann so eine proaktive Geschichte, wo du nach vorne gehst und sagst, na gut, dann machen wir es einfach mal an den Punkten, die uns nicht so gefallen. Also so die leergefegten Plätze und alles nur Konsum und überall nur Geschäfte und so. Man könnte die Stadt auch anders beleben und das wäre auch so Zukunftsmusik für die Sommerwerft.
Also die Frage der Relevanz, das hast du ja eben schon ein paar Mal angerissen, also dass da was passiert, was aktuell auch die Menschen beschäftigt. Und wie ich das verstehe, entwickelt ihr ja auch die Stücke gemeinsam, testet die auch, das heißt, dass sich so ein komplettes Stück mit einzelnen Szenen vielleicht auch verändert, weil manche Sachen kommen gut an, manche kommen nicht so gut an. Und so Theaterstücke sind erst im zweiten Jahr.
Irgendwie, wenn wir die einmal angefangen haben zu spielen und sie dann in der Wiederaufnahme im nächsten Jahr so von den Reaktionen und von dem, wo wir selbst, das manchmal musst du gar nicht fragen, aber wir werden auch viel reflektiert, aber dann weißt du schon hinterher, das hat es nicht rübergebracht und das war zu langatmig und hat dem Stück nicht gut getan. Und dann bearbeitest du die Sachen, dann wird es geschliffen und dann kommt was Gutes bei raus. Bei dem Bäumestück muss ich sagen, das war eine Punktlandung, das war wirklich im ersten Jahr das Stück.
Auch da kann man natürlich, und mit jedem Mensch, der dann im nächsten Jahr hier in die Gruppe neu einsteigt und es gehen auch immer wieder Leute, verändert sich auch das Stück. Mit jedem Menschen, der auf der Bühne steht, kommt eine neue Farbe rein und geht leider auch eine Farbe, mit denen die halt gehen. Also das Ganze ist eine ganz lebendige Angelegenheit.
Besteht da aber nicht möglicherweise auch eine Gefahr, dass wenn ihr die Stücke auch auf die Wirkung hin optimiert, dass das dann auch in manche Richtung gehen kann, die man vielleicht gar nicht so richtig gerne haben möchte. Also wenn wir zum Beispiel sehen, gerade in elektronischen Medien, wo unter Umständen die spektakulären Videos oder die noch krasseren Aktionen mehr Klicks versprechen und dann auch mehr Leute denken, sowas machen zu müssen, bloß um noch mehr Aufmerksamkeit zu generieren. Das ist ja dann auch eine Mechanik, die unter Umständen... Natürlich ist das die Falle, dass das Spektakulum hochgedreht wird und dass man sich halt... Also es geht halt nicht darum, dass wir geliebt werden vom Publikum.
Also wir sehen schon und wollen das auch, dass es konfrontativ bleibt. Bei dem Trees-Stück zum Beispiel haben wir uns sehr stark mit dieser emotionalen Verbindung zu Bäumen und ich sage mal ein Stück der Bäume über den Menschen so beschäftigt. Und was jetzt tatsächlich neu hinzugekommen ist, ist der Aktivismusbereich.
Wir haben ganz viele Bilder aus den Waldbesetzungen im Danni und Banni und über die verschiedenen Orte, wo es Besetzungen gab. Da gibt es Originalaufnahmen. Und zeigen diese Aufnahmen in Projektionen und haben auch tatsächlich fast eine Szene nachgespielt, die Festnahme einer Aktivistin, die dann vor dem Publikum schreit irgendwie, wir kämpfen doch nicht für uns, wir kämpfen doch für alle.
Also so wo das auch rüberkommt, was hier aktuell gerade passiert, dass junge Menschen, die sich Gedanken darüber machen, wie soll ich in 40 Jahren das alles überleben, wo soll ich in 40 Jahren oder in 20 Jahren sein? Und die Herrschaften, die halt hier die Power haben, die wahrscheinlich eher so im Abspann ihres Lebens sich bewegen, die Frage stellen, macht ihr was, dass es anders wird? Und es ist klar, wir wissen, dass sich die Lobbys und die wirtschaftlichen Konzepte immer eher durchsetzen, als die Notwendigkeiten und Bedürfnisse der Menschen in Bezug auf Umwelt und auf das Zusammenleben. Ja, dann sind wir gespannt, was in den nächsten Wochen, die zweieinhalb Wochen seid ihr ja in Aktion, was da alles zu sehen sein wird. Ja, also ich bin auch sehr gespannt, wie das Publikum damit umgeht, vor allen Dingen mit dem Highlight dieses Jahres, nämlich dem Blue Lab, diese ganze, sage ich mal, wissenschaftliche und aktivistische und umweltbewusste Geschichte, die wir dem Festival so mit dem Ziel, ein Festival in der Verantwortung von Nachhaltigkeit und Umweltverantwortung quasi, und es fängt halt nicht irgendwo an, für die Ozeane zu kämpfen, wenn du da Urlaub machst am Strand, sondern es fängt auch in Frankfurt an, weil das Festival liegt am Fluss seit 25 Jahren und 80 Prozent des Mülls in den Ozeanen kommen durch die Flüsse.
Da dachten wir, dann fangen wir doch mal in Frankfurt an. Also, die Sommerwerft in diesem Jahr, 24. Juli bis 9. August.
Wir unterhalten uns nochmal mit Barbara und schauen uns das Programm näher an. Was gibt es für Highlights, was findet statt, wie ist es mit der Musik, wie ist es mit Aufführungen? Also, Sommerwerft an der Weseler Werft. Also, wir haben auf jeden Fall auf dem Festivalgelände viel vor.
Normalerweise fängt wir schon an am Wochenende, jetzt Freitag, Samstag, Sonntag, ab 15 Uhr. Und dann gibt es schon auf jeden Fall Gastro. Also, wir haben unsere Essensstände da bereit für alle, die da sein können, und können einfach genießen, was wir vorbereitet haben.
Das ist alles von uns selbst hier im Verein produziert. Das heißt, wir arbeiten nicht mit den Trittern oder mit anderen Firmen, wir machen selber Salat. Es gibt auch auf Porto Brasil, brasilianisches Essen.
Es gibt auch Burgers aus Mexiko, also von daher auch internationale Gerichte sind zu erwarten. Und dann am Freitag schon nachmittags gibt es Kinderprogramm, immer ab 16 Uhr. Kinderprogramm heißt auch Kindertheaterstück, aber auch Kinderworkshops und eine Kinderbereich, so eine Art und Weise von Playground, die wir vorbereitet haben für die ganze Familie.
Und natürlich gegenüber Abend haben wir eher so mehr Workshops, ab normalerweise 18 Uhr bis 20 Uhr. Und dann kann man tanzen, Theater machen, Theater spielen. Es gibt auch Graffiti-Workshops, es gibt was zu basteln zusammen.
Die Workshops sind normalerweise offen für alle Menschen. Vorher gibt es wichtig, ein paar Infos zu checken, ob die Workshops Anmeldung brauchen. Und dann muss die Zuschauer wirklich nochmal durch die Workshopsprogramm gehen, schauen, wie viel Kapazität hat diese Workshop, kann ich einfach einsteigen oder nicht, oder muss ich mich vorher melden.
Und natürlich ab 21 Uhr haben wir normalerweise Theaterbühne an. Das heißt Musik, aber auch Theater und Performance. Wir haben die Night of Dance immer montags auf der Theaterbühne.
Und haben wir auch Theaterplatz. Das ist eher so ein Festivalgelände, ein Ort, wo wir Theater, große Outdoor-Shows veranstalten wollen. Und natürlich spielen wir jedes Jahr Antagon Theateraktion mit drei Stück.
Wir haben geplant Ashes, Diaspora und Trees. Und wir haben auch unterschiedliche internationale Gäste eingeladen. Es gibt Theaterstücke aus Italien, aus Frankreich, aus Spanien.
Und wir haben auch außerdem, wie immer, die Bedouin-Zelt immer an. Ab 17 Uhr gibt es Musikprogramm, Singer-Songwriter. Und am Dienstag haben wir Poets' Slam auf Theaterbühne.
Von daher gibt es jede Menge, jeden Tag, fast ab 17 Uhr Programm, kostenlos. Das heißt gegen Spende, man kann einfach vorbeikommen und was geben für die Veranstalter, also für Protagon. Und ja, außerdem kann man auch dazu was essen und trinken.
Du sagtest eben Poets' Slam, das heißt, da kann man dann auch selber mitmachen und sich auf die Bühne stellen und Sachen präsentieren? Ich denke leider nicht, weil es gab davor eine Open Call. Und da haben sie schon organisiert, wer mitmachen kann. Wir arbeiten normalerweise mit der Kuration, mit Open Calls.
Und das ist auch für Sonntag, ich habe vergessen zu sagen, Sonntag haben wir unsere Flow Market. Und da haben wir auch eine Open Call gemacht, weil ich stelle dir vor, ich habe selbst für Night of Dance über 50 Bewerbungen. Das ist nicht einfach, von daher zu organisieren, alles zu planen.
Da müssen wir vorher die Informationen bekommen und es gibt Programme, die tatsächlich seit 2-3 Monaten in der Organisationskette stehen. Aber wir haben normalerweise im Kulturfreiraum am Sonntag, am letzten Festivaltag, 9. August, so ein Open Stage. Wo unser Publikum einfach kommen kann und das Mic in die Hand zu nehmen und etwas dazu zu sagen, zum Thema Wasser oder zum Thema Ozean zum Beispiel.
Das ist jetzt ein Thema, das ich spontan nicht machen kann. Ihr habt ein Programm, da gibt es auch eine Webseite, wo man das nochmal genau nachlesen kann? Genau, sommerwerft.de und natürlich auf unseren Social Media steht ganz viel Infos dazu. Programmeänderungen, manchmal kommen, manchmal nicht, also wegen der Uhrzeit oder weil es regnet.
Also in den letzten 25 Jahren, wir haben wirklich sehr, sehr wenige Veranstaltungen abgesagt. Aber auf unserem Infopoint steht immer die letzte Update, die wir kommunizieren müssen. Aber normalerweise, wie gesagt, von Freitag bis Sonntag, immer ab 15 Uhr von Montag bis Donnerstag, immer ab 17 Uhr.
Weseler Werft Frankfurt, komm mal vorbei. Das wird die Sommerwerft in diesem Jahr. Vom 24.
Juli bis 9. August an der Weseler Werft, das ist auf der nördlichen Mainseite, in der Nähe der Europäischen Zentralbank. Wir haben auf unserer Webseite politopia-magazin.de auch nochmal Links versammelt. Da könnt ihr nochmal genauer nachgucken, da kommt ihr auf die Webseite von der Sommerwerft.
Da könnt ihr das Programm finden und könnt euch zu dem Thema nochmal ein bisschen schlau machen. Auf unserer Webseite findet ihr auch alle anderen Sendungen, die wir bisher gesendet haben. Wir freuen uns, dass ihr dabei wart.
Wir freuen uns, dass ihr zugehört habt. Wir hören uns jeden Mittwoch, 16 Uhr bei Radio X. Bis nächste Woche.
