Supplements und Social Media

Vermarktung von Nahrungsergänzungsmitteln in den sozialen Medien
Sendung vom 2026/04/01 17:00:00 GMT+2
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Der Vortrag von Christoph Wiedmer Supplements und Social Media - wenn der Online-Hype zur realen Gesundheitsgefahr wird beim 39C3.

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Hier ist das politopia-magazin, euer gesellschaftspolitisches Magazin bei Radio X, dem Frankfurter Bürgerradio. Schön, dass ihr dabei seid, schön, dass ihr zuhört. Wir haben euch heute einen Vortrag mitgebracht zum Thema Nahrungsergänzungsmittel.

Den hat der Christoph Wiedmer gehalten beim 39c3, also beim Karls-Communication-Kongress, mit dem Titel Supplements und Social Media. Wenn der Online-Hype zur realen Gesundheitsgefahr wird. Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel, das sind keine Arzneimittel, aber sie sind trotzdem geregelt, das heißt es gibt rechtliche Vorgaben, wie die aussehen sollen, was da drin sein darf, was da nicht drin sein darf, wie das mit Konzentration ist, wer die wie unter welchen Bedingungen verkaufen kann.

Nahrungsergänzungsmittel sind dafür gedacht, dass man eine Ernährung umfassend und ausgewogen gestalten kann. Der Christoph Wiedmer hat diese verschiedenen Aspekte beleuchtet und wir hören jetzt seinen Vortrag, Supplements und Social Media. Ja, vielen Dank für die nette Einführung und vielen Dank auch an den Sponsor des Vortrags, Holy Energy.

Hui, das gibt Stimmung. Aber Hand aufs Herz, ich werde eigentlich gar nicht wirklich von Holy Energy gesponsert, ich habe einfach nur vier Euro für einen blöden Witz ausgegeben. Es gibt aber mittlerweile etliche Influencer, die machen das tatsächlich.

Also die machen Werbung, gesponsert von Holy Energy. Und dann gibt es wieder andere Influencer, die machen dann eben nicht Werbung für Holy Energy, sondern für More Nutrition oder ESN, zwei Marken, die übrigens zur selben Firma gehören, oder ganz viele andere Supplementhersteller und die werden alle von Influencern beworben. Einige Influencer sind dann sogar noch einen Schritt weitergegangen.

Die bewerben überhaupt nicht mehr Produkte von irgendwelchen Unternehmen, sondern die sind selbst zum Nahrungsergänzungsmittelunternehmer geworden und haben eigene Produkte auf den Markt gebracht. Zum Beispiel die beiden hier, also die sehen echt nicht so aus, so ähnlich. Ich habe die mal aus urheberrechtlichen Gründen von einer KI nachzeichnen lassen.

Liebscher und Bracht, die machen auf YouTube so eine Art DIY Physiotherapie. Das heißt, die zeigen eben Übungen, die man bei bestimmten Beschwerden machen kann und die dann eventuell helfen sollen. Und wenn die nicht helfen, damit erreichen sie immerhin mal so um die 2,2 Millionen Abonnenten.

Wenn diese Übungen nicht helfen, dann gibt es eben auch noch einen schönen Onlineshop, auf der die beiden eine Reihe an Produkten anbieten. Das fängt von der Faszienrolle und Gymnastikmatte an, geht dann aber auch in den Bereich Nahrungsergänzungsmittel. Da bieten sie zum Beispiel so eine Dreierkombi Atro Premium Vitalstoff für die Zwei-Monats-Packung für schlappe 120 Euro an.

Und da steckt ja eigentlich im Produktnamen schon Arthrose zumindest zum Teil mit drin. Hier werden also Menschen mit einem gewissen Leidensdruck angesprochen, die dann offensichtlich mit diesem Präparat zumindest mal eine Besserung erfahren sollen. Und wer jetzt keine Vorerkrankung hat, naja, für den gibt es vielleicht noch so ein All-in-One-Basispulver.

Alles, was man braucht für knappe 100 Euro, auch hier die Zwei-Monats-Packung. Und jetzt könnte man natürlich sagen, okay, das sind jetzt Leute aus dem Bereich Gesundheit schrägstrich Wohlbefinden. Da hat dann so ein Nahrungsergänzungsmittel-Thema vielleicht noch irgendwie ansatzweise was damit zu tun.

Aber wir haben auf Social Media mittlerweile eine regelrechte Omnipräsenz dieser Produktgruppe. Zum Beispiel auch bei dieser netten Dame hier. Auch hier eine KI-Darstellung von ihr, Kikis Kitchen.

Wie der Name auch schon nahelegt von ihrem YouTube-Kanal, macht die vor allem Koch-Content. Also sie macht dann irgendwelche lustigen Kuchen und zeigt, wie man diese zubereitet. Oder auch beispielsweise Dubai-Schokoladen-Varianten von bekannten Gerichten.

Also auf den ersten Blick jetzt gar nichts, was so wahnsinnig viel mit Gesundheit zu tun hat. Auch sie betreibt einen Online-Shop. Und in diesem Online-Shop verkauft sie neben diversem Koch-Zubehör dann eben auch Nahrungsergänzungsmittel.

Zum Beispiel Kurkuma-Extraktkapseln oder Omega-3-Kapseln, jeweils für 21 Euro die zwei Monatspackung. Oder Schwarzkümmelölkapseln für 33,50 Euro, auch hier die zwei Monatspackung. Und jetzt könnte ich natürlich stundenlang so weitermachen.

Ich könnte mir einzelne Influencer und deren Produkte anschauen. Ich könnte mich über alberne Werbung lustig machen. Aber Hand aufs Herz, das wird relativ schnell, relativ langweilig.

Und es bringt uns inhaltlich vor allem auch nicht wirklich voran. Denn ich bin der Meinung, dass diese Influencer nicht das Problem an sich, sondern nur ein Symptom dieses Problems sind. Was ist das eigentliche Problem? Das eigentliche Problem ist, dass zwei Dinge, die für sich genommen schon problematisch sind, die Nahrungsergänzungsmittel auf der einen Seite und die sozialen Medien mit ihren Algorithmen auf der anderen Seite, hier aufeinandertreffen und das zu einer ganz kritischen Kombination wird.

Und was macht jetzt die Nahrungsergänzungsmittel so besonders? Ich meine, es gibt ja auch diverse andere Produktgruppen, beispielsweise Influencer, die ihren eigenen Eistee rausbringen, ihre eigene Fertigpizza und so weiter. Warum sind diese Produkte im Gegensatz zu den Nahrungsergänzungsmitteln nie so in die Breite gegangen? Naja, dafür müssen wir, und es tut mir leid, dass ich das auf einem Hacker-Kongress sagen muss, in die reale Welt schauen. Weil in der realen Welt finden wir dann auch die Konsequenzen, die diese Nahrungsergänzungsmittel haben.

Wenn man nämlich mal bevölkerungsrepräsentativ Menschen befragt, nehmen sie Nahrungsergänzungsmittel, dann sagen im Schnitt vier von fünf Deutschen mittlerweile ja. Und wenn man dann auch noch das Social-Media-Nutzungsverhalten erfasst und danach differenziert, ergibt sich ein ganz interessanter Effekt. Diejenigen, die keine sozialen Medien nutzen, da haben wir 73,8 Prozent, die Nahrungsergänzungsmittel nehmen.

Und bei den Social-Media-Nutzern ist es so, dass 80 Prozent Nahrungsergänzungsmittel nehmen. Dieser Unterschied ist klein, aber dennoch statistisch signifikant. Also was man in den sozialen Medien sieht, hat ganz offensichtlich auch Auswirkungen auf die reale Welt.

Und was sind jetzt eigentlich diese Nahrungsergänzungsmittel? Naja, diese Frage lässt sich relativ leicht beantworten. Das ist nämlich in der Nahrungsergänzungsmittelverordnung rechtlich definiert. Demnach sind Nahrungsergänzungsmittel Lebensmittel, die sich durch besondere Merkmale auszeichnen.

Bevor wir in die Merkmale reinschauen, lasst uns ganz kurz noch bei diesem ersten Halbsatz bleiben. Denn da steckt schon eine ganz interessante Feststellung drin. Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel.

Das heißt, bei dieser Produktgruppe handelt es sich nicht um Arzneimittel oder um den kleinen Bruder des Arzneimittels, der irgendwie zwar wirkt, aber keine Nebenwirkungen hat, sondern wir haben hier stinknormale Lebensmittel. Also eine Produktgruppe, die genauso reguliert ist wie ein Müsli-Riegel, ein Apfel oder eine Scheibe Wurst. Sonst nichts.

Also normale Lebensmittel, die sich aber von anderen Lebensmitteln in drei Punkten unterscheiden. Zunächst mal ist diese Produktgruppe dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung zu ergänzen. Das bedeutet beispielsweise konkret, dass ein Veganer, der aus Gewissensgründen tierische Lebensmittel ablehnt, dadurch natürlich kein Vitamin B12 aufnimmt.

Diesen Mangel in seiner Ernährung kann er durch die Einnahme von einem Vitamin B12 Nahrungsergänzungsmittel ausgleichen. Das ist Sinn und Zweck dieser Produktgruppe. Sinn und Zweck der Produktgruppe ist damit nicht, dass man irgendwelche Krankheiten heilt, seine eigene Leistungsfähigkeit optimiert oder auch beispielsweise einen klinisch relevanten Vitaminmangel kuriert.

Dafür gibt es entsprechende Arzneimittel. Sondern es geht hier einzig und allein um die Ergänzung der Ernährung. Dazu kommt auch, dass bei den Nahrungsergänzungsmitteln es sich immer um ein Konzentrat von Vitalstoffen, Nährstoffen oder sonstigen Stoffen handelt und diese in einer kleinen dosierten Darreichungsform zur Aufnahme in abgemessenen kleinen Mengen in den Verkehr gebracht werden.

Das geht so ein bisschen Hand in Hand. Nahrungsergänzungsmittel zeichnen sich also durch eine kleine, typischerweise pharmazeutische Darreichungsform aus, also Pillen, Kapseln, Tabletten, Brausetabletten, die dann eben auf einem kleinen Volumen eine sehr hohe Konzentration an Nährstoffen oder sonstigen Stoffen enthalten. Nährstoffe in diesem Kontext sind Mikronährstoffe, also Vitamine oder Mineralstoffe, keine Makronährstoffe wie Proteine, Kohlenhydrate oder Fette.

Und die sonstigen Stoffe? Naja, das ist rechtlich tatsächlich nicht definiert. Es muss eben irgendeine physiologische Wirkung haben. Man geht hier von einer ernährungsphysiologischen Wirkung aus, aber man kann da so ziemlich alles drunter fassen, was man drunter fassen möchte.

Also ob das irgendwelche exotischen Pflanzenextrakte, Aminosäuren oder sonst irgendwas ist, das ist relativ unbestimmt, dieser Begriff. Und das sorgt dann eben auch schon für die erste große Schwierigkeit in dieser Produktgruppe. Es ist nämlich kaum reguliert, was konkret in so ein Nahrungsergänzungsmittel rein darf.

Es gibt ein paar Verbote, die sich aus anderen Quellen ergeben, beispielsweise über die Novel-Food-Verordnung sind bestimmte Sachen verboten oder auch über die sogenannte Anreicherungsverordnung gibt es bestimmte Pflanzen, die grundsätzlich nicht in einem Nahrungsergänzungsmittel verwendet werden dürfen. Ansonsten gilt, alles, was nicht explizit verboten ist, darf rein. Und das sorgt dann eben auch beispielsweise zu verschiedenen Problemen.

Jetzt hatte ich aber auch schon die Arzneimittel angesprochen und gesagt, die Nahrungsergänzungsmittel sind eine andere Produktgruppe, die haben damit nichts zu tun. Aber es gibt eben durchaus auch Fälle, wo man denselben Stoff als Nahrungsergänzungsmittel und als Arzneimittel kaufen kann. Zum Beispiel solche lustigen Kapseln mit Vitamin D. Da ist dann deklariert 100 Mikrogramm Vitamin D. Wenn euch internationale Einheiten lieber sind, das sind 4000 internationale Einheiten.

Diese selben Kapseln könnte man jetzt als Nahrungsergänzungsmittel und als Arzneimittel verkaufen. Was ist denn dann der Unterschied? Naja, auf den Produkten steht zwar 100 Mikrogramm drauf, aber das wird man nie auf 100,000 Mikrogramm genau treffen. Denn man hat ja durch die maschinelle Herstellung immer gewisse Fehlertoleranzen und auch der Stoff selbst baut sich im Laufe der Zeit ab.

Deshalb gibt es für Arzneimittel entsprechende Toleranzen zwischen dem deklarierten Wirkstoffgehalt und dem tatsächlichen Wirkstoffgehalt. Das heißt hier konkret bei den 100 Mikrogramm Vitamin D deklariert, dürfen in einem Arzneimittel zwischen 95 und 105 Mikrogramm Vitamin D vorhanden sein. Im Lebensmittelbereich gibt es solche Toleranzen auch.

Aber wir haben natürlich durch üblicherweise natürliche Rohstoffe eine viel größere Spannbreite an unterschiedlichen Gehalten. Also konkret hat ein Apfel ja beispielsweise einen völlig anderen Vitamingehalt schon allein dadurch, ob er an der einen Seite oder an der anderen Seite von einem Baum gewachsen ist oder vielleicht auch am Baum nebenan, das wirkt sich ja alles auf die Zusammensetzung aus. Und jetzt hat man eben diese Vitamintoleranzen, die es im Lebensmittelbereich gibt, auch für die Nahrungsergänzungsmittel übernommen.

Das macht aus wissenschaftlicher Sicht überhaupt keinen Sinn, denn die Nahrungsergänzungsmittel werden ja mit genau der gleichen pharmazeutischen Technologie hergestellt wie auch die Arzneimittel, führt aber im Ergebnis dazu, dass bei einem Nahrungsergänzungsmittel mit 100 Mikrogramm pro Kapsel Vitamin D deklariert zwischen 80 und 150 Mikrogramm Vitamin D enthalten sein dürfen. Das ist in internationalen Einheiten 3.200 bis 6.000 internationale Einheiten bei 4.000 deklarierten. Das heißt, wir haben hier zwischen Nahrungsergänzungsmittel und Arzneimittel schon mal deutliche Unterschiede, was die Qualität der Produkte angeht.

Und wie sieht es mit der Sicherheit aus? Im Arzneimittelbereich haben wir sehr strenge Regularien. Das fängt schon mal damit an, dass ich nicht einfach alles auf den Markt schmeißen kann, was ich möchte, sondern wenn ich ein Fertigarzneimittel in den Verkehr bringen möchte, also eine fertige Packung, die der Apotheker einfach nur noch über den Tresen reicht und keine spezielle Rezeptur, die er extra hergestellt hat, dann brauche ich dafür eine Zulassung von der EMA oder dem BfArM, also der zuständigen europäischen oder deutschen Behörde. Im Rahmen von diesem Zulassungsverfahren muss ich nachweisen, dass dieses Präparat einerseits wirksam ist und andererseits eben auch sicher ist, wobei Sicherheit in diesem Kontext bedeutet, dass es eben ein angemessenes Verhältnis zwischen Nutzen und Risiko gibt.

Das bedeutet konkret, dass beispielsweise ein Präparat für die Chemotherapie zugelassen werden kann, wenn es eben den Krebs heilen kann. Dann nimmt man eben auch Nebenwirkungen in Kauf, wie beispielsweise Übelkeit, Haarausfall usw. Würde ich jetzt beispielsweise einen Apfel nehmen und sagen, naja, da ist ein Pestizid drauf, das macht eigentlich nichts, Ihnen fallen die Haare aus, Ihnen wird schlecht, aber ansonsten ist alles gut, dann würden Sie vollkommen zu Recht sagen, weg mit dem Gift, was willst du damit? Und genauso ist es eben auch im Lebensmittelbereich.

Während wir im Arzneimittelbereich eben bereit sind, bestimmte Risiken und Nebenwirkungen zu akzeptieren, gilt das im Lebensmittelbereich nicht. Ein Lebensmittel muss von der gesamten Bevölkerung ein Leben lang verzehrt werden können, ohne dass dadurch entsprechende Gesundheitsrisiken entstehen. Im Arzneimittelbereich haben wir dann auch noch ein zweites wichtiges Instrument, denn mit der Zulassung hört die Prüfung nicht auf.

Danach folgt die sogenannte Pharmakovigilanz. Das bedeutet, dass die Risiken und Nebenwirkungen systematisch überwacht und erfasst werden. Das haben Sie beispielsweise bei der Corona-Impfung in der Presse mitbekommen.

Da haben sich nach der Impfung bei einem bestimmten Hersteller Fälle gehäuft, wo es zu sogenannten Sinusvenenthrombosen gekommen ist. Das heißt, es gab Blutgerinnsel im Gehirn, die potenziell auch lebensbedrohlich sein können. In sehr seltenen Fällen, aber nachdem man das systematisch überwacht hat, ist diese Häufung aufgefallen.

Dadurch konnte man die Patienten aufklären und ihnen sagen, also passt mal auf, wenn diese Symptome nach der Impfung auftreten, geht bitte in die nächste Notaufnahme, lasst euch durchchecken und gegebenenfalls behandeln. Also auch die Pharmakovigilanz ist ein aktiver Beitrag zur Patientensicherheit. Und dann gibt es auch noch weitere Dinge wie beispielsweise die Verschreibungspflicht.

Das heißt, bei bestimmten Wirkstoffen muss ein Arzt überprüfen, ist dieser Wirkstoff in dieser Dosierung für diesen Patienten mit dieser Krankheit überhaupt geeignet oder nicht. Ist ein anderes Präparat oder eine andere Dosierung vielleicht besser? Und nur dann bekommt man diesen Wirkstoff überhaupt erst in der Apotheke. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Es gibt beispielsweise auch noch für andere Wirkstoffe eine Apothekenpflicht. Das heißt, die Präparate können Sie nicht überall kaufen. Und es gibt teilweise eben auch ein Verbot zur Abgabe in Selbstbedienung.

Das heißt, Sie müssen vorher auch mit Fachpersonal sprechen, bevor Sie ein entsprechendes Präparat kriegen. Also wir haben hier sehr, sehr gute Regularien, die durchaus eben auch ihre Daseinsberechtigung haben. Im Arzneimittelbereich.

Welche dieser Regularien gibt es jetzt auch für Nahrungsergänzungsmittel oder zumindest Analoga dazu? Naja, keine einzige. Also für Nahrungsergänzungsmittel gibt es wenigstens noch ein Ding, was so halbwegs an den Pharma-Bereich und den dortigen Sicherheitsstandard erinnert. Das ist die sogenannte Anzeigepflicht.

Anzeigepflicht bedeutet in diesem Kontext aber nicht, Anzeige ist raus, sondern bedeutet, dass ich als Unternehmer der Behörde einfach nur Bescheid sagen muss, dass ich ab sofort ein bestimmtes Nahrungsergänzungsmittel verkaufe. Das kann ich online tun. Dieses Formular wird vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit bereitgestellt.

Sieht so aus. Und nein, ich habe meinen Bildschirm nicht komisch eingestellt und ich bin auch nicht so blöd, einen Screenshot zu machen. Die haben das Ding tatsächlich mit einer fixen Breite programmiert.

Und das sieht tatsächlich so aus. Also es wirkt wirklich, als hätten die das Anfang der 2000er, als man diese Pflicht eingeführt hat, einmal programmiert und seitdem nicht mehr angefasst. Zumindest in meinen Augen.

Und da möchte man eigentlich gar nicht wissen, wie der Prozess dahinter aussieht. Wobei, da muss ich auch schon sagen, dass der Prozess dahinter eigentlich zweitrangig ist, weil es nicht mal eine Pflicht gibt, dieses Formular zu nutzen. Ihr könnt auch einfach das Etikett nehmen, in einen Briefumschlag stecken, netten Zettel dazu, liebes BVL, hiermit zeige ich das beigefügte Nahrungsergänzungsmittel an, ab in die Post, rechtskonform.

Und das führt dann eben auch im Ergebnis dazu, dass diese Anzeigepflicht natürlich nicht mal ansatzweise mit der Pflicht zur Zulassung aus dem Arzneimittelbereich vergleichbar ist. Und die Kirsche auf der Sahne ist dann noch, dass diese Anzeigen laut Gesetz überhaupt nicht geprüft werden müssen, sondern das BVL nimmt die einfach nur entgegen, leitet die an die zuständigen Behörden in den Bundesländern weiter und dann, naja, dann sollten die halt schon irgendwie eigenverantwortlich von den Bundesländern geprüft werden. Aber wie das jetzt in der Praxis ist, das haben Journalisten mal ausprobiert.

Zum Beispiel vom SWR, die haben in drei Bundesländern ein und dasselbe Nahrungsergänzungsmittel angezeigt, was einen giftigen Stechapfel-Extrakt enthalten hat. Zumindest laut Kennzeichen, sie haben das Präparat selber nie verkauft. Aber das ist schon mal ein Punkt, wo man als Behörde hellhörig werden sollte.

Da ist eine Giftpflanze im Zutatenverzeichnis aufgeführt. Sag mal, was habt ihr da eigentlich damit gemacht? Ist das euer Ernst? Fragen kostet ja nichts. Nun, diese Anzeigen sind abgeschickt worden.

Man hat dann zwei Monate gewartet und passiert ist nichts. Also wäre im Ernstfall dieses Präparat auf dem Markt gewesen, ohne eine behördliche Intervention. Und der Witz ist ja auch in dem Moment, wo ich bei diesem Formular auf Senden klicke und mir die Seite angezeigt wird, dieses Formular wurde abgeschickt.

Das ist der Punkt, ab dem ich mein Präparat schon verkaufen kann. Also ich muss auch nicht als Unternehmen noch mal irgendwie auf eine behördliche Rückmeldung warten. Und das ZDF hat das gleiche 2020 nochmal probiert.

Die haben in Rheinland-Pfalz einfach ein CBD-Öl angezeigt. Auch die darf man offiziell nicht verkaufen. Und auch hier gab es keine Rückmeldung von der zuständigen Behörde.

Also wenn man dieses System der Anzeigepflicht als verbesserungswürdig bezeichnet, dann ist es meiner Meinung nach noch stark untertrieben. Und man könnte jetzt natürlich hoffen, dass es irgendwelche anderen Regelungen gibt, die die Lücken bei der Anzeigepflicht noch irgendwie ausgleichen. Das Problem ist aber, dass auch ansonsten die Nahrungsergänzungsmittel nur sehr, sehr lückenhaft geregelt sind.

Es gibt beispielsweise keine verbindlichen Höchstmengen für die eingesetzten Vitamine und Mineralstoffe. Das heißt, ich kann so viel von allen möglichen Stoffen da reinpacken, wie ich als Unternehmer gerade möchte. Und erst wenn mir die Behörde nachweisen kann, dieses Präparat ist aufgrund der gewählten Dosierung gesundheitsschädlich, dann kann die Behörde anfangen zu intervenieren.

Vorher geht das nicht. Und es gibt natürlich auch noch einen sehr, sehr großen Spielraum zwischen erwiesenermaßen gesundheitsschädlich und unbedenklich. Und diese Graustufen dazwischen wären natürlich auch schön, wenn man die mal rechtssicher abgedeckt hätte, weil Hand aufs Herz, das ist weder gut für die Verbraucher noch für die Lebensmittelunternehmer.

Weil in dem Moment, wo man dann als Unternehmen eine Dosierung festsetzt, steht man mit einem Bein im Knast, weil man einfach keine Rechtssicherheit hat, wie viel darf ich denn verwenden. Es gibt Orientierungswerte vom Bundesinstitut für Risikobewertung, aber auch die sind halt einfach nicht rechtsverbindlich. Und das große Problem sind dann auch hier wieder die sonstigen Stoffe.

Also es ist überhaupt nicht geregelt, welche Pflanzenextrakte ich beispielsweise in ein Nahrungsergänzungsmittel reinpacken darf und wie diese Extrakte dann zusammengesetzt sein müssen. Da gilt zum großen Teil leider immer noch wilder Westen und im Zweifelsfall muss man sich über mehrere Instanzen vor Gericht streiten. Das ist eine Situation, die alles ist, aber nicht gut für die Verbrauchersicherheit.

Was Kennzeichnung und Bewerbung angeht, haben wir immerhin klarere Regeln. Beispielsweise ist es verboten, mit der Heilung oder Linderung von Krankheiten zu werben. Jetzt haben Sie aber sicher schon mal entsprechende Werbung gesehen für Nahrungsergänzungsmittel, wo dagegen verstoßen wird.

Und auch was die gesundheitsbezogenen Angaben angeht, haben wir eigentlich sehr, sehr klare rechtliche Vorgaben. Ich darf nur gesundheitsbezogene Angaben verwenden, die zugelassen sind. Um ein solches Zulassungsverfahren zu durchlaufen, muss ich beweisen, dass diese Angaben wissenschaftlich fundiert sind.

Also an und für sich eine gute Idee. Dann kommt man also an den Punkt, dass beispielsweise die Aussage, Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei, zugelassen ist. Das heißt, damit dürfte ich beispielsweise für ein Vitamin C-haltiges Nahrungsergänzungsmittel werben.

Ich dürfte aber nicht sagen, Vitamin C stärkt euer Immunsystem so gut, ihr könnt rausgehen in die U-Bahn, die Haltegriffe ablecken und werdet nie wieder krank. Das wäre eine deutliche Überspitzung der zugelassenen Aussage, wäre nicht mehr wissenschaftlich gedeckt, wäre verboten, wird trotzdem massenhaft gemacht. Woher kommen jetzt diese Verstöße? Man könnte fast meinen, dass diese Verstöße gegen die rechtlichen Vorgaben zur Produktgruppe der Nahrungsergänzungsmittel dazugehören.

Naja, dafür müssen wir uns ein bisschen mit der Marktsituation auseinandersetzen. Das beginnt nämlich schon mit der Frage des Marktzugangs. Nahrungsergänzungsmittel sind wie gesagt Lebensmittel.

Wenn ich mich in einem anderen Bereich als Lebensmittelunternehmen selbstständig machen möchte, also beispielsweise ein Café eröffnen oder ein Restaurant, dann muss ich dafür zumindest mal kochen können, ich muss guten Kaffee machen, ich muss guten Kuchen machen können oder ich muss mir zumindest mal jemanden einstellen, der das kann. Im Nahrungsergänzungsmittelbereich ist das nicht so schwer. Im Nahrungsergänzungsmittelbereich ist es eigentlich auch so, dass man dafür sehr, sehr viel Know-how braucht.

Also einfach mal so ein paar Pülverchen zusammenschmeißen, die pressen in eine Tablette und das hält dann, ist gar nicht so trivial, wie es auf den ersten Blick klingt. Also pharmazeutische Technologie ist keine Raketenwissenschaft, aber man kommt schon relativ nahe hin. Der Trick an dieser Stelle ist jetzt aber, dass es spezialisierte Unternehmen gibt, die dieses Know-how haben und dieses Know-how auch gegen Bezahlung anderen zur Verfügung stellen.

Das sind sogenannte Lohnhersteller, bei denen man als Unternehmen, als Influencer, als was auch immer anfragen kann und sagen, pass mal auf, ich hätte gerne Tabletten mit 100 Milligramm Vitamin C pro Stück und 5 Milligramm Zink. Und sagen die, ja klar, wie viel möchtest du? Hier ist unser Angebot. Und dann kann man sich diese Tabletten von dem Lohnunternehmen herstellen lassen.

Die schicken das am besten direkt an einen Fulfillment-Dienstleister. Der Fulfillment-Dienstleister kümmert sich um die komplette Abwicklung der Logistik. Das heißt, da trudeln die Bestellungen ein.

Von dort aus werden die Bestellungen an die Kunden verschickt und das Retourenmanagement wird dort ebenfalls durchgeführt. Und im Ergebnis können Sie so, wenn Sie einen Gewerbeschein haben als Influencer, einfach Nahrungsergänzungsmittel verkaufen. Alles, was man dazu braucht, ist ein Computer mit Internetanschluss und ein bisschen Startkapital.

So einfach wird man zum Nahrungsergänzungsmittelunternehmer. Dazu kommt auch noch, dass die Rohstoffe, die dafür verwendet werden, extrem billig sind. Das kann man sich bei Vitaminen auf den ersten Blick gar nicht vorstellen.

Das sind ja so wichtige und damit wertvolle Stoffe in der Ernährung. Aber schaut einfach mal, wofür Vitamine noch verwendet werden können. Vitamin B2 beispielsweise, Riboflavin, kann als gelber Farbstoff in einem Lebensmittel eingesetzt werden.

Und den Farbstoff verwendet man üblicherweise nicht, damit die Produkte teurer werden, sondern dass man teure Zutaten einsparen kann und doch billige Zutaten ersetzt. Also wir haben hier Stoffe, die im Einkauf relativ günstig sind und wir haben keine nennenswerten Entwicklungskosten. Wenn ich ein Arzneimittel auf den Markt bringen möchte, dann muss ich wahnsinnig aufwendige Studien machen, um eben die Sicherheit und Wirksamkeit zu belegen.

Und ich muss ein Zulassungsverfahren durchlaufen. Das ist irre teuer. Und das fängt ja erst damit an und das fängt vor allem auch damit an, dass ich die Wirkstoffe zunächst mal identifizieren muss.

Also ich muss herausfinden, welcher Stoff bei einer bestimmten Krankheit überhaupt wirksam ist. Horrende Kosten, die man als Nahrungsergänzungsmittelunternehmer nicht hat. Da schreibt man einfach ein paar Zahlen auf dem Zettel, hat dann eine entsprechende Dosierung und kauft die bei seinem Lohnhersteller ein.

Und das Ganze trifft jetzt aber auf eine Verbraucherschaft, die mit diesen einzelnen Zusatzstoffen und Inhaltsstoffen überhaupt nichts anfangen kann. Also wer von euch weiß beispielsweise, was Vitamin D im Einkauf kostet oder was Vitamin B12 kostet? Niemand. Wenn ich jetzt aber beispielsweise eine Fertigpizza verkaufen würde, dann wüsstet ihr alle zumindest ungefähr, was kostet das Mehl, was kostet der Käse, was kosten die Tomaten und so weiter.

Gut, ihr kauft das Mehl im Kilo und nicht im Tonnenmaßstab üblicherweise, aber so grob über den Daumen gepeilt habt ihr eine Einschätzung dafür. Das heißt also, wenn ich für die Fertigpizza jetzt plötzlich von euch 50 Euro pro Stück haben wollen würde, ihr würdet mir sagen, Mensch, du spinnst doch wohl, behalte dein Ding für den Preis nie im Leben. Im Nahrungsergänzungsmittelbereich, wie gesagt, haben wir diesen Vergleich nicht.

Uns fehlt die entsprechende Referenz. Das bedeutet, die Präparate, die für 20 Euro verkauft werden, werden von den Unternehmen für 2 Euro eingekauft und zu den entsprechenden Mondpreisen verkauft. Weil wenn diese Präparate dann auch noch irgendwelche exotischen Pflanzenextrakte beispielsweise enthalten, woher soll man dann als Verbraucher noch eine Relation haben, was jetzt ein vernünftiger Preis dafür ist und was nicht.

Das sind also am Ende des Tages Gewinnmargen, wie man sie selbst im Drogenhandel teilweise nicht erreichen kann. Und das macht wiederum diese Produktgruppe so unglaublich attraktiv, um dort unternehmerisch tätig zu sein. Und je höher der Preis am Ende des Tages ist, den man für die Produkte verlangt, umso mehr muss man natürlich auch mit unseriösen Werbeversprechen arbeiten, damit Verbraucher bereit sind, überhaupt so tief in die Tasche zu greifen für ein entsprechendes Produkt.

Und das lässt sich am Ende des Tages auch in Zahlen fassen, wenn man sich nämlich mal die Beanstandungsquoten der amtlichen Lebensmittelüberwachung anschaut. Die werden pro Bundesland erfasst und nachdem wir heute in Hamburg sind, hätte ich mir die Hamburger Zahlen raussuchen können, dann müsste man sich dann aber gegebenenfalls streiten, wie repräsentativ jetzt so ein Stadtstaat für die gesamte Bundesrepublik ist. Deshalb habe ich eine Nummer größer genommen und habe mir einfach mal die Zahlen aus Niedersachsen herausgesucht für das Jahr 2024.

Und von den dort untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln wurden 2024 89 Prozent der Proben beanstandet, weil sie nicht den rechtlichen Vorgaben entsprochen haben. Die allermeisten waren aufgrund der Kennzeichen nicht verkehrsfähig, aber zwei Prozent waren sogar explizit gesundheitsschädlich. Ist es jetzt repräsentativ für den Markt? Nein.

Weil die amtliche Überwachung risikoorientiert beprobt, das heißt, die Produkte oder Produktgruppen oder Unternehmen, die in der Vergangenheit schon auffällig waren, werden eben häufiger und mit einer höheren Probenzahl beprobt als erfahrungsgemäß unauffällige Produkte. Das heißt, man kann nicht sagen, neun von zehn Nahrungsergänzungsmitteln schlecht, aber man kann zumindest mal innerhalb der amtlichen Proben vergleichen. Und wenn man sich alle beprobten Lebensmittel anschaut, dann kommt man auf eine Beanstandungsquote in Niedersachsen von 17 Prozent.

Das heißt, wir haben mehr als viermal so viele Beanstandungen bei den Nahrungsergänzungsmitteln und mehr als 20 mal so viele Fälle einer Gesundheitsschädlichkeit. Wir haben also ganz offensichtlich innerhalb der Lebensmittel doch ein Problem bei den Nahrungsergänzungsmitteln. Und auch wenn man sich die sozialen Medien anschaut, ist es da nicht wirklich besser.

Das hat die Lebensmittelüberwachung in Stuttgart mal gemacht, also das dortige Untersuchungsamt. Und die haben knapp 5.000 Posts von verschiedenen Lebensmittelunternehmen auf der Plattform Instagram ausgewertet, dort knapp 1.000 gesundheitsbezogene Angaben gefunden und eben geprüft, waren die rechtmäßig oder nicht. Und sie haben auch noch Stories von verschiedenen Influencern ausgewertet und dort 44 gesundheitsbezogene Angaben gefunden.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Also von den gesundheitsbezogenen Angaben waren ungefähr 39% nicht zulässig. Also ein ganz erheblicher Teil entsprach nicht den rechtlichen Vorschriften.

Und noch spannender ist, dass es zwischen dem Auftritt auf Instagram und der unternehmenseigenen Internetseite deutliche Abweichungen gab. Und zwar dahingehend, dass nur 29% von den unzulässigen Angaben sowohl in den sozialen Medien als auch auf der klassischen Firmeninternetseite zu finden waren. Also die Firmen gehen hier offensichtlich nach dem Motto vor, naja, die Sacharbeiter von der Behörde schreiben TikTok und noch mit CK, da kann ich die Sau rauslassen.

Und das sorgt dann eben dafür, dass die allermeisten Angaben, 67 Prozent, nur auf Instagram vorhanden waren und nicht auf der Unternehmensseite. Und bei den Influencern wird es ganz schlimm, da waren 90 Prozent von den verwendeten gesundheitsbezogenen Angaben rechtlich nicht zulässig und damit zu beanstanden. Also auch wenn die Behörden hier gegen solche unlautere Werbung im Internet vorgehen, es ist quasi ein Tropfen auf den heißen Stein.

Und das Problem ist, jetzt könnte man natürlich sagen, naja, wenn halt mit solchen Aussagen geworben wird, dann kaufen halt Leute nutzlose Nahrungsergänzungsmittel, werfen sich die ein, haben ein bisschen Geld verloren, was soll's. Punkt Nummer eins, es ist immer noch ärgerlich, wenn man Leuten einfach so das Geld aus der Tasche zieht mit unlauteren Werbeversprechen. Aber Punkt Nummer zwei, und das ist noch viel wichtiger, Nahrungsergänzungsmittel können unter Umständen auch der Gesundheit schaden.

Zum Beispiel kann eine Aufnahme von hochdosiertem Vitamin D über einen längeren Zeitraum zu einer sogenannten Hyperkalzämie führen, also einer Störung im Kalziumstoffwechsel, der sich in Übelkeit, Schwindel, Erbrechen äußern kann, aber auch bis hin zum Nierenversagen, Koma und Tod gehen kann in schweren Fällen von Präparaten, mit denen man eigentlich seiner Gesundheit was Gutes tun wollte. Und jetzt muss man dazu sagen, okay, Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin, vielleicht, wenn man da aufpasst bei den fettlöslichen, ist der Rest nicht ganz so schlimm. Hat der eine oder andere im Saal vielleicht auch schon mal gehört, fettlösliche aufpassen, wasserlösliche nicht so schlimm, Bullshit.

Es gibt einen Grund, warum der Satz von Paracelsus nicht heißt, all fettlösliche Dinge sind Gift, sondern all Dinge sind Gift, allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist. Hier mal ein Beispiel von einem wasserlöslichen Vitamin, Vitamin B6 hochdosiert über einen längeren Zeitraum eingenommen, macht irreversible Nervenschäden und dann hat man sein Leben lang Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Extremitäten von einem Präparat, mit dem man eigentlich seiner Gesundheit was Gutes tun wollte. Und es geht weiter, es gibt beispielsweise auch Wechselwirkungen zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln, etwa bei Glucosamin.

Glucosamin ist ein Bestandteil aus diesem Arthrosepräparat von Liebscher und Bracht beispielsweise ganz vom Anfang, ihr erinnert euch, und dieser Stoff kann jetzt wiederum wechselwirken mit sogenannten Coumarin-Anticoagulantien, umgangssprachlich auch als Blutverdünner bezeichnet und diese Kombination sorgt eben dafür, dass die Wirkung nochmal verstärkt wird. Das heißt, es kann bei Leuten, die Blutverdünner einnehmen und zusätzlich Glucosamin zu unkontrollierten Blutungen kommen, wenn man eben diese beiden Präparate miteinander kombiniert. Das heißt, Nahrungsergänzungsmittel können durchaus schwerwiegende, unerwünschte Wirkungen haben.

Ja gut, dann lassen wir halt die Vitamine und Mineralstoffe weg, bleiben wir im pflanzlichen Bereich. Ich meine, so ein paar Grünteekatechene, die können doch nicht so schlimm sein oder auch Gassinia Cambogia, das sind zwei pflanzliche Präparate, mit denen man angeblich super toll abnehmen soll, also was kann an denen schon schlecht sein? Oder vielleicht auch ein bisschen Ashwagandha, was angeblich beruhigend sein soll oder vielleicht auch der Kurkuma-Extrakt, den wir ganz am Anfang gesehen haben. Naja, diese Liste hinter mir ist nicht irgendwie die Liste der beliebtesten Pflanzenstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln, sondern das sind pflanzliche Stoffe, die erwiesenermaßen eine leberschädigende Wirkung haben oder wo die eine leberschädigende Wirkung zumindest mal diskutiert wird.

Das bedeutet, wenn man diese Präparate hochdosiert über einen längeren Zeitraum einnimmt, können sie der Leber schaden. Es kann zu schwerwiegenden Leberschäden kommen und sogar im schlimmsten Fall bis hin zu einem akuten Leberversagen reichen. Und hier zeigen sich bedenkliche Entwicklungen.

Wenn man sich mal die Quote anschaut der Fälle an akuten Leberversagen nach der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln oder Arzneimitteln, dann lag der Anteil an Fällen, die durch pflanzliche Arzneimittel verursacht wurden im Zeitraum von 1998 bis 2007 in den USA noch bei 12,4 Prozent. Vergleicht man jetzt dasselbe Symptombild im Zeitraum 2007 bis 2015, dann hat sich die Quote auf 21,1 Prozent fast verdoppelt. Andere Länder wie beispielsweise China oder allgemein asiatische Länder, wo pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel traditionell einen höheren Stellenwert haben, da sind pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel mittlerweile in dem Bereich sogar schon die Hauptursache geworden.

Und das ist insofern auch noch mal kritisch, weil sich auch die Folgen unterscheiden. Ein Leberversagen durch Arzneimittel sorgt in 66 Prozent der Fälle dafür, dass der Patient verstirbt oder zumindest auf eine Spenderleber angewiesen ist. Vergleicht man das mit pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln, hat man hier eine Quote von 83 Prozent.

Also wir haben massive Auswirkungen, die die Einnahme von solchen Präparaten potenziell haben kann. Und gleichzeitig sehen wir auf der anderen Seite, dass diese Produktgruppe so wahnsinnig schlecht reguliert ist. Was muss sich also ändern? Na ja, wissenschaftlich kann man da relativ wenig dazu sagen, deshalb ist die Folie hinter mir jetzt einfach meine persönliche Meinung.

Ich glaube, dass wir zunächst mal eine ausreichende finanzielle und personelle Ausstattung von den Behörden brauchen. Nahrungsergänzungsmittel haben in den letzten Jahren einen regelrechten Boom durchlaufen. Wir haben mittlerweile eben, wie gesagt, vier von fünf Deutschen, die Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.

Vor 20 Jahren war das noch eine Produktgruppe, die eher Nischendasein gefristet hat. Das Personal in der amtlichen Überwachung ist immer noch so ausgestattet, als wäre es nach wie vor eine Nischenproduktgruppe, die man auch nur selten kontrollieren müsste. Das muss sich definitiv ändern.

Dazu brauchen wir aber auch noch weitere Verantwortlichkeiten. Gerade die sozialen Medien sind so extrem schnelllebig geworden, dass man mit klassischen Behörden und den typischen Verwaltungsverfahren und Gerichtsprozessen, die sich teilweise über Jahre ziehen können, gegen diese Aussagen einfach nicht mehr ankommt. Also hier bräuchten wir auch mal eine Plattformverantwortlichkeit, dass man also als Nutzer Verstöße gegen beispielsweise die Vorschriften für die gesundheitsbezogenen Angaben oder das Verbot der krankheitsbezogenen Werbung melden kann und die werden dann auch von der Plattform einmal gelöscht.

Und wir brauchen Höchstmengen für die Vitamine und Mineralstoffe. Es kann doch nicht sein, dass Europa schon 2002 versprochen hat, dass die eingeführt werden und wir heute, 23 Jahre später, die immer noch nicht haben. Da muss die Politik auch einfach mal ihren Versprechen nachkommen und liefern, sowohl für den Verbraucherschutz als auch für die Rechtssicherheit von Unternehmen.

Und last but not least brauchen wir auch endlich mal eine Regelung für die pflanzlichen Stoffe. Das hat beispielsweise Tschechien schon umgesetzt. Da gibt es eine Liste.

Nur diese pflanzlichen Stoffe dürfen überhaupt in ein Nahrungsergänzungsmittel rein und andere nicht. Ich kann doch nicht irgendeinen exotischen Pflanzenextrakt nehmen, den da reinpacken und dann müssen erst mal die Behörden prüfen, ja ist das zulässig, ist das nicht zulässig. Vor allem ist das ja auch eine Prüfung, die von unser aller Steuergeld bezahlt wird und einzelne Unternehmer machen am Ende den Profit damit.

Das kann nicht sein. Und die Kirsche auf der Sahne wäre dann noch eine Zulassungspflicht, wenn man die entsprechenden Listen dafür hat, kann man darüber durchaus diskutieren. Aber über die Zulassungspflicht könnte man dann beispielsweise auch verhindern, dass eben Präparate mit eindeutig krankheitsbezogenen Namen, wie beispielsweise das Arthro-Paket, was ich Ihnen gezeigt habe, dann eben auch von Unternehmen vermarktet werden, sondern da kann die Behörde schon vorher proaktiv einen Riegel vorschieben, bevor diese Präparate überhaupt den Verbraucher erreichen.

Und dann kann man natürlich auch die Frage stellen, ja brauchen wir denn diese Produktgruppe grundsätzlich? Und dann wird es spannend, weil wenn man jetzt Influencer fragen würde, ja wie sieht das denn mit Nahrungsergänzungsmitteln aus, brauchen wir Nahrungsergänzungsmittel überhaupt? Ja, dann wird garantiert so ein Wolf, irgend so ein Wolf im Schafspelz aus seinem Loch gekrochen kommen und sagen, ja, ja, selbstverständlich brauchen wir Nahrungsergänzungsmittel. Laut der nationalen Verzehrsstudie 2 sind wir alle total unterversorgt. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, stimmt das? Und da muss ich sagen, ja, das stimmt tatsächlich.

Es gibt einzelne Vitamine und Mineralstoffe, wo wir tatsächlich Schwierigkeiten haben, die über die Ernährung aufzunehmen. Aber dafür gibt es ja auch beispielsweise so etwas wie iodiertes Speisesalz, wo auch explizit empfohlen wird, dass man das verwendet. Also grundsätzlich kann man schon sagen ja, aber und dann gibt es auch noch zwei ganz interessante Punkte, die euch solche Influencer in der Regel nicht sagen werden.

Das fängt nämlich schon mal damit an, dass die Empfehlungen von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, was die Zufuhr an Obst und Gemüse angeht, von einem sehr, sehr großen Anteil der Bevölkerung nicht erreicht werden. Das heißt also konkret, 87,4 Prozent der Befragten nehmen zu wenig Gemüse zu sich. 88,5 Prozent der Männer, 86 Prozent, 86,3 Prozent der Frauen.

Beim Obst ist es ein bisschen besser, aber noch nicht wirklich gut. Also sechs von zehn Befragten unterschreiten die Empfehlung. 65 Prozent der Männer, 64 Prozent der Frauen.

Und wenn man sich also diese Zahlen anschaut und dann eben mal den Versorgungsstand vergleicht, dann sind wir damit, wie ich finde, verhältnismäßig noch sehr, sehr gut versorgt. Also insofern kann ich jetzt auch nicht wirklich nachvollziehen, warum man unbedingt Nahrungsergänzungsmittel bräuchte, wenn man einfach ein bisschen mehr Obst und Gemüse essen kann. Wie sinnvoll ist jetzt also die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln? Da muss man ganz klar sagen, Nahrungsergänzungsmittel sind für Gesunde, die sich normal ernähren, in der Regel überflüssig.

Bei einer ausgewogenen Ernährung bekommt der Körper alle Nährstoffe, die er braucht. Und dieser Satz ist nicht von mir. Dieser Satz ist vom Bundesinstitut für Risikobewertung und auch die Stiftung Warentest hat sich schon ähnlich positioniert dahingehend.

Das heißt, Nahrungsergänzungsmittel sind in der Regel einfach nicht sinnvoll. Es gibt allerdings auch einzelne Fälle, wo die Verwendung durchaus sinnvoll sein kann. Es ist also in meinen Augen auch falsch, die Produktgruppe komplett irgendwie in so eine Ecke zu stellen, dass man die fast schon verbieten möchte oder ähnliches.

Also beispielsweise bei einer veganen Ernährung ist es eben so, dass die pflanzlichen Lebensmittel kein Vitamin B12 enthalten. Vitamin B12 ist aber ein essentieller Stoff. Irgendwo muss dieser Stoff also herkommen.

Dafür bräuchte man dann entsprechende Nahrungsergänzungsmittel. Und man weiß eben auch, dass Joghurt oder gegebenenfalls Eisen bei einer veganen Ernährung auch ein Thema sein kann. Das hängt dann eben von den individuellen Ernährungsgewohnheiten ab.

Auch bei Schwangerschaft und Kinderwunsch ist insbesondere Folsäure ein Thema. Da wird sogar von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlen, dass man ein Folsäurepräparat einnimmt und zwar nicht erst mit Beginn der Schwangerschaft, sondern schon vier Wochen vor der geplanten Empfängnis. Und auch bei Senioren kann Vitamin D ein Thema sein, insbesondere wenn es sich eben um bettlägerige Patienten handelt oder eben andere Menschen, die grundsätzlich nicht so oft ins Freie kommen.

Hier kommt eben auch noch mal mit zum Tragen. Das habe ich jetzt leicht missverständlich formuliert. Das ist natürlich insbesondere eben auf den Kontext der Senioren bezogen.

Warum? Im Gegensatz jetzt zur normalen Bevölkerung ist mit zunehmendem Alter eben auch die Eigensynthese von Vitamin D nicht mehr so gut, wie es in jüngeren Jahren ist, weil eben die Haut sich verändert und eben auch grundsätzlich die Fähigkeit der Synthese nachlässt. Bei Senioren ist es auch noch mal ein Thema. Wie sieht es mit Gesunden aus? Bei Gesunden ist es eben schlicht und ergreifend so, dass Nahrungsergänzungsmittel im besten Fall und ich meine hier eben wirklich explizit das Best-Case-Szenario einfach nicht wirken.

Sie machen teuren Urin. Das heißt, die Stoffe, die ihr oben für teuer Geld gekauft habt, kommen unten einfach genauso wieder raus, wie ihr sie oben eingeworfen habt. Best-Case-Szenario.

Im schlimmsten Fall haben wir eben Präparate, die der Gesundheit nachhaltig schaden können. Und das ist natürlich bei einer Produktgruppe, mit der man eigentlich die Gesundheit fördern möchte, immer schon ein sehr kritischer Punkt. Und das gilt natürlich insbesondere dann, wenn man in den sozialen Medien irgendwelche unseriöse Angstwerbung gehört hat und in der Folge einfach mal auf gut Glück irgendwas supplementieren möchte.

Und dieses Irgendwas muss aber nicht zwingend mit seinem tatsächlichen Bedarf einhergehen. Das heißt, diese Stoffe können dann eben potenziell eher mal gesundheitsschädlich sein, als dass sie wirklich helfen. Und dann muss man natürlich auch ganz klar sagen, dass Defizite bei der Ernährung natürlich an der Wurzel gepackt werden sollten.

Das heißt, wenn ich meine Ernährung suboptimal gestalte, wenn ich zu wenig Obst und Gemüse esse, wenn ich mich einseitig ernähre, wenn meine Ernährung nur aus Energydrinks und Fertigpizza besteht, dann werde ich dadurch keine Besserung erreichen, dass ich mir zusätzlich einfach noch mal zwei, drei Multivitamintableten reinwerfe. Warum? Auf jedem Nahrungsergänzungsmittel steht explizit drauf, dass Nahrungsergänzungsmittel kein Ersatz für eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung sind. Denn eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung bringt mehr für uns als einfach nur die Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen.

Da kommen eben beispielsweise auch noch Ballaststoffe mit, da kommen sekundäre Pflanzenstoffe mit und die ganzen Stoffe, auch in ihrer Komplexität, sind in einem Nahrungsergänzungsmittel schlicht und ergreifend nicht enthalten und deshalb eben die Probleme an der Ursache angehen, wann immer möglich. Ich meine, der Veganer wird jetzt nicht anfangen, deshalb Fleisch zu essen. Der muss dann eben zwangsläufig auf ein Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen.

Aber in anderen Fällen sollte man eben, wie gesagt, das Problem an der Wurzel angehen. Und wenn man eben Probleme mit der Gesundheit hat, wenn man sich in gewissen Bereichen nicht sicher ist und vielleicht eben auch individuelle Fragen hat, dann sollte man jedoch am besten mit dem Arzt oder der Ärztin des Vertrauens besprechen und nicht einfach auf Social Media gucken. Ja, was sagt denn dieser oder jene Influencer zu dem Thema? Das heißt, man sollte sich dann eben hier im Zweifelsfall auch mal Blut abnehmen lassen, diese Untersuchungsergebnisse abwarten und dann eben auch gezielt supplementieren in Abhängigkeit von dem Ergebnis der Laboruntersuchungen.

Ja, und was machen wir jetzt mit den Influencern auf Social Media? Naja, für die Nahrungsergänzungsmittel und wie auch für sicher viele andere Produkte, die von Influencern beworben werden, würde ich persönlich einfach mal sagen, ja, kauft doch nicht einfach jeden Scheiß, den irgendeiner im Internet euch empfehlen wird. Vielen Dank. Ja, vielen Dank für den spannenden Vortrag.

Ich hatte mich gefragt, kannst du noch mal kurz was vielleicht sagen zu diesen Nahrungsersatzmitteln? Also hier ein Milchshake 500 Kalorien ersetzt eine Mahlzeit unkompliziert. Wie sieht es damit aus? Genau, also diese Produkte sind keine Nahrungsergänzungsmittel. Das sind ganz normale Lebensmittel, also rechtlich genauso wie ein normaler Milchshake beispielsweise.

Aber die Werbeverbote sind die gleichen. Das heißt, auch hier gilt, dass ich nur mit zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben werben darf, dass ich auch beispielsweise nur, dass ich nicht krankheitsbezogen werben darf. Ansonsten hat man eben hier eine größere Menge, also nicht irgendwie so was Kleines, Dosiertes wie beim Nahrungsergänzungsmittel, sondern das sind einfach Lebensmittel des allgemeinen Verzehrs.

Erstmal danke für den Vortrag. Sehr interessant. Meine Frage wäre, wie sehen Sie denn Supplements in Hinsicht zu Bodybuilding oder Sport generell? Weil man ja sehr, sehr oft auch in der professionellen Szene sieht, dass dort oft Supplements auch genommen werden oder auch schon in der Amateurszene.

Ist es sinnvoll oder eher so ein Hoax auch zum Verkaufen? Ich würde sagen, es ist teilweise eine Mischung aus. Also in dem Moment, wo man eben wirklich über den Profisport spricht, wo es dann um Hundertstel Sekunden geht, dann kann eben vielleicht auch so eine gezielte Ergänzung von der Ernährung im Einzelfall sinnvoll sein. Ich glaube aber auf der anderen Seite auch, dass gerade so im breiten Sport Amateurbereich einfach viel verkauft wird nach dem Motto Ja, guck mal hier, das wirkt schon irgendwie, wo dann eben die Versprechen vielleicht nicht so ganz haltbar sind.

Also wenn man dann eben beispielsweise wirbt, dass man dann irgendwie mit keine Ahnung Omega-3-Fettsäuren kürzere Regenerationszeiten hat oder so. Das ist einerseits nicht zugelassen und andererseits dann auch wenig seriös. Ja, vielen Dank für den sehr interessanten Vortrag.

Mir wird die rechtliche Situation in Westeuropa, in restlichen Europa noch interessieren, in speziellen Österreich oder auch anderen Nachbarländern oder auch, ob es dort auf EU-Ebene irgendwelche Aktionen gibt. Das ist tatsächlich eins zu eins übertragbar. Also die Nahrungsergänzungsmittelverordnung basiert auf einer Richtlinie.

Das heißt, die wird von den jeweiligen Mitgliedsstaaten in nationales Recht übersetzt. Und da haben die Mitgliedsstaaten einen gewissen Gestaltungsspielraum. Das heißt, diese Anzeigepflicht gibt es nicht in jedem Mitgliedsstaat.

Frankreich hat sie beispielsweise auch. Deutschland hat sie. Ich glaube, in Österreich bin ich mir nicht sicher.

Ich bilde mir ein, in Österreich gibt es das Verfahren nicht. Aber das mit ganz großen Fragezeichen. Das Werbeverbot für die krankheitsbezogenen Aussagen und die Zulassungspflicht für die gesundheitsbezogenen Aussagen, das sind beides EU-Verordnungen, die unmittelbar überall gelten.

Also das gilt in Gesamteuropa. Danke. Jawohl, das Internet möchte gerne wissen, wenn man Nahrungsergänzungsmittel zu sich nimmt, wie man sich am besten vor minderwertigen Produkten schützen kann.

Ob es beispielsweise reicht, die in der Apotheke zu kaufen oder ob man auch da potenziell minderwertige Produkte finden könnte. Das ist eine sehr spannende Frage. Es gibt grundsätzlich keine Unterschiede zwischen Nahrungsergänzungsmitteln, die ich in der Apotheke kaufe und Nahrungsergänzungsmittel, die ich anderswo kaufe.

Der Qualitätsstandard ist überall der gleiche. Das heißt, ob ich jetzt in die Drogerie gehe oder in die Apotheke, ist vielleicht doch eine Frage, wie viel zahle ich schlussendlich für mein Produkt. Aber keine Frage, woher bekomme ich die Qualität? Weil den Qualitätsstandard, den ich dargestellt habe, also bei Vitamintoleranzen minus 80 Prozent plus minus 20 Prozent plus 50 Prozent, der gilt überall.

Das heißt, völlig egal, wo ich die Präparate kaufe, ich kriege im Prinzip immer das Gleiche. Insofern macht es auch nicht wirklich Unterschied. In dem Moment, wo ein Präparat auf dem Markt ist, muss ich mich im Zweifelsfall auf den Hersteller verlassen können oder dann eben auch auf die amtliche Lebensmittelüberwachung.

Ich habe als Verbraucher keine Möglichkeit, dass ich irgendwie so ein nettes Chemielabor zu Hause hätte, wo ich dann auch noch überprüfen kann, wie viel Vitamin D oder Vitamin C oder Zink oder was auch immer ist jetzt tatsächlich in meinen Kapseln drin. Also insofern muss man sich einfach darauf verlassen, dass das, was auf dem Produkt draufsteht, auch tatsächlich stimmt. Bessere Tipps kann ich hier an dieser Stelle leider nicht geben.

Es gibt auch nicht wirklich Punkte, wo ich sagen kann, daran erkennt man jetzt einen seriösen Hersteller oder daran erkennt man jetzt eher tendenziell einen unseriösen Hersteller. Das müsste man eigentlich wirklich individuell nachmessen. Aber nachdem es als Verbraucher nicht geht, da würde sich ja vielleicht auch die Drogenfahndung dann gerne mal interessieren, wenn man dann irgendwie anfängt, plötzlich Chemikalien nach Hause zu bestellen.

Da muss man sich einfach darauf verlassen, dass das so stimmt. Unbefriedigende Situation, aber was Besseres kann ich dazu leider auch nicht sagen. Ja, vielen Dank für den Vortrag.

Sie haben am Ende noch die Möglichkeit angesprochen, dass man sich auf einen möglichen Mangel testen lassen kann. Und jetzt ist mir kürzlich aufgefallen, dass es mittlerweile zum Beispiel für einen Vitamin D Mangel Testkits sogar im Drogeriemarkt gibt. Sind die seriös oder können Sie dazu irgendwie was sagen? Ist das so gut wie ein Test beim Arzt oder ist das Quatsch? Ich würde in so einem Kontext tendenziell den Test beim Arzt empfehlen, und zwar aus einem ganz einfachen Grund.

Wenn ein Mangel festgestellt werden würde bei einem Test, dann bräuchte man in der Regel ein recht hoch dosiertes Vitamin D Präparat und Dosierungen ab 20 Mikrogramm sind in Deutschland verschreibungspflichtig als Arzneimittel. Würde ich die als Nahrungsergänzungsmittel kaufen, dann kriege ich die bis 100 Mikrogramm immer noch einfach so, was auch schon wieder eine völlig absurde Situation darstellt. Aber das ist die aktuelle Rechtslage.

Höher dosierte Präparate kriege ich auf jeden Fall in der Regel nur als Arzneimittel. Das heißt, es ist ja dann auch nicht mit einmal testen getan, sondern man sollte das dann eben auch nochmal medizinisch überwachen, damit man eben überprüft, wenn jetzt der Mangel bestand, wird er wieder ausgeglichen und wie geht dann die Versorgung weiter? Also da ist dann eben schon ein bisschen mehr ärztliche Beratung gefordert, als ich habe einmal irgendwie Blut abgenommen. Und das ist eine Zahl dazu.

Danke, mich würde interessieren, erstens die rechtliche Lage, andererseits auch deine Meinung zu Präparaten, die jetzt nicht unbedingt einen Mangel ausgleichen, sondern ausschließlich zu Leistungssteigerungen, da sind zum Beispiel Creatin, was ja keinen Mangel haben kann. Naja, der Punkt mit dem Mangel ist ja überhaupt kein Kriterium für die Frage, was darf ich überhaupt in so ein Nahrungsergänzungsmittel reintun? Das Creatin wäre dann ein Beispiel für einen sonstigen Stoff und diese sonstigen Stoffe kann ich grundsätzlich mal in ein Nahrungsergänzungsmittel reinpacken. Ich kann eine Dosierung wählen, die ich als Unternehmer für sinnvoll halte und dann kann ich das Präparat entsprechend verkaufen.

Also das ist grundsätzlich vom Gesetzgeber auch nicht gefordert, dass diese Zusammensetzung ernährungsphysiologisch sinnvoll sein muss oder dass man auch überhaupt irgendeinen Mangel bekämpft, sondern wenn dann der Verbraucher der Meinung ist, er hätte zu wenig Creatin in seiner Ernährung, müsste dann also seine Ernährung mit Creatin ergänzen. Dann kann man als Unternehmen ein entsprechendes Präparat dafür anbieten. Das ist aktuell die Rechtslage.

Es ist natürlich dann eben auch die Frage, wie sinnvoll das Ganze ist. Und da muss ich natürlich auch sagen, dass die Studienlage zwar schon eine gewisse Steigerung der Leistung in einem speziellen Kontext auch hergibt. Aber es ist dann eben auch die Frage, wie nachhaltig ist sowas beispielsweise auch und wie sicher ist dann schlussendlich auch so eine langzeitige Einnahme von einem Creatin.

Das sind dann eben auch wieder Punkte, die man eigentlich im Rahmen von einem Zulassungsverfahren oder von entsprechenden gesetzlichen Regelungen abklären könnte. Aktuell ist es einfach so, die Behörde müsste es beweisen, dass es nicht sicher ist. Und dafür fehlen halt aktuell auch einfach die Zahlen.

Hi, danke. Ich habe zwei kurze Fragen. Die eine, du hattest gesagt, dass Lebensmittel, die im Supermarkt verkauft werden, man kann ja das ganze Leben essen und daran nicht sterben.

Wie ist das mit so Gemüse, was man abwaschen muss oder schälen oder so? Also welche Teile dessen, was verkauft wird, muss das erfüllen? Und zweite Frage, ich habe das Gefühl, es wird häufig gesagt, naja, diese Empfehlung, das ist so ein Mindestmaß, was man haben sollte. Aber eigentlich wäre viel mehr, viel besser. Wie geht man mit diesem Argument um? Zur ersten Frage ist es natürlich immer so, dass man von einem aufmerksamen, verständigen, informierten Durchschnittsverbraucher ausgeht.

Das ist, was die Rechtsprechung definiert. Das heißt jetzt also konkret, wenn du der Meinung bist, du müsstest jetzt irgendwie das Hackfleisch roh essen, so wie du es aus dem Supermarkt mitgenommen hast oder irgendwie die Kartoffeln nicht waschen und wunderst dich dann, wenn du sie roh isst. Warum ist man dann beim Kauen so komisch knirscht im Mund? Dann sind das einfach Dinge, die dann auf das individuelle persönliche Unvermögen zurückzuführen sind.

Auch wenn ich dir persönlich da jetzt natürlich nichts unterstellen möchte. Grundsätzlich ist es so, dass eben nach diesem Prinzip aufmerksamer, verständiger Durchschnittsverbraucher geprüft wird und wenn dann eben beispielsweise auch entsprechende Warnhinweise auf dem Produkt sind, also beispielsweise Hackfleisch nur durch erhitzt verzehren, dann wird das eben auch mit berücksichtigt. Also wer das dann immer noch roh essen muss, der ist dann natürlich auch nicht geschützt.

Also das ist grundsätzlich so der Maßstab, wie das Ganze geprüft wird. Zur zweiten Frage, kannst du die bitte noch mal kurz wiederholen? Mindestempfehlungen für Nahrung, also für genau. Da ist es natürlich so, dass die Wissenschaft sich hier auch immer ein Stück weiterentwickelt.

Also wenn man sich mal überlegt, wann ist man überhaupt auf die Idee gekommen, dass es Vitamine gibt? Das ist ja heutzutage Grundschulwissen. Aber das war ja nicht immer so. Also wir hatten ja auch nicht immer die Idee, dass es Elektrizität oder Atome oder sowas gibt.

Und bei den Vitaminen haben wir das relativ spät rausgefunden. Das war so erst in der ersten Hälfte vom 20. Jahrhundert.

Dementsprechend ist es natürlich auch klar, dass es immer noch weitere Entwicklungen in diesem Themenbereich gibt. Das heißt, es gibt natürlich immer wieder neue Studien, die sagen, naja, dieser Wert ist vielleicht dahingehend oder dahingehend zu interpretieren. Das sind ja weiterhin Diskussionen, die auch wichtig sind, dass man sie führt.

Nur darf man jetzt eben auch nicht jedem direkt glauben, der dann auf Social Media behauptet, ja, also da bräuchte man viel, viel mehr davon, weil diese und jene Studie hat das gesagt, sondern da muss man dann eben schlussendlich auch abwarten und ein Stück weit auch geduldig sein, wie sich die Datenlage so entwickelt. Weil gerade solche Stimmen, man braucht viel, viel mehr davon, kommen eben auch gerade in der Öffentlichkeit, vor allem eben von Leuten, die dann im selben Atemzug auch die entsprechenden Präparate dazu verkaufen wollen. Hallo, Sie haben ja gesagt, dass bei den NM´s bei der Anmeldung ja nicht viel gemacht werden muss und der Staat auch nicht viel da tut dabei.

Und bei Arzneimitteln ist es ja so, dass man sehr viel machen muss, studieren und alles testen muss. Aber das machen ja dann nicht die Behörden selbst, sondern die Firmen beauftragen ja früher andere Labors und so weiter. Hat der Staat überhaupt die Möglichkeit, das dann bei NM´s selber zu machen oder müssen dafür komplett neue Kapazitäten schaffen? Also es müssen natürlich entsprechende Kapazitäten geschaffen werden.

Nur der Punkt ist, dass die Problematik an sich ja bestehen bleibt. Also auch heutzutage muss ja geprüft werden, ist denn die Zusammensetzung von dem Nahrungsergänzungsmittel rechtskonform oder nicht? Und der Witz ist, in dem Moment, wo mir das Unternehmen gleichzeitig Studien mit vorlegt, mit denen es beweisen möchte, das ist gesundheitlich unbedenklich, dann könnte man natürlich auch viel einfacher prüfen, sind die Studien handwerklich vernünftig gemacht, passen die Ergebnisse zu der Aussage und so weiter und so fort. Wenn ich jetzt diese Studie nicht habe, dann muss eben der Sachverständige von der Behörde selbst recherchieren, gibt es denn überhaupt Studien zu diesem Wirkstoff in dieser Dosierung irgendwo schon mal durchgeführt? Ja oder nein? Und wenn nein, dann ist es eben auch schwierig zu sagen, ja, diese Dosierung ist gesundheitsschädlich.

Das heißt, solche Rechercheaufgaben werden aktuell von unser aller Steuergeld bezahlt und es wäre natürlich viel gerechter, wenn die Unternehmen diese Studien selbst durchführen und dann eben auch im Zulassungsverfahren vorlegen, bevor wir das alles selber finanzieren müssen. Das war der Vortrag von Christoph Wiedmer, Supplements und Social Media, wenn der Online-Hype zur realen Gesundheitsgefahr wird. Den hat er gehalten beim 39c3, dem Chaos Communication Congress.

Wie immer könnt ihr die komplette Sendung auch nachhören auf unserer Webseite politopiamagazin.de, könnt ihr die Sendung runterladen bzw. findet auch in den Sendungsnotizen weitere Links, da könnt ihr euch zum Thema schlau machen. Das Politopia Magazin hört ihr jeden Mittwoch 16 Uhr hier bei radio X. Wir hören uns also wieder nächste Woche.

Bis dann.