Überwachung findet statt

Beim Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs werden in Gesprächsrunden und Vorträgen aktuelle technische und gesellschaftliche Themen diskutiert. Wir stelle zwei Beiträge im Themenfeld Überwachung vor.
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Computer

Das Programm des rc3, dem online Jahrestreffen. fahrplan.events.ccc.de/rc3/2021/Fahrplan/

Alle Aufzeichnungen der Vorträge und Diskussionen. media.ccc.de/b/conferences/rc3/2021

Chinas Sozialkredit-System media.ccc.de/v/rc3-2021-chaosstudiohamburg-380-chinas-sozialkreditsystem-das-gefhrlichste-bonittssystem-der-welt

Warum personalisierte Werbung verboten werden muss media.ccc.de/v/rc3-2021-chaosstudiohamburg-378-warum-personalisierte-werbung-verboten-werden-muss

Der Verein digitalcourage verleiht auch die Big Brother Awards. digitalcourage.de

Transkription

[0:00] Hallo, hier ist das Politopia-Magazin, euer gesellschaftspolitisches Magazine bei Radio X, dem Frankfurter Lokalradio. Schön, dass ihr dabei seid. Schön, dass ihr zuhört. Das Politopia-Magazin ist wie jeden Mittwoch hier am Start und heute unterhalten wir uns ein bisschen über so über so Computerkram. Na ja, das wusste ja schon die neue deutsche Welle. Computer sind doof, aber inzwischen kommen wir um die Computer überhaupt nicht mehr rum. Die haben jeden Lebensbereich durchdrungen. Wir sind überall damit konfrontiert im Beruf, im Privaten. Computer gehen nicht mehr weg. Das heißt, die sind überall mittendrin.

[0:39] hier in Deutschland gibt es ein paar Leute, die sich dafür interessieren, wie Computer funktionieren, die ein bisschen wissen wollen, wie wie funktioniert wie klappt das alles und die haben sich mal zusammengeschlossen in einem im CCC. Das ist der Chaos-Computer-Club. Und dieser Club. möchte ein bisschen darauf gucken, was macht man denn da so mit Computern. Einen geht's ein bisschen um Erkenntnisgewinn, das heißt einfach zu verstehen, wie funktionieren Sachen, wie funktioniert Hardware, wie funktioniert Software. Das heißt auch Software verstehen, auch Fehler finden oder bessere Software schreiben und natürlich auch Hardware wie funktioniert das? Mit welchen WLAN Modulen kann man was machen? Wie kann man Computer einsetzen? Zu Hause um irgendwas zu machen oder auch im Großen. Wie kann man's aber wie funktioniert das, dass Computer insgesamt zusammen.

[1:32] Kommunizieren können. dieser CCC, der Chaos-Computer-Club, der.

[1:38] Ist relativ dezentral organisiert. Also es gibt in jeder Stadt . Wo interessiert er sich zusammentreffen, dann eben so eine lokale Gruppe, auch hier in Frankfurt gibt's da Leute, die sich da regelmäßig treffen und die machen aber auch ein Jahrestreffen. Der Chaos-Computer-Club trifft sich also einmal im Jahr. Da kommen also viele Leute zusammen. Das müsst ihr euch vorstellen, ist schon eine große Veranstaltung. Da kommen, was weiß ich, 5000 oder mehr Leute zusammen und das ist eine bunte Sache. Da gibt's Vorträge, also wo Spezialisten von irgendwelchen Dingen erzlen, die sie herausgefunden haben. Da kann man sich zusammensetzen. Und bisschen rumbasteln, also einfach auch Sachen ausprobieren und da kann man natürlich auch in einen Austausch in Kommunikationsräten und andere Leute kennenlernen wenn man auf so einem Treppen ist, da geht man irgendwo hinunter ist einer, der irgendwas bastelt und fragt, ey, was machst du da? Und da sagt er, ja klar, schau dir das mal an. Das und das bin ich gerade dabei. Funktioniert so und so.

[2:34] Ist also insofern eine.

[2:36] Veranstaltungen wo ein Austausch stattfindet, wo aber eben auch Leute hinkommen können, die jetzt gar nicht offizielle CCC-Mitglieder sind, sondern einfach Leute, die sich für das Thema interessieren. Und das Thema ist wie gesagt Computer in der Gesellschaft Computer als Werkzeugcomputer, die uns umgeben selber dran rumbasteln am Gerät, aber eben auch verstehen was unsere Gesellschaft damit macht. Deswegen gucken wir da auch ein bisschen drauf und interessieren uns dafür Jetzt ist es so, in der aktuellen Lage gibt es kein Treffen, wo die Leute physisch zusammenkommen, also sich zusammentreffen, gab's auch letztes Jahr schon nicht. normalerweise ist am Ende des Jahres, Ende Dezember ist ein regelmäßiger Termin, da treffen die sich. Haben sie jetzt Teil sozusagen die Leute vom CCC online durchgeführt. Das heißt, die Vorträge haben nach wie vor stattgefunden. Es gab auch Möglichkeiten, sich auszutauschen über Chat, Chat-Räume, eine. 2D-Repräsentation, wo man in einem Art Spiel sich sozusagen auch bewegen konnte und das Ganze ein bisschen grafisch unterstützt war. Das heißt, die einzelnen Gruppen, die vor Ort sind, haben nach wie vor die Möglichkeit, was zu machen und sich zu überlegen, ey, wir organisieren den Vortrag oder wir organisieren eine Unterhaltung und wir unterhalten uns über ein bestimmtes Thema, das uns interessiert Dieses Jahr gab's da auch wieder.

[4:05] Ein buntes Programm, also ganz viele verschiedene Aspekte. Das heißt, es geht um das werden Sachen gelötet oder zusammengeschraubt. Es geht natürlich viel ums Programmieren. Das heißt, wie kann man .

[4:18] Ja, es geht viel ums Programmieren. Da kann man eben schauen, wie kann man Programme schreiben und wie kann man die besser schreiben oder anders schreiben. Es geht auch um Hardwaresachen, ja? Wie funktioniert das mit dem Funk und WLAN und Handybenutzung? Das heißt, das sind Sachen, die direkt. Mit dem Gerät zu tun haben. Natürlich auch Softwarefragen, die die wichtig sind. Zum Beispiel Verschlüsselung Das ist die ganzen letzten Jahre ein großes Thema gewesen. Da gibt's immer neue Erkenntnisse und da muss man immer gucken, was macht man da? Wie funktioniert das? Die Frage der gesellschaftlichen Auswirkungen er nimmt auch einen ganz großen Raum in den Vorträgen ein. Das heißt, eine Diskussion darüber, was macht das eigentlich mit uns, wenn wir Computer benutzen und wenn auch große Institutionen oder eben auch Firmen oder auch Regierung, Computer benutzen, um Daten auszuwerten. Wir werden uns heute mal zwei Vorträge ein bisschen genauer anschauen und da reinschauen, worüber wird sich denn da unterhalten? Wie sieht denn das aus? Was sind die Themen?

[5:20] In dem einen Vortrag geht's um Chinas Sozial-Kreditsystem, das gefrlichste Bonitätssystem der Welt. Das heißt unterhalten sich ein paar Kollegen drüber, die auch in China waren, ein bisschen was dort zur Zeit aufgebaut wird und was das für Auswirkungen haben kann und auch eventuell für uns Auswirkungen hat. Und der zweite Vortrag, in den wir reinschauen warum personalisierte Werbung verboten werden muss. Personalisierte Werbung findet statt. Und wir kommen da nicht drum rum, wenn wir im unseren Web Browser irgendwelche Seiten im World Wide Web angucken. Die Kollegen unterhalten sich ein bisschen dadrüber, was das bedeutet, wie das funktioniert und auch wie die Mechanismen dahinter im Detail funktionieren.

[6:03] All die Vorträge, die gehalten wurden, könnt ihr auch auf den Seiten vom CC im Stream noch mal angucken. Das heißt, die Sachen kann man alle nachträglich noch anschauen. Wir haben dazu links auch auf unserer. Seite mit den Shownotes, also auf unserer Webseite Politopiamagazin Punkt DE könnt ihr auch die Links dorthin alle nochmal finden. Hier ist das Politopear Magazin bei Radio X. Wir schauen heute mal rein bei der Remote-Caos Experience, RC drei. Das ist das jährliche.

[6:33] Klubtreffen vom Chaos-Computer-Club und zwar die Online-Version davon, weil zur Zeit sind ja direkte Treffen erstmal in der Größenordnung von tausenden von Leuten nicht möglich. Dort gibt's unter anderem einige Vorträge. Wir schauen jetzt mal in einen Vortrag ein bisschen genauer rein und zwar heißt der Chinas Sozialkredit. Das gefrlichste Bonitätssystem der Welt. Tja, das hat sich ja schon ein bisschen rumgesprochen, dass die chinesische Regierung dort. Ein System entwickelt, mit dem im weitesten Sinne eine Bonität, eine soziale Bonität von Personen bewertet wird oder bewertet werden soll. Das System ist noch im Aufbau und es geht darum, so einen Scorewert, also einen Punktewert zu kriegen und dieser Punktewert hat dann auch Einflüsse. Einfluss darauf, was Personen in dem Land dann auch machen können Also welche Möglichkeiten sie haben und wie leicht oder schwierig das dann ist vielleicht auch da Vergünstigungen zu bekommen oder auch Hindernisse in den Weg zu bekommen.

[7:35] Der Vortrag ist mitorganisiert von dem Verein Digitalcourage. Das ist ein Verein, der kümmert sich um ja Fragen der digitalen Welt und auch der Rechte der Bürger in einer Gesellschaft. Die beschreiben sich selbst so. Die schreiben hier Digitalcourage e. V. Engagiert sich seit 1987 für Grundrechte, Datenschutz und eine lebenswerte Welt im digitalen Zeitalter. Wir sind technikaffin, doch wir wehren uns dagegen, dass unsere Demokratie verdatet und verkauft wird. Seit im Jahr 2000 verleihen wir die Big Brother Awards. Digitalcourage ist gemeinnützig, finanziert sich durch Spenden und lebt von viel freiwilliger Arbeit. Ja, also so beschreibt sich der Verein selbst. Die sind also in diesem Umfeld unterwegs, kennen sich da ein bisschen aus und versuchen dann natürlich auch zum Erkenntnisgewinn beizutragen.

[8:31] Im Vortrag geht's um Folgendes. Chinas Sozialkreditsystem ist ein moralisch hoch fragwürdiges Überwachungswerkzeug. In dem demnächst neueste Technologien zum Einsatz kommen sollen. Wie wird die Welt mit einem China umgehen, das seinem Volk keinerlei Privatsphäre lässt? Ist es denkbar, dass Deutschland dieses Konzept für sich übernimmt?

[8:53] Katrin Schwalen spricht mit Kolja Kokanag, Doktor Thilo Weichert und Paddelloon über ein gefrliches Überwachungssystem und seine möglichen Folgen für Deutschland. Das Konzept des Sozialkreditsystems ist relativ einfach.

[9:09] Und zwar um die Vertrauenswürdigkeit einer Person einschätzen zu können, werden Daten dieser Personen gesammelt und zwar alle möglichen Arten von Daten. alle möglichen Daten, die man bekommen kann offline Verhalten, Online-Verhalten, also Online-Verhalten, sprich das Kaufverhalten auf zum Beispiel Taubau, also dem chinesischen Äquivalent von .

[9:33] EBay Chatverläufe werden mitgelesen GPS-Daten vom Smartphone werden ausgelesen Accounts, Mitgliedschaften, Apps, die genutzt werden. Alles, was eben zur Verfügung steht. Nebenbei sagen sei noch gesagt, es gibt . Von 30 Datenschutzgesetze in China, aber die Umsetzung daran hapert es dann doch, sodass das. In dem Sinne kein Thema ist. Offline-Verhalten.

[10:03] Ämter, Behörden alle teilen ihre Daten in einer ziemlich großen Cloud wo alles gesammelt wird zu jeder Person.

[10:12] Und hinzu kommen neueste Erfindungen wie Videoüberwachung, Spracherkennung, Gesichtserkennung, sogar Gangerkennungssoftware.

[10:27] Alles um eben das aufgenommene Verhalten, was man. wahrnimmt sozusagen auch wirklich einer konkreten Person zuordnen zu können. da geht's dann um Mülltrennung, um . Straßenverkehrsdelikte, all diese Dinge.

[10:43] Man will ja möglichst genau festlegen können, zu welcher Person eben diese Handlung gehört.

[10:51] Alle Daten werden in Echtzeit registriert und von einem Algorithmus über den im Grunde genommen nichts offiziell bekannt ist, analysiert und bewertet. Jetzt gibt es Verhalten, das wünschenswert ist.

[11:05] Und es gibt erhalten es nicht wünschenswert ist. Für wünschenswertes Verhalten zum Beispiel wenn man eine. Eltern irgendwas gegangen sind oder einfach ihre Idee vorher zu besucht, wenn man ehrenamtliches Engagement nliches, dann gibt es Pluspunkte. Wenn man aber unerwünschtes Verhalten an den Tag legt, zum Beispiel Gesetze bricht oder . ähnliches. Dann gibt es Minuspunkte. All das wird auf einem digitalen Konto festgelegt.

[11:40] Und ist sogar offiziell einsehbar für jede und jeden.

[11:48] Wenn man jetzt einen besonders hohen Kontostand hat.

[11:52] Dann werden verschiedene Privilegien freigeschaltet, zum Beispiel bekommt man einen kostenlosen Bibliotheksausweis, man ist befreit von verschiedenen Kautionszahlungen und nlichem.

[12:03] Wenn man einen niedrigen Punktestand hat, dann werden ziemlich massive Sanktionen wirksam. das geht dann los mit man bekommt keine erste Klasse Tickets mehr für den Zug. .

[12:18] Sondern muss dann die harten Holzbänke nehmen und es geht dann immer so weiter und wird. Schlimmer, dass man irgendwann die Reisefreiheit ganz eingeschränkt bekommt. man bekommt keine Auslandsvisa mehr ausgestellt. Man kann keine Flugtickets mehr kaufen. .

[12:38] das geht sogar so weit, dass die eigenen Kinder irgendwann keine guten Schulen mehr besuchen können berufliche Entwicklungen werden verwehrt und so weiter.

[12:49] Das heißt, was damit im Grunde genommen auch. Bezweckt werden soll, ist die Umerziehung des Volkes oder der Bürgerinnen und Bürger zu gutem Verhalten hin.

[13:01] So. Da möchte ich jetzt gleich schon ein paar Kritikpunkte mit einbringen und Zwar lässt sich das teilen in technische Mängel bei dem System. Allerdings können wir die gleich auslassen. Erstens kenne ich mich dafür technisch nicht gut genug aus und zweitens würde das dann wirklich den Rahmen sprengen. Aber es gibt soziale und ethische Probleme, die glaube ich hochinteressant sind für uns auch heute und natürlich Herausforderungen für das Management selbst. Die soziale und ethischen Probleme sind zum Beispiel folgende. Ich habe gerade gesagt es soll gutes Verhalten anerzogen werden. Wer entscheidet denn, was gutes Verhalten ist? Und da liegt schon der Kasus Knacktus. die Sozialkreditsysteme Im Moment sind es ja noch mehrere, sind zwar offiziell in privater Hand von den großen Techfirmen wie Tencent, Alibaba und wie sie alle so heißen. Aber eben nur offiziell, inoffiziell behält sich die kommunistische Partei Chinas vor. Ohne Angabe von Gründen Dinge in diesem System verändern zu können und sogar retrospektiv verändern zu können. Das heißt unerwünschtes Verhalten kann zum Beispiel angepasst werden. Retrospektiv heißt in diesem Kontext wenn die kommunistische Partei.

[14:20] Heute etwas ja als unerwünscht festlegt, was gestern noch in Ordnung war, dann wird man auch heute noch für das Verhalten von gestern bestraft. Wenn ich also heute mit meinen Freunden aufm Weihnachtsmarkt Glühwein trinke.

[14:35] Und morgen wird es bestraft, weil das Verzehr von Alkohol ist, dann werde ich auch morgen bestraft dafür, obwohl es heute noch völlig in Ordnung ist.

[14:47] Ja und das Ganze schürt natürlich oder erleichtert auch die Verfolgung von Minderheiten. Dabei ist egal, ob's um Homosexuelle geht oder um ethnische Minderheiten, Uguren was ja auch viel in den Medien im Moment diskutiert wird ja und das sind natürlich Dinge die uns entsprechend beschäftigen werden.

[15:10] Dann wird der Algorithmus vorgeschoben. Ja, die kommunistische Partei und überhaupt alle Betreiber des Systems, waschen die eigenen Hände in Unschuld und sagen, ihr seid doch für euer eigenes Handeln selbst verantwortlich. Handelt, so wie wir euch das vorgeben und dann . Habt ihr auch nichts zu befürchten auch das ist garantiert ein Punkt, über den man streiten kann.

[15:37] Weil natürlich das System menschengemacht ist und entsprechende Mechanismen vom Menschen justiert und nachjustiert werden.

[15:47] Ja und ein weiterer Punkt, der auch unbedingt genannt werden sollte, Solidarität, Nächstenliebe . Zwischenmenschlichkeit, all diese Punkte gehen natürlich mehr und mehr verloren, weil die Leute nicht mehr .

[16:03] Handeln aus reiner Nächstenliebe, sondern um Punkte zu gewinnen oder wenigstens um keine Punkte zu verlieren. also auch da . Die Moral, wie wir wissen, ist ein Muskel, der entsprechend gepflegt werden will und wenn andere einem das Denken abnehmen dann wird das Ganze schwierig, wenn das System irgendwann vielleicht mal wieder abgestellt wird und wir überhaupt keinen inneren Kodex mehr haben. wie wir eigentlich handeln wollen.

[16:31] Herausforderung an das Management und dann bin ich auch gleich am Ende.

[16:36] es geht natürlich darum, internen Missbrauch zu verhindern, ja, dass diejenigen, die das Ganze einstellen so einstellen, dass es .

[16:46] Ja, verträglich ist. Ist vielleicht ein sehr starkes Wort. ja und natürlich externe Angriffe. Hackerangriffe, Datenlecks et cetera.

[16:56] auch damit muss umgegangen werden und es muss natürlich eine völlig neue Gesetzesgrundlage geschaffen werden, dass das Sozialkreditsystem transparent wird, dass es auch ein großes Problem derzeit. Dieser Algorithmus ist in seiner Tiefe überhaupt nicht durchschaubar. Es ist den Leuten ist nicht bekannt, warum sie den Punktestand haben, den sie haben. Dankeschön Kolja, aber das klingt ja schon auch ziemlich gruselig. Du hast zwar gesagt, es gibt Datenschutz in China. Gibt es denn auch so was wie eine Bürger in Bewegung?

[17:33] Nichts, was wirklich so mächtig ist, dass es Dinge verändern kann, weil die die.

[17:42] Unzufriedenheit im Volk, die ist da, die ist auch lange da, es gibt jeden Tag Hunderte. Demonstrationen, die natürlich unangekündigt sind, weil sie sonst nicht gesteppt werden und nliches. die meisten kriegen wir hier gar nicht mit.

[18:00] also die Unzufriedenheit ist da, aber es wird natürlich alles sofort ja zerschlagen, wenn man so will. Mhm. Okay. Sozialkreditsystem, also dieser Begriff hat mich am Anfang ein bisschen verwirrt, weil sozial hört sich erst mal gut an. Kredit, na ja. Irgendwie so ist es gleichbedeutend mit Bonitätssystemen wie wir sie hier in Deutschland haben, das wäre meine Frage an dich Thilo. Bonitätssysteme wie beispielsweise die SCHUFA oder andere Auskunftsdateien. Wie unterscheiden die sich vom chinesischen Sozialkreditsystem?

[18:39] Kann man das so einfach aufn Punkt bringen? Also es gibt eine ganze Menge von nlichkeiten, aber es gibt auch einige Unterschiede und auf die kommt's dann tatsächlich auch an. Aber vorneweg muss ich erstmal .

[18:50] Auch eine Information geben. Ich war 2017 in Shanghai auf Einladung von der Friedrich-Ebert-Stiftung und dort wurde ich eingeladen, um eben über die SCHUFA und über andere Kredit, Bonitätssysteme zu referieren und eben auch den Vergleich mit den chinesischen Systemen zu machen. Da ging's insbesondere auch um die Frage, eben wie weit kann in China Akzeptanz geschaffen werden für ein System, was in Deutschland mehr oder weniger akzeptiert ist. Und insofern habe ich auch so ein bisschen jetzt auch Einblick nehmen können vor Ort Das, was aber publiziert wird, das geht weit über das hinaus, was sich tatsächlich dann dort offengelegt bekommen habe. Ich durfte mir zwar die Computer anschauen und die Räumlichkeiten, in denen das Ganze untergebracht ist. Aber wenn's dann wirklich drum ging, wirklich harte Fakten nachzufragen da ist dann meistens gemauert worden es gibt einen riesigen Unterschied und zwar hat sich auch bei diesen Vorträgen und Diskussionen rausgeschält. Ich habe immer wieder das Wort Bürgerrechte, Menschenrechte in Mund genommen und darauf gab es keinerlei Resonanz. Wir haben.

[20:00] Menschenrechte, wir haben Bürgerrechte, die sind weltweit auch garantiert und zu denen gehört auch das Recht auf Privatsphäre oder jetzt ein modernerer Reform eben das Grundrecht auf Datenschutz in der europäischen Grundrechte-Charta oder dann auch vom Verfassungsgericht in der deutschen Verfassung abgeleitet. Also das ist ganz zentral. Ein weiterer Punkt ist, dass diese Grundrechte.

[20:22] Eben auch einklagbar sind. Das heißt also, man kann vor Gericht eben auch einfordern, dass die eingehalten werden das ist zwar in China auch teilweise möglich, Kolja hat schon darauf hingewiesen, dass Datenschutzgesetze gibt. Die werden auch von Gerichten überprüft. Die werden aber natürlich nicht überprüft. Die Polizei diese Daten nutzt und sie hören erst recht nicht überprüft auf das, was eben das Relevante ist auf die Vorgaben, die durch die kommunistische Partei gemacht werden. Also das heißt, was die kommunistische Partei an Vorgaben macht und welche Daten abgefragt werden oder wie die Daten auf Befehl der kommunistischen Partei ausgewertet werden. Da ist ein absolutes Tabu. Und dann haben wir natürlich die Regelung, die dann auch aus unserer Verfassung abgeleitet wird, die in Grundrechte gerade da drin steht. Wir haben die Zweckbindung. Das heißt, Daten dürfen grundsätzlich nur für den Zweck genutzt werden, für den sie erhoben worden sind. Und wenn sie für einen anderen Zweck verwendet werden.

[21:24] Dann bedarf es dafür einer angemessenen gesetzlichen Grundlage die als Legitimation für diese Nutzung eben dann auch verwendet wird und das ist natürlich dann schon etwas, was eigentlich dann in Austausch zwischen Polizei, Daten, Straßenverkehrsdaten, Bonitätsdaten, Konsumdaten, Familiendaten und wer weiß, was eigentlich verbietet Aber und da ist dann wieder das Problem. Wir haben auch in Deutschland viele Regelungen, die eben eine Zweckaufhebung auch erlauben Und da muss man sich dann eben genau angucken, welche anderen Zwecke sind erlaubt das Verfassungsgericht der Europäische Gerichtshof sind da relativ eng. Die sagen also es muss nicht nur eine klare gesetzliche Grundlage geben, sondern es müssen auch verfahrensrechtliche Vorkehrungen vorgesehen werden und was Kolja auch schon beschrieben hat, was in China fehlt, Transparenz.

[22:18] Wird sowohl vom EuGH als auch vom Bundesverfassungsgericht immer wieder eingefordert eben dass die Betroffenen sich . Einschätzen oder dass sie einschätzen können, was mit ihren Daten passiert und welche Folgen aus ganz bestimmten Datenfolgen sichergeben können. Also ich denke, da gibt's einen riesigen Unterschied. Was aber trotzdem natürlich auch in Europa und in Deutschland existiert. Wir haben künstliche Intelligenz, wir haben Algorithmen und diese Algorithmen sind bisher sehr intransparent. Der Bundesgerichtshof hat eine Entscheidung zum Scoring-Verfahren bei der SCHUFA getroffen, wo dem der SCHUFA zugestanden wird. Ihr Score-Verfahren, also ihr Algorithm als Betriebs- und Geschäftsgeheimnis gegenüber den Betroffenen geheimhalten zu können. Und das hat zur Folge, dass selbst Aufsichtsbehörden, ich war damals noch Chefner, Aufsichtsbehörde und habe das versucht irgendwo transparent zu machen. Dass es selbst uns untersagt war eben in diese Algorithmen reinzuschauen beziehungsweise die zu kontrollieren und die zu hinterfragen. Ob sich das jetzt in Zukunft ändert, wird sich zeigen, die Europäische Kommission hat einen Vorschlag für eine KI Richtlinie gemacht, also eine Richtlinie zur künstlichen Intelligenz, die natürlich bei der in diesen ganzen Scoring-Verfahren zum Einsatz kommt und dort ist vorgesehen, dass Transparenz geschaffen wird, dass also .

[23:48] Dann künstliche Intelligenzeinsatz zum Beispiel in der Werbung als weniger problematisch angesehen wird, wie eben jetzt der Einsatz von künstlicher Intelligenz bei der Polizei oder bei Bonitätsbewertung, Abonniert Täter also Bewertung der Zahlungsfigkeit und der Zahlungsbereitschaft ist also ein ganz zentraler Punkt auch von dieser von diesem Richtlinienvorschlag. die werden also relativ hoch eingestuft, aber dann auch alle Verfahren, wo künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt und wo es dann ja existenzielle Folgen für die Betroffenen haben können und das ist ja in China umfassend so also das, was der Algorithmus auswirft, das ist bestimmt für unser Leben oder für das Leben der Chinesen. das ist aber natürlich auch bei dem Schufa-Score, bei anderen Scoring-Verfahren der Falle und wenn ich einen schlechten Schufa-Score habe und der ist nicht hinreichend transparent dann kann es bedeuten, dass ich mein Beruf nicht komme, dass ich eine Telekommunikationsvertrag nicht bekomme, dass ich auf jeden Fall keinen Kredit bekommen, dass ich nicht online einkaufen kann. Also es gibt eine Vielzahl von Konsequenzen, die wir auch in Deutschland haben. Also insofern ist das also tatsächlich auch ein riesiges Problem und wir haben natürlich auch in Europa in Deutschland die Begehrlichkeiten, die auch in China existieren, die hier im Durch die gerichte gebremst werden, auch durch die Datenschutzbehörden, nur teilweise gebremst werden und diese Begehrlichkeiten gehen weit über das hinaus, was von den Gerichten akzep.

[25:17] Wir haben zum Beispiel ein Bonitätsverfahren in von einem polnischen Firma. In Deutschland wurde es sich etabliert, weil sie eben der Widerstand zu groß ist, dass eben nicht nur . Daten.

[25:30] Aus den Finanzgebaren von einer Menschen analysiert, sondern zum Beispiel auch den Internetaktivitäten auswertet. Und dadraus Rückschlüsse zieht auf die Bonität oder dann auch die Schufa, die schließt aus der Wohngegend.

[25:48] Zurück auf die Bonität. Das heißt, wenn ich also Nachbarn habe, die schlecht beleumt sind, die ihre Kredite nicht rücken zurückbezahlen, dann wird unterstellt, dass ich als Nachbar sozusagen, eben auch meine Kredite nicht zurück bezahle. Wenn keine sonstigen Informationen vorhanden ist. Das hat zum Beispiel zur Folge gehabt, dass ich erstmal als ich in einer anderen Gegend gewohnt habe, absolut schlechten Score gehabt bei der Schufa. das hat sich jetzt geändert, nachdem ich in Kiel in die Innenstadt gezogen bin. Also auch da zeigt sich, dass das Problem immer noch existiert, dass wir das Problem in der Transparenz haben dass wir eben auch in einer absolut ja im wahrsten Sinne des Wortes auch im Neuland uns befinden weil eben solche Firmen wie die Schufa, wie Infrastorp, wie Kreditreform und viele anderen Universum, also diese ganzen Bonitäts- Bewertungsfirmen sich die Daten aus allen möglichen Quellen zusammenzusuchen versuchen die Schufa zum Beispiel ist immer wieder berühmt und berüchtigt dadurch geworden, dass sie eben Daten aus definitiv illegitimen Quellen zu schöpfen versucht hat und da gab's dann aber öffentlichen Widerstand.

[27:05] Den gibt's eben nur ganz verhalten in China und dieser Widerstand ist im Prinzip ja die das Wesen um oder das Wesentliche, um eben dann solche Auswüchse von Algorithmen Nutzung und von solchen Bonitäts Verfahren zu verhindern.

[27:24] Danke Tilo, das war schon mal ein ziemlich großer Einblick. Wobei. Ja hier in Deutschland nicht so nicht nur so ist, dass Bonitätspersonen bezogene Daten abgefragt werden, sondern wir haben ja auch noch viele andere Formen von Überwachung aufgrund von KI, sei es die Vorratsdatenspeicherung, sei es die Gesichtserkennung, also die die Kameras beispielsweise am Berliner Bahnhof Südkreuz Staatstrojaner Telekommunikationsüberwachung. Padologie ist es deiner Einschätzung nach möglich oder unmöglich, so eine chinesischen Bonitäts- oder Überwachungssysteme. Als Ganzes oder in Einzelteilen in Deutschland umzusetzen.

[28:07] Na ja, ich hoffe, dass das nicht möglich ist. Und das hoffe ich, hoffen wir alle anderen auch, aber ich glaube, diese Hoffnung .
Versucht immer wieder zu unterlaufen.

[28:19] Gibt eine Menge Leute auch in Deutschland, die sich überhaupt kein Problem damit haben, dass alle anderen drangsaliert werden, Hauptsache ihnen geht es gut. Ist natürlich nicht funktioniert, sondern sie dann auch selber auch dran soliert werden. Das erschließt sich ihnen nicht. Also die Psychologie, die hinter diesem ganzen Überwachung Überwachungen steckt. Die finde ich super interessant und ich hoffe eigentlich immer mal, dass bei einer. Psychologischen Fakultät einfach auch mal überlegt wird, was führt eigentlich dazu, dass Menschen so was mit sich machen lassen. Wie kommt es, dass sie dass seine gute Geschichte oder es ist schon richtig, wenn der Nachbar mal gezeigt geht, wo es wo es wo's langgeht. Geht und so und da mag ich mal eine Polizistin zitieren, die ich in einem Seminar hatte, das ich gab. Na ja und dann kommt die Leute und sagen, wir möchten gerne das vor dem Kindergarten mehr Geschwindigkeit überwacht wird, weil die fahren da alle viel zu schnell und sind da super entsetzt, dass sie selber diejenigen sind, die in die Geschwindigkeitskontrolle. Ausgewunken werden, weil sie die Leute sind, die zu hohen Tempo zum Kindergarten.

[29:27] Will jetzt nicht dafür plädieren, dass bei Frau Kindergärten rasen soll, aber sich wirklich Gedanken zu machen, wie schaffen wir es möglichst unsere Nachbarn.

[29:37] Seinem kranken Nachbarn auch dazu zu bringen sich tatsächlich für eine für Freiheit einzusetzen und da meine ich nicht die Freiheit auf der Straße rumzugrapieren nach dem Motto ich will aber nicht erwachsen werden, sondern eher in dem Sinne von ich bin ein erwachsener Mensch, ich brauche nicht bewacht werden, ich mache auch nichts böses.

[29:56] Lasse mir meine Fingerabdrücke nicht abnehmen, ich möchte nicht in einem Bonitätssystem rumagieren und mache dadran auch nicht mit.

[30:06] Und und auch ab wann die Leute wieder anfangen zu begreifen, dass das eben eine politische Forderung ist, die ich auch politisch
durchzusetzen und durchsetzen kann ich das nur, wenn ich meinen Bundestagsabgeordneten, meinen Parlamentariern den Rücken stärke.

[30:26] Und also man nennt das auch manchmal sie unter Druck setzen, aber das finde ich gar nicht das richtige Wort, sondern einfach auch mit den Leuten diskutieren und ihnen sagen, hm. Wenn schon wieder mal einer eurer InnenpolitikerInnen kann man ja mittlerweile sagen ankommt und sagt wir wollen jetzt gerne weiter.

[30:45] Mehr Überwachung, mehr Sicherheit, dass da wirklich zu hinterfragen und zu fragen, was da los ist. Also ich habe zum Beispiel rausgefunden, dass das meiste, was in den letzten 30 Jahren, in denen ich in dem Thema auch von innerer Sicherheit arbeite und dauert mit irgendwelchen unsinnigen Forderungen von Politikern zu tun haben, was sie alles sicherer machen wollen eigentlich nur so ein Sicherheitstheater gemacht wurde, weil das eben ganz wunderbar im Wahlkampf funktioniert, den Leuten mehr Sicherheit zu versprechen, obwohl wir in einem der sichersten Ländern der Erde sitzen.

[31:19] Was aber tatsächlich nicht gemacht wurde, da wo es um echte Sicherheit geht, nämlich zum Beispiel. Gesundheitsämter so auszustatten, dass bei einer Globalisierung eh zu erwartende Pandemie gut bekämpft werden kann im Ansatz, das ist nicht geschehen. Also Haben die ganze Zeit damit zu tun, dass uns in fillige Sache, die recht einfach sind, wie Wir bauen einfach mal überall Überwachungskameras hin und kassieren pro Standleitung 850 Euro im Monat, weil . Können wir vier. Steuergelder in private Kassen umlenken. Das funktioniert, aber Gesundheitsämter auszustaffieren mit einer notwendigen IT, mit einem. Konzept auch mit einer STIKO, die genügend Leute hat um Entscheidungen treffen zu können, das wird halt nicht gemacht, das ist halt komplizierter. Nicht so einfach und ich glaube da müssen wir als Bevölkerung wirklich uns überlegen. Dafür sorgen politisch entsprechend zu agieren. Klar, eine der Möglichkeiten ist das Organisationen zu gründen, die. Da dran arbeiten. Ich habe sowas mitgemacht, also Digitalcourage.

[32:27] Eine der Organisationen, die sich da drum kümmert und wenn ich jetzt selber dafür keine Zeit habe, weil ich
doch lieber meinen anderen Job macht, der mir mehr Spaß macht, dann muss ich halt solche Organisationen unterstützen. Was mich aber nicht davon entbindet, mindestens einmal im Monat etwas zu tun, was politisch notwendig ist und sei es auch nur mal zu einer Veranstaltung zu gehen, die man im Bundestagsabgeordneter oder meint Bundestagsabgeordneter in meiner Stadt veranstalten und dazuzuhören und vielleicht auch mich dort einzubringen. Das war jetzt ein Ausschnitt aus dem Vortrag zum Thema Chinas Sozialkundgebungssystem. Den Link dazu für den kompletten Vortrag, den gibt's beim CCC. Wir haben den Link dazu natürlich auch auf unseren Shownotes. Dort könnt ihr das nachgucken beziehungsweise bei Digitalcourage Punkt DE findet ihr natürlich auch Informationen, was die Leute sonst so machen wie dieser Verein aufgestellt ist. Hier ist das Politopia-Magazin bei Radio X.

[33:23] Wir sind zu Gast bei der RC 3 bei der Remote Chaos Experience. Das ist das Jahrestreffen, das online stattfindet. Das CCC des Gras-Computerclubs. Dort gibt's Vorträge und wir hören Ihnen Vorträge rein Jetzt geht's um das Thema warum personalisierte Werbung verboten werden muss.

[33:43] Es geht also nicht um nervige Cookiebaner, es geht um eine Menge guter Gründe, warum Werbetracking und Überwachungswerbung nicht nur schädlich, sondern sogar gefrlich sind.

[33:53] In diesem Talk geht es um die vielfältigen Nebenwirkungen von personalisierter Werbung im Netz. Es gibt keineswegs nur um Datenschutz, sondern auch um Wettbewerbsverzerrung, manipulation der Nutzer, Intransparenz und Betrug zulasten der Werbetreibenden. Den Kampf um Aufmerksamkeit, die daraus folgende Förderung von Desinformation und Radikalisierung die Ermöglichung von detaillierten Verhaltensprognosen und damit den Verlust einer selbstbestimmten Zukunft. Hier unterhalten sich jetzt Rena Tangens und Matthias Eberl über Fragen von personalisierter Werbung. Ja, Digitalcourage haben wir schon 1987 gegründet und seit 2000 verleihen wir die Big Brother Awards und diese Big Brother Awards, die haben wir tatsächlich überlegt, ob wir sie nicht anders nennen sollten. Denn bei Brother Awards denken Leute natürlich an 1984 von George Orwell und da geht es um staatliche Überwachung, da geht es um den großen Bruder. Es geht um einen totalitären Staat der überall Überwachungs Geräte irgendwo installiert hat Kameras, Mikrophone und so weiter und diese Angst vor der staatlichen Überwachung, die war in den achtziger Jahren auf jeden Fall sehr präsent, als wir digital Courage gegründet haben. zu den in den.

[35:20] 90ern haben Leute das im Wesentlichen verdrängt. Da gab es dann Internet mit Web und alles war bunt und spannend und da hat man die Bedenken ziemlich beiseite gewischt. Und im Jahr 2tausend haben wir also ernsthaft überlegt, den Big Brother Award anders zu nennen, zum Beispiel Huxley Award oder so. wir haben dann aber davon.

[35:44] Weil wir ja keinen Literaturpreis vergeben wollen, sondern etwas, was Leuten auch so auf den ersten Blick sofort etwas sagt und irgendwie hat es mit Überwachung zu tun. Aber mein erster Hauptpreisträger bei dem Big Brother Awards war ein Player aus der kommerziellen Überwachung, weil ich das enorm wichtig finde, dass wir da nicht blind für werden, was Konzerne da mittlerweile am Laufen haben. das war damals die Payback-Karte. Da würden Leute auch sagen, ach das ist doch freiwillig und das macht doch Spaß, ich kann Punkte sammeln, Geld sparen und so weiter. aber auch dort wird durch die Sammlung von Daten von Menschen passiert etwas mit ihnen, nämlich sie werden analysiert nach einigen Einkäufen geht das schon ziemlich gut. Im Netz geht das noch viel besser und das bedeutet dann eben nicht nur, dass ich Katzenfutter angeboten bekomme, wenn ich tatsächlich Katzenfutter brauchen könnte, mich dafür interessiere, merke vielleicht vielleicht .

[36:52] Sondern das bedeutet auch, dass Prognosen über mich angestellt werden. Das heißt andere entscheiden darüber was ich in Zukunft wohl machen werde für welche Sachen ich in Frage komme, welche Angebote ich bekomme überhaupt noch und welche nicht. Das heißt mit dieser Art der kommerziellen Überwachung verlieren wir so etwas wie selber das Future zu verwenden. Ich will dies und das tun. Ich werde das und das nicht tun.

und etwas zu planen und oder auch mich umzuentscheiden, ein eine völlig andere Wendung in meinem Leben zu nehmen, mich zu ändern, mich für andere Dinge zu interessieren vielleicht andere Freunde zu suchen und so weiter und diese zutiefst menschliche Möglichkeit wird uns durch die immer perfektere Überwachung durch kommerzielle Player letzten Endes versucht zu verwehren, weil wir auf bestimmte Lebenswege bestimmte Zukunft versucht werden festzulegen. Und an dieser Stelle gibt's eben nicht nur die Werbefirmen, die das sehr interessiert und die versuchen darüber möglichst viel über uns zu erfahren, sondern

[38:13] Es eben auch so Player wie Versicherungen, Versicherungen sind natürlich sehr daran interessiert etwas über die Zukunft zu erfahren, weil sie ja das Risiko halt tragen sollten. Tatsächlich ist es so, dass inzwischen versuchen versuchen Versicherungen natürlich Risiken möglichst auszuschließen und Menschen, die ein Risiko haben könnten, möglichst gar nicht erst eine Versicherung zu geben. dafür wird auf sehr vielfältige Daten zurückgegriffen, beispielsweise Shoden sich schauen sich Versicherungen, auch Social Media und sehen dabei zum Beispiel mit welchen Sportarten, mit Risikosportarten und nlichem sich Leute beschäftigen. Ich habe für einen großen Versicherer.

[39:02] einmal einen Vortrag gehalten und deren konkrete Frage war, also eine fiktive, aber konkret war Wenn es ein Startup gäbe, dass aus den Social Media Posts einer Person, deren Body Mass Index errechnen könnte, sollten wir dieses Start-up kaufen. da bekommt ihr so einen kleinen Eindruck davon, was alles halt möglich ist. Und die Werbung, die wir zugespielt bekommen, wenn wir Webseiten besuchen, meistens irgendwelche Nachrichten, Seiten ist ein kleiner Teil von dem, was da eigentlich passiert. Alle regen uns natürlich auf über die nervigen Cookie-Banner. Wirklich darauf angelegt sind, das Design möglichst schlecht zu machen, also die Leute, die das Design.

[39:49] Können und das eigentlich könnten das eigentlich sehr gut aber sie machen halt genau das Gegenteil von dem was man sich wünschen würde um das gut bedienen zu können und genau das sollen wir auch nicht wir sollen halt verwirrt werden, wir sollen möglichst lange beschäftigt werden, zermürbt werden, genervt werden damit wir am Ende doch einfach OK drücken und wenn wir das nicht tun, haben wir immer einiges zu tun. Es klaut uns Lebenszeit, das nervt. Das wissen wir alle. Leute haben unterschiedliche Strategien damit umzugehen. Ich möchte heute was dazu sagen. Warum es nicht nur der Nervfaktor ist bei der Bei der personalisierten Werbung, sondern warum es ernsthafte weitere Probleme gibt, denen wir uns stellen sollten und die wir auch nicht alleine auf Hacker-Art lösen können, indem wir einige Tools verwenden und aus irgendwelchen Sachen raushalten oder irgendwelche irgendwas blockieren.

[40:51] Sondern es ist ein größeres Ding, was wir gesellschaftlich lösen müssen und wo wir darauf dringen müssen, dass Gesetze geändert werden und diese Dinge in Angriff genommen werden. Matthias wird da später auch noch einiges mehr zu sagen. ich möchte in diesem Zusammenhang jetzt ein paar Probleme abbrechen die personalisierte Werbung originär verursacht. personalisierte Werbung. ist nämlich nicht nur ein Nerv für die einzelnen Menschen, die Netznutzerinnen und Nutzer, sondern personalisierte Werbung ist auch ein unglaublicher Nerv für zum Beispiel Publisher. Für die Verlage. Die Verlage sind inzwischen gezwungen auf diesen auf diesen Markt zu gehen. Die Werbeagenturen denken, sie müssten möglichst genaue Daten über die Netznutzerinnen und Nutzer herausfinden, sonst seien die halt nicht gut verkäuflich und sie wollen ja ihre News-Seite damit finanzieren. Und deswegen sind sie darauf angewiesen,

[42:03] Zu machen. Sie denken jedenfalls sie seien gezwungen und auf diesem Markt werden die Daten eben der Leute, die eine Website besuchen
angeboten. Das geht in Bruchteilen von Sekunden im Hintergrund wrend die Seite sich aufbaut, wird meine Person angeboten auf dem großen Werbemarkt und Firmen müssen an der Stelle halt sich entscheiden, ob sie eine Person, die so und so alt ist, Geschlecht und verschiedene andere Merkmale werden dann dort angeboten, ob sie der ihre Werbung anzeigen wollen oder nicht und sie dürfen nur einmal bieten. Es gibt nur eine Möglichkeit und deswegen, weil es halt sehr, sehr schnell gehen muss und an dieser Stelle wird dann eben die Aufmerksamkeit von Menschen verkauft. Die Verlage, was ist das Problem für die Verlage dabei? Die Verlage haben früher fünfzehn Prozent nur abgegeben an die Werbeagentur, die die Anzeigen geschaltet hat für keine Ahnung, irgendeine Keksfabrik oder Musik muss Schallplatten, Hersteller, irgendwas, sondern diese 15 Prozent wurden an die Agentur abgegeben und das war's. Der Rest war .

[43:31] Einnahme für den Verlag. Das hat sich inzwischen erheblich geändert, denn die ganzen die ganzen Dienstleister, die die personalisierten Daten der Netznutzerinnen und Nutzer dort verarbeiten, die nehmen sich einen großen Teil von dem Werbekuchen und so ist es inzwischen so, dass ungefr 50 bis 70 Prozent von dem was jetzt so 'n Kekshersteller ausgibt und seine Kekse auf der Spiegel Online Seite zu zeigen landet bei verschiedenen Werbeanbietern und nicht mehr bei dem Verlag insofern leiden tatsächlich auch die Verlage da drunter unter den genaueren .

[44:19] Bedingungen unter denen dieses Real Time Budding abläuft sogar noch mehr, weil an dieser Stelle wird dafür gesorgt, dass der Preis insgesamt niedrig bleibt und . Die Player, die mehr Informationen haben, wissen eben auch über zurückliegende. Auktionen, um meine Aufmerksamkeit Bescheid und können dann dafür sorgen, dass sie möglichst wenig dafür bezahlen. Also so gerade den Zuschlag bekommen. Insofern gibt es eine starke Wettbewerbsverzerrung auch bei den Werbeanbietern, die von. Wettbewerb kann man kaum noch sprechen dabei weil die großen Plattformen tatsächlich den Löwenanteil da abzocken. Tatsächlich ist es für die Werbekunden an sich auch sehr intransparent. Die wissen nicht mehr wo ihre Werbung angezeigt wurde und wem.

[45:14] Das lässt sich extrem schwer für die feststellen, bei Print war das einfach, dann konnte man einfach auch zum Kiosk gehen und die entsprechende Zeitung kaufen und konnte dann sehen, ob die Anzeige da abgedruckt war. ist jetzt bei dem Einzelanzeigen personalisiert quasi nicht möglich. Und tatsächlich passiert da auch eine Menge Schmu. Da wird erheblich betrogen. Dass also mehr angegeben wird, was gezeigt wurde und die Markenhersteller nicht mehr wirklich kontrollieren können, ob ihre Anzeigen tatsächlich in dem Maße gezeigt wurden. .

[45:53] Insofern bleibt halt auch der Wettbewerb auf der Strecke und es ist so, dass auch die Marktteilnehmer an der Stelle geschädigt werden.

[46:03] dann natürlich gibt es ausgesprochen detaillierte Profile von Menschen, die da durch das Verfolgen über verschiedene Seiten halt angelegt werden können die werden auch für politisches verwendet Parteien und Wirtschaft, Lobbyisten und PR-Firmen bedienen sich da gerne dran. tatsächlich sind es nicht nur die, sondern auch Geheimdienste. Und das kann man sich dann erst richtig klar machen, wenn man weiß, wie das real time Buddding so abläuft. Da werden also die Daten dann entsprechenden Besucherinnen der Website werden halt angeboten und dafür gibt es so eine Art Broadcast, die werden also ausgesendet an alle Firmen, die sagen, dass sie Werbung schalten wollten, also dass sie dieses Werbeanzeigenmanagement dort machen tatsächlich sieht es so aus, als ob es Firmen geben würde, die nur so tun, als ob sie Werbung tatsächlich managen wollten und anbieten die eigentlich nur an diesem Bit-Stream interessiert sind. Das heißt, die bekommen am laufenden Nutzerdaten geschickt und schalten aber gar keine Anzeigen. Und dabei ist es ziemlich plausibel, dass sich dabei auch Firmen befinden, die das im Auftrag von ausländischen Geheimdiensten tun.
.

[47:26] Dieses Treiben alleine sollte eigentlich alarmierend genug sein dass man auch in Ländern, wo man Freiheit, der Wirtschaft über alles stellt, dann mal drüber nachdenkt, ob das wirklich die richtige Ja, das richtige Geschäftsmodell ist und in der Tat hat ein NSA-Direktor mittlerweile, bei dem es der Groschen gefallen und der hat gesagt personalisierte Werbung stellt tatsächlich eine Gefahr für die nationale Sicherheit dar. wir müssen da was gegen Ötler nehmen ich bin gespannt, ob sich in der Hinsicht dort mal irgendwas weiterentwickelt. ja . Vielleicht hm könnte ich noch was gerade zu sagen zu den möglichen Alternativen. Also. Viele befürchten ja, dass personalisierte Werbung, wenn wir sagen, personalisierte Werbung sollte verboten werden dass damit alle Werbung im Netz gemeint ist, das ist aber nicht. Es gibt ja auch andere Möglichkeiten. Zum Beispiel Kontextabhängige Werbung.

[48:30] Und einige Medien sind bereits auch darum darauf umgestiegen und probieren das Und einige probieren das tatsächlich mit sehr großem Erfolg, beispielsweise der Guardian und die New York Times in ihrer internationalen Ausgabe. Die haben nämlich mit der personalisierten Werbung aufgehört in dem Moment als die Datenschutz europäische Datenschutz-Grundverordnung in Kraft getreten ist. Und haben gezeigt damit, dass das durchaus möglich ist. Es gibt auch für Medien ansonsten durchaus andere Geschäftsmodelle, andere Finanzierungsmodelle, es gibt Genossenschaftsmodelle und andere Möglichkeiten und eigentlich wäre es angesagt, dass wir die Kreativität und die Innovation mal in diesem Bereich ansiedeln, anstatt dieses Dogma weiter zu verfolgen.

[49:16] Personalisierte Werbung muss sein, sonst bricht im Internet alles zusammen und wir bekommen keine freien Inhalte mehr zu sehen, dann muss ich für jedes einzeln bezahlen. Das ist nicht so. Davon abgesehen es wäre klasse wenn man ein anonym zu nutzen, das Micro Payment hätte, mit dem man tatsächlich einzelne Sachen bezahlen muss und nicht exorbitante Preise bezahlen muss, um an an einer Paywall vorbeizukommen. Das kann's nicht sein. Das vielleicht so als Hintergrund. Die andere Ergänzung betrifft die sozusagen Die Vermutungen, wie sich die Branche in der Zukunft bewegen wird, also sie ist ja vom Datenschutzgesetzen unter Druck. . Unter anderem die DSGVO und Google hat diese Federated-Learning of the horts vorgestellt. Die Grundidee muss man also.

[50:07] Das Projekt ist ja mehr oder weniger eingestellt. Ich glaube, man kann muss da jetzt gar nicht so viel dazu sagen. Das wäre verschwendete Zeit. Einfach mal schauen, was dann wirklich in den nächsten Jahren kommt. aber ein Hinweis vor allem für Politik und Behörden der Trick, mit dem hier gespielt wurde, sind letztendlich Gruppendaten.

[50:25] das heißt, es wird versucht mehrere Leute zu einer Gruppe zusammenzufassen und dann zu behaupten, dass das dann nicht mehr datenschutzrechtlich relevant wäre. Das ist natürlich ein Unsinn, weil sobald und so lange diese Gruppen an mich geknüpft sind und eine gewisse statistische Wahrscheinlichkeit beinhalten. Ich etwas gemacht habe, solange ist das natürlich auch datenschutzrechtlich relevant und da müssen die Gerichte und auch die Behörden natürlich dann auch entsprechend regulieren. Das betrifft zum Beispiel auch die Deutsche Post, die seit Jahren mit Post direkt behauptet, dass Dialog anonym wäre. Da werden also ungefr 6,6 Haushalte in so einen Eimer reingeschmissen. Da sind aber echte Kaufdaten drin. wer sich zum Beispiel ein Auto gekauft hat und dann kann ich eben eine Werbepostbrief tatsächlich adressieren an diese Gruppe und habe halt dann eine Streuung von ja ein Sechstel bisschen mehr oder weniger um diese Leute zu erreichen.

[51:22] Also da ist muss man aufpassen, das sind so die Tricks, die auftauchen grade. die zweite Ausweichbewegung ist eher technisch. und das betrifft die E-Privacy-Richtlinie, die natürlich das Speichern und Auslesen von Cookies unterbindet oder untersagt und deswegen sind da andere Dienste gefragt und auch aufm Smartphone hat man das Problem, dass die Werbe-IDs von Apple zum Beispiel gesperrt werden und auch Android will das natürlich in Zukunft unterbinden. ganz einfach, weil die so groß sind und andere mittelgroße Werbeunternehmen da nicht drin haben wollen. Und Auch das können wir zeigen. ich mache mal gute Frage Punkt NET auf. Das ist jetzt eine der Seiten, die ich untersucht habe und auch in dem Artikel, den ich in der Präsentation verlinkt habe, auch kritisiert habe. die haben das als einen der wenigen auch noch nicht geändert. Also ich gebe keine Einwilligung. Ich gehe einfach nur auf Speichern. Habe hier meinen Dummy-User und sobald ich mich anmelde wird meine E-Mail jetzt gehasht und .

[52:34] An SIOTEB gesendet. Das hier ist der Hesch von der E-Mail, die ich gerade eingegeben habe und das war's auch noch nicht, sondern dieser Hashtag geht auch noch an diese anderen Unternehmen Hier ist auch nochmal drin so dass die jetzt alle die gehashte E-Mail haben und mich aufgrund der natürlich weiterhin im Internet verfolgen können und tracken können. Und was hier passiert ist auch eine Verbindung mit der Offline-Welt das heißt ist zum Beispiel bekannt, dass sie auch mit Autohäusern zusammenarbeiten. und sich auch mit anderen Anbietern die einfach große Kundendatenbanken haben, die nicht unbedingt immer online stattfinden und dann kann man eben auf dem Verhalten auf so einer Seite dann auch abschätzen für was sich der Kunde gerade interessiert und kann dann wieder auf dritten Plattformen Werbung nur mit diesem E-Mail Hashtag schalten, also auch Facebook zum Beispiel schafft es Werbung per E-Mail Hashtag zu adressieren.

[53:29] und das ist eine gewisse problematische Entwicklung, weil das natürlich jetzt reine technische Faulheit ist, dass das alles im Browser passiert, das ist überhaupt kein Problem technisch das Serverseiting in den Hintergrund zu führen und dann kann weder ich als Journalist noch die Behörde da weiter drauf schauen. Das ist 'ne sehr problematische Entwicklung. Das war der zweite Vortrag, den wir euch heute ein bisschen vorgestellt haben wollen. ihr habt vielleicht eine Idee bekommen, den kompletten Vortrag findet ihr auch auf den Seiten vom CCC. mit Video und Audio. wir haben die Links dort auch auf unserem Shownotes, das heißt, dort könnt ihr die Sachen auch alle noch mal finden. Ihr geht einfach auf. Polituria-Magazin Punkt DE und dort sind alle Sachen, die wir heute angesprochen haben, auch noch mal im Detail verlinkt. Ja schön, dass ihr dabei wart. Schön, dass ihr zugehört habt. Das war wieder die heutige Politopia Magazin-Sendung. Wir hören uns hier jeden Mittwoch, 16 Uhr und freuen uns auch, wenn ihr nächste Woche wieder dabei seid.
Hier beim Politopiamagazin. Bis dann.